Die Mitgliederentwicklung des DOSB in der Zukunft – Differenziertes Denken erforderlich
Grundlage der folgenden Daten ist die Untersuchung "Demographischer Wandel und organisierter Sport – Projektionen der Mitgliederentwicklung des DOSB für den Zeitraum bis 2030", bei der es sich um eine wissenschaftliche Verknüpfung zwischen aktuellen Daten über den Mitgliederbestand des Deutschen Olympischen Sportbundes und der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundesamtes für Statistik handelt. Ziel der Ende 2007 auf Initiative des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln veröffentlichten Studie ist es, die Mitgliederentwicklung des organisierten Sports anhand mehrerer potenzieller Verlaufsvarianten vorauszuberechnen.

Die Ergebnisse im Überblick: Nach Stand der Dinge wird sich der organisierte Sport bundesweit auf zwei demographisch bedingte Haupttendenzen einstellen müssen:
1.) Absolut betrachtet kann die Gesamtzahl der Mitglieder im organisierten Vereinssport analog zur Situation der Gesamtbevölkerung (zumindest moderat) sinken.
2.) Parallel dazu wird sich die Altersstruktur des organisierten Sports gravierend verändern. Die gesellschaftliche Alterung hat damit auch im Sport erheblichen und zugleich nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung in der Zukunft.
Absolute Mitgliederentwicklung: Bislang ist im gesamten organisierten Sport nur ein geringer Mitgliederrückgang zu verzeichnen. Legt man die allgemeine Bevölkerungsentwicklung zugrunde, können in den kommenden zwei Jahrzehnten die Mitgliederzahlen des DOSB zwar deutlich, aber keinesfalls dramatisch sinken. Die derzeit wahrscheinlichste Variante verzeichnet bis 2030 einen Rückgang von ursprünglich 23,5 Mio. (bis 2009 ist sogar ein Anstieg auf 23,7 Mio. zu verzeichnen) auf etwa 21 Mio. Dies entspricht einem Gesamtverlust von 11% bzw. einem durchschnittlichen Verlust von 0,4% pro Jahr. Wenn jedoch allein eine Steigerung des allgemeinen Organisationsgrades von derzeit 28,8% auf 30,3% gelänge, könnten die demographisch verursachten Verluste egalisiert werden. Laut der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren deutet sich an, dass dies bundesweit und über alle Altersklassen hinweg zumindest bis 2030 realisierbar scheint.

Ohne die Zuwächse bei den über 60-Jährigen ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild: So wird sich die Zahl der unter 60-Jährigen im Falle unveränderter Organisationsgrade bis 2030 von etwa 20,6 auf 16,2 Mio. verringern (-21,5%). Bei der Mitgliedererhebung 2008 wurde bereits ein Rückgang auf 20,2 Mio. registriert. Dies unterstreicht das (1) hohe kompensatorische Potenzial des Sports der Älteren und deutet zudem die (2) Relevanz differenzierter Ansätze bei der Beurteilung demographischer Einflüsse an – vor allem Regionen und Altersgruppen betreffend.
Zur Veranschaulichung: Bei den 7-14-Jährigen beispielsweise würde sich bei einer direkten Übertragung der demographisch bedingten Verluste die Zahl der Mitgliedschaften im DOSB bis 2030 von ursprünglich 4,5 bzw. 4,6 Mio. im Jahr 2009 auf ca. 3,4 Mio. reduzieren (-20%). Dies könnte durch die Erhöhung des Organisationsgrades kompensiert werden, benötigt würde dafür ein Organisationsgrad für die Gruppe der männlichen 7-14-Jährigen von rund 94% (2009: 82%), für Mädchen hingegen von rund 72% (2009: 63%). Es stellt sich, auch angesichts der zusätzlichen gesellschaftspolitischen Entwicklung im Bereich Ganztagsschule, die Frage, ob eine solche Steigerung möglich ist, oder ob Mitgliederverluste in dieser Altersgruppe doch sehr wahrscheinlich sind.

Bei den 19-26-Jährigen werden derzeit über 2,3 Mio. Mitgliedschaften registriert, allein nach der demographischen Entwicklung dürften es 2030 noch 1,8 Mio. sein (-25%). Hier zeigen die aktuellen Organisationsgrade – 38,5% auf männlicher, 21,5% auf weiblicher Seite – deutlich mehr Entwicklungspotenzial als bei den 7-14-Jährigen. In den vergangenen Jahren ist es dem organisierten Sport bei den 19-26-Jährigen jedoch nicht gelungen, die Mitgliederdichte zu erhöhen. Ganz im Gegenteil musste zwischen 1996 und 2009 ein Rückgang von rund 45% (m.) bzw. 27% (w.) auf oben genannte Werte hingenommen werden. Daher stellt sich hier die Herausforderung für die Sportorganisationen, zunächst die nicht demographisch bedingten Verluste zu stoppen, um im nächsten Schritt auch demographisch verursachte kompensieren zu können. Letztlich wird anhand beider Beispiele deutlich, dass pauschale Lösungen im Umgang mit demographischen Fragen nur bedingt erfolgversprechend sind.






