Seit einigen Jahren kreisen zahlreiche politische und gesellschaftliche Themen in immer engeren Bahnen um die Kennziffern unserer alternden Bevölkerung. Der demographische Wandel gilt in Deutschland mittlerweile als Synonym für unsichere Renten, Nachwuchsmangel und latenten Generationenkonflikt. Häufig überwiegt der negative Zusammenhang, in einigen Szenarien sicherlich nicht zu Unrecht. Es handelt sich – dahingehend herrscht inzwischen Einigkeit – um eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Statistische Erfassung: Grundsätzlich sind bevölkerungsstrukturelle Veränderungen als das (langfristige) Ergebnis von (1) Geburten, (2) Sterbefällen und (3) Migration anzusehen. Diesbezügliche Daten werden amtlich erfasst, analysiert und jährlich publiziert – gültig auf lokaler/regionaler (Statistische Landesämter) sowie auf nationaler Ebene (Statistisches Bundesamt). Dies ist die Basis der Bevölkerungswissenschaft.
Die Entstehung des Wandels: Nachhaltige demographische Veränderungen unterliegen gerade in einwohnerstarken Nationen wie der Bundesrepublik einer hohen Trägheit. Altersstrukturelle und/oder quantitative Trends verfestigen sich in der Regel erst generationenübergreifend. Insofern wäre es falsch, die sich abzeichnende Bevölkerungsentwicklung der kommenden Jahrzehnte als einen abrupten Umbruch zu erachten. Vielmehr deuten sich Ausmaß und Konsequenz des Wandels schon lange an, wurden jedoch trotz aller statistischen Erfassung (s. o.) lange Zeit gesellschaftlich verdrängt und/oder politisch vernachlässigt.

Eckdaten des Wandels: (1) In Deutschland sterben seit 1972 jährlich mehr Menschen als geboren werden. 2008 lag das Geburtendefizit bei über 160.000, bis 2030 wird ein Anstieg auf rund 400.000 Menschen pro Jahr erwartet. (2) Die Geburtenrate stagniert weiterhin bei etwa 1,35 Kindern pro Frau. Das bedeutet: Statistisch bekommen 100 Frauen lediglich 135 Kinder. Rechnerisch verkleinert sich damit jede nachwachsende Generation um ungefähr 30%. (3) Hohe Wanderungsgewinne trugen indes zur (Schein-)Kompensation des demographischen Wandels bei. Per Wanderungssaldo kamen allein zwischen 1991 und 2007 rund 4,5 Millionen Menschen in die Bundesrepublik. Langfristig rechnet das Statistische Bundesamt hier mit einem Plus von jährlich 100.000 bis 200.000 Menschen. (4) Die mittlere Lebenserwartung nimmt weiter zu. Während sie 2008 bei 77,2 Jahren (männlich) bzw. 82,4 J. (weiblich) lag, ist in der Basisannahme bis 2060 mit einem Anstieg auf 85 J. (m.) bzw. 89,2 J. (w.) zu rechnen. Eine weitere Modellvariante beläuft sich sogar auf 87,7 J. (m.) und 91,2 (w.). So oder so: Die Zugewinne werden beträchtlich sein.

Bevölkerungsstrukturelle Folgen: Vereinfacht lassen sich die demographischen Veränderungen der kommenden vier Jahrzehnte auf folgende drei Aspekte reduzieren: (1) Die Gesellschaft altert im Durchschnitt erheblich. Das Medianalter steigt von derzeit 42 auf ungefähr 50 Jahre. Insbesondere die Hochaltrigkeit wird drastisch zunehmen, da sich die Zahl der über 80-Jährigen von 4,1 Millionen im Jahr 2008 auf rund 9 Millionen im Zeitraum um 2060 mehr als verdoppelt. (2) Die Einwohnerzahl in Deutschland wird sich deutlich verringern. Bis 2030 ist mit einem Rückgang von zurzeit über 82 Millionen auf rund 78 Mio. Einwohner zu rechnen. Um 2060 werden aktuellen Berechnungen zufolge noch etwa 65 Millionen Menschen in Deutschland leben. (3) Parallel dazu wird sich die Zahl der Bundesbürger mit Wanderungshintergrund (Migration) signifikant erhöhen. Detaillierte Informationen hierzu unter „Tendenzen bis 2030/2060“.
Konsequenzen für den Sport: Bevölkerungsstatistisch betrachtet, sind damit auch für den organisierten Sport nachhaltige Konsequenzen unausweichlich. Die Vereine und Verbände werden sich programmatisch auf potenziell weniger junge, deutlich mehr alte und immer mehr Mitglieder ausländischer Herkunft einstellen müssen. Dabei wird es zu teils erheblichen regionalen und zeitlichen Differenzen kommen. Detaillierte Informationen hierzu unter „Auswirkungen auf den Sport“, "Mitgliederentwicklung" und "Sportfelder".