Die regionalen Unterschiede des demographischen Wandels – Aktuelle wissenschaftliche Befunde
Mit dem vielbeachteten Forschungsprojekt „Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?“ veröffentlichte das Berlin- Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2006 eine Reihe besorgniserregender Szenarien. Demnach formieren sich Faktoren wie die gesellschaftliche Alterung, Nachwuchsmangel und/oder beruflich bzw. karrierebedingte Migration in vielen Gebieten der Bundesrepublik bis 2020 zu einer nachhaltigen Abwärtsspirale.

Das Land wird sich in zunehmendem Maße in demographische Gewinn- und Verlustgebiete aufteilen. Wirtschaftliche Prosperität und eine „gesunde“ Bevölkerungsstruktur hier – wenig perspektivreiche, stetig alternde und zum Teil verödende Landstriche dort.
Die Ergebnisse der Studie im Überblick:
1.) Besonders problematisch ist die Situation in Ostdeutschland, wo sich 19 der 20 insgesamt am schlechtesten bewerteten Landkreise befinden. Mit Bernburg, dem Burgenlandkreis, dem Mansfelder Land und Köthen entfallen die letzten vier allesamt auf Sachsen-Anhalt, aber auch in Sachsen, Berlin, großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens überwiegen negative Vorzeichen. Einzig das Umland von Berlin (Brandenburg) und Teile der mecklenburgischen Ostseeküste werden im Osten Deutschlands – demo-ökonomisch betrachtet – als hinlänglich zukunftsfähig angesehen.
2.) Auch im Westen der Bundesrepublik deutet sich eine erhebliche Ausweitung demographischer Problemzonen an. Schlechte Vorzeichen finden sich vor allem in altindustriell geprägten Regionen (Stahl, Schiffbau ...), die im wirtschaftlichen Strukturwandel nach und nach an Boden verloren haben. Zu nennen sind das Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Recklinghausen, Duisburg, Herne und Oberhausen), das Saarland (Neunkirchen) und verschiedene Küstenregionen (Bremerhaven). Hinzu kommen einige Landkreise aus dem ehemaligen DDR-Grenzbereich wie Goslar und Osterode am Harz (Südostniedersachsen), der Werra-Meißner-Kreis (Nordhessen) sowie Hof und Wunsiedel im Fichtelgebirge (Nordostbayern).

3.) Baden-Württemberg und Bayern gehen aus der Studie (mit Ausnahme der oben genannten Kreise) fast flächendeckend als Sieger hervor. Junge, potenziell fertile sowie gut ausgebildete Menschen verlagern ihren Lebensmittelpunkt in zunehmendem Maße hierher, um im Gegenzug Wirtschaft, Wohlstand und die Attraktivität der Regionen zu sichern. Hervorzuheben sind das Stuttgarter, das Ulmer, das Münchner und das Ingolstädter Umland. Insgesamt entfallen 19 der 20 bestbewerteten Landkreise auf Baden-Württemberg (Biberach, 1. Platz) oder Bayern (Freising, 2. Pl.). Als positiv ist zudem die Situation in den großen deutschen Ballungsbereichen um Frankfurt am Main, Köln/Bonn und Hamburg anzusehen.
Ob und inwiefern sich die Erkenntnisse des Berlin-Instituts eins zu eins auf den Sport übertragen lassen, wäre zu prüfen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich in den genannten Regionen deutliche Parallelen zwischen Sportentwicklung und Bevölkerungsstruktur manifestieren können. Passend dazu heißt es in der Veröffentlichung der Studie (Quellenangabe im Anhang), dass „Kinder (...) ihre Eltern an den Wohnort" binden und "für bürgerschaftliches Engagement etwa in Schulen und Sportvereinen“ sorgen (S. 10).

Andererseits zählen hochwertige und familienfreundliche Freizeit- und Bewegungsangebote zu den wesentlichen weichen Standortfaktoren von Städten und Kreisen. Hier ist der organisierte Sport gefordert, nicht zuletzt auch in vergleichsweise strukturschwachen Regionen. Daher ist abschließend eine vereins- und verbandsübergreifende Bündelung von Erfahrungen und Erkenntnissen bei der Bewältigung des demographischen Wandels anzustreben (vergleiche dazu auch: Sportentwicklungsbericht 2005/2006 „Sportvereine und demographischer Wandel“). Die sukzessive Aufarbeitung und Veröffentlichung entsprechender Informationen hierzu ist ein übergeordnetes Ziel dieser Internetseiten.
Quellenangabe: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2006). Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen? München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg.









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