Statistisches Bundesamt: Eckdaten der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030/2060

„Im Jahr 2060 wird jeder dritte Bundesbürger mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben - jeder siebte wird sogar 80 Jahre oder älter sein.“ So drastisch die Worte von Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, im Rahmen einer Pressekonferenz zur 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung Ende 2009 geklungen haben mögen, überraschend kamen sie nicht. Die langfristigen Auswirkungen des demographischen Wandels sind inzwischen als hinlänglich bekannt anzusehen, werden in politischem oder gesellschaftlichem Kontext fast täglich diskutiert (Pflegeversicherung, Kinderbetreuung etc.).

Neu ist hingegen, dass eine Zuspitzung des Wandels offenkundig unmittelbar bevorsteht. In Zukunft werden Wanderungsgewinne die anhaltend geringe Geburtenrate (unter 1,4 Kinder pro Frau) sowie steigende Sterbefälle im hohen Alterssegment (hier erhöht sich die Sterbewahrscheinlichkeit trotz der insgesamt zunehmenden Lebenserwartung) nicht mehr oder nur kurzzeitig kompensieren können. Schon heute sinkt die Einwohnerzahl Deutschlands, von 82,5 Millionen im Jahr 2004 auf etwa 82 Mio. Ende 2008 (-500.000). Tendenz weiter fallend.

Hier wichtige Ergebnisse der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung im Überblick (berücksichtigt werden nur die mittleren Wahrscheinlichkeiten der jeweils mehrere Varianten umfassenden Berechnungen des Bundesamtes):

1.) Bevölkerungsrückgang: Ausgehend von derzeit knapp 82 Millionen Menschen ist in Deutschland bis 2030 mit einem Einwohnerrückgang auf etwa 78,5 Mio. zu rechen (-5%). Bis 2060 wird sich die Bevölkerung voraussichtlich um weitere 11,5 Mio. auf rund 67 Mio. reduzieren. Dies ergäbe gegenüber 2008 einen Verlust von 18% und würde überdies sogar den Bevölkerungsstand des Jahres 1950 (BRD und DDR zusammen) unterschreiten.

2.) Altersstrukturwandel: In den nächsten Jahrzehnten wird sich das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung nochmals deutlich erhöhen, von derzeit 42 auf rund 50 Jahre zur Mitte des Jahrhunderts. Dies bringt erhebliche Veränderungen im Größenverhältnis folgender Altersgruppierungen mit sich.

Die <20-Jährigen: Ihr Bevölkerungsanteil wird deutlich geringer. Bis 2030 dürfte die Zahl der "Heranwachsenden" von derzeit 16 Millionen auf unter 13 Mio. sinken (-19%), im Zeitraum bis 2060 sogar auf rund 10 Mio. (-40%). Hauptgrund hierfür: Mit einer signifikanten Erhöhung der Geburtenrate ist laut Statistischem Bundesamt nach wie vor nicht zu rechnen.

Die 20-65-Jährigen: Auch ihr Bevölkerungsanteil wird deutlich sinken, vor allem mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in das Rentenalter ab 2020. Aktuell stellen die 20-65-Jährigen rund 50 Millionen Einwohner Deutschlands. 2030 werden es noch 42 Mio. (-16%), 2060 ungefähr 32,5 Mio. sein (-35%).

Die >65-Jährigen: Die einzige Altersklasse mit deutlichen Zugewinnen. Mit fast 17 Millionen Menschen umfasst sie aktuell lediglich 1/3 der 20-65-Jährigen; 2050 werden es fast 2/3 sein. Vor allem in den beiden kommenden Dekaden wird das Wachstum in der „Seniorenklasse“ rapide sein. Bis 2030 ist mit einem Anstieg auf über 22 Millionen zu rechnen (+37%), dem bis 2050 nahezu konstant bleibenden Höchstwert. Bis 2060 wird dann auch diese Altersgruppe leicht zurückgehen. Unterdessen wird insbesondere die Hochaltrigkeit (>80 Jahre) stark zunehmen. Hier wird der Bevölkerungsanteil von aktuell 4,1 Mio. auf 6,3 Mio. im Jahr 2030 (+55%) bzw. 10 Mio. im Jahr 2050 steigen (145%).

3.) Migration: Trotz schwankender und in den vergangenen Jahren tendenziell rückläufiger Wanderungsgewinne ist Deutschland auch in den bevorstehenden Jahrzehnten als ein begehrtes Ziel ausländischer Zuzüge anzusehen. Bis 2050 werden demnach weitere 6,5 Millionen Menschen zuwandern (Ausländeranteil aktuell: 7,3 Mio. bzw. 9%). Hohe Migrations-Potenziale werden dabei vor allem der Türkei und einigen Ländern Nordafrikas bescheinigt. Die kulturelle Vielfalt in Deutschland dürfte demnach weiter zunehmen und das Thema "Integration" nochmals deutlich an Relevanz gewinnen.

 
 

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