Neue Familienbilder, anderer Sport? Gemeinsame Wege in die Zukunft

Zwar hat das klassische Familienbild in Deutschland beileibe nicht ausgedient, steht jedoch zunehmend in Konkurrenz zu alternativen Formen des häuslichen Zusammenlebens. 2006 lebten rund 39% aller Bundesbürger in einer Familie, 3/4 davon in traditioneller Eltern-Kind-Situation, der Rest alleinerziehend oder in Lebensgemeinschaft mit Kindern (Stichwort Patchwork). Doch der Wandel hat auch hier längst begonnen: (1) Die Gesamtzahl der Familien hat sich seit 1996 deutlich reduziert, laut dem Bundesamt für Statistik kontinuierlich von insgesamt 9,4 auf rund 8,8 Millionen. Besonders betroffen ist Ostdeutschland, wo die Zahl im angegebenen Zeitraum von über 2,2 auf rund 1,6 Millionen sank (-28%). Im Westen blieb sie dagegen nahezu konstant bei rund 7,2 Millionen.

(2) Parallel dazu haben die oben erwähnten Alternativ-Konstellationen des familiären Zusammenlebens sprunghaft an Relevanz hinzugewonnen. Seit 1996 stieg ihr Anteil um 30% auf etwa 2,3 Millionen, wohingegen die traditionelle Familie 16% einbüßte und "nur noch" bei 6,5 Millionen liegt. Führend ist auch hier Ostdeutschland, wo Alleinerziehende und Patchwork-Konstellationen flächendeckend ca. 40% aller familiären Bindungen ausmachen. Teils deutlich geringer sind die Zahlen im Westen, wo vor allem in den südlichsten Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg verstärkt an traditionellen Bindungsmustern festgehalten wird.

Dennoch ist die Relevanz alternativer Familienstrukturen in den vergangenen Jahren nicht nur im Osten der Republik - teils deutlich - gestiegen, sodass im Grunde deutschlandweit von einer nachhaltigen Aufweichung der klassischen Eltern-Kind-Bindungen gesprochen werden kann. (3) Hinzu kommt die offenbar stetig wachsende Bedeutung von Single-Haushalten, deren Gesamtzahl sich in Deutschland allein zwischen 2003 und 2006 um ungefähr 7% erhöhte. Tendenz ebenfalls weiter steigend.

Zusammenfassend deutet sich damit für die bevorstehenden Jahrzehnte nachfolgendes gesellschaftliches Gesamtbild an: Obwohl die traditionelle Familie in Deutschland sicherlich einen hohen Stellenwert behalten wird, zeigt sich - je nach Region - ein deutlicher Trend zu alternativen Eltern-Kind-Konstellationen und Single-Haushalten. Die familiären Netzwerke dürften somit tendenziell vielfältiger bzw. diffuser werden und in Kombination mit den niedrigen Geburtenraten der zurückliegenden Jahrzehnte abnehmen, sowohl auf vertikaler (Mehr-Generationen-Haushalte) als auch auf horizontaler (Geschwister, Cousins etc.) Ebene. Für den organisierten Sport lassen sich hieraus wesentliche Schlussfolgerungen ableiten. Es gilt, sich inhaltlich und strukturell noch intensiver auf die gesellschaftlichen Entwicklungen einzulassen.

Denn: In der Familie prägt sich das Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen für den Sport. Erst hier entsteht eine generationenübergreifende Bindung an den Sport und seine Institutionen, oftmals zunächst leistungsorientiert und in späteren Lebensphasen vermehrt in den Bereich "aktiver Gesundheitserhalt" übergehend. Durch den demographischen Wandel sowie die angesprochenen Veränderungen des gesellschaftlichen Familienbildes erhält der Verein zudem höheres Gewicht als Begegnungsstätte der Generationen und als wichtiger Lebensraum bei der Bildung außerfamiliärer Netzwerke. Unter Maßnahmen und Programme finden Sie Beispiele, wo und wie die Vereine schon heute vor Ort agieren. Gefragt sind attraktive, zeitlich und logistisch an die Gegebenheiten der "neuen" Familie angepasste Angebote, am besten vernetzt bzw. kooperativ mit externen Partnern.

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