Integration durch Sport – Zeichen setzen, Chancen ergreifen
Es gibt Zahlen, die sprechen schlicht und ergreifend für sich selbst. So auch in der Bevölkerungswissenschaft, speziell den Einfluss zukünftiger Migration auf die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland betreffend. 58 Millionen beispielsweise ist so eine Zahl, denn sie gibt laut einer (als rein hypothetisch zu betrachtenden) Rechenvariante des Statistischen Bundesamtes von 2009 die Einwohnerzahl der Bundesrepublik im Jahr 2060 wider, sollten sich bis dahin die jährlichen Wanderungsgewinne ausgeglichen gestalten, d. h. auf +/-0 belaufen.

Zum Vergleich: Derzeit leben in Deutschland rund 82 Mio. Menschen, und mit insgesamt realistischen 100.000 Zuwanderern pro Jahr wird der Einwohnerrückgang bis 2060 deutlich moderater ausfallen (ungefähr 65 Mio.). Dennoch beweisen die genannten Zahlen, wie wichtig Fragen der Zuwanderung für Deutschland inzwischen geworden sind. Kurzum: Der politisch lange Zeit vernachlässigte Bereich "Migration" ist ein, wenn nicht der maßgebliche Bestandteil nachhaltigen Planens geworden. Weit über rein demographische Belange hinaus...
Im Umkehrschluss ist klar, dass wir uns auch im organisierten Sport mit insgesamt 27,5 Mio. Mitgliedern und etwa 91.000 Vereinen trotz zahlreicher Erfolge in der jüngeren Vergangenheit noch intensiver um die Integration zugewanderter Mitbürger bemühen müssen. Dies ist (1) wichtiger Bestandteil der wachsenden gesellschaftlichen Verantwortung des Sports einerseits und dürfte (2) für viele Vereine vermehrt zu einer bislang eher unausgeschöpften Ressource werden. Es gilt, Mannschaftsstärken und Wettkampfcharakter aufrecht zu erhalten aber auch, den kulturellen Dialog zu fördern – gerade im Jugendbereich.

Der Anfang hierzu ist längst gemacht: Schon seit 1989 widmet sich der DOSB dem Thema auch programmatisch intensiv. In Kooperation mit dem Bundesinnenministerium entstand infolge der sich abrupt ändernden bundes- und weltpolitischen Lage zuerst die Initiative Sport für alle - Sport mit Aussiedlern, gefolgt durch das heute gültige Anschlussprogramm Integration durch Sport. Zudem wurde im Jahr 2004 durch den damaligen Deutschen Sportbund (DSB) die Grundsatzerklärung Sport und Zuwanderung verabschiedet. Ein wichtiges Signal für die Zukunft.
Entscheidend für den Erfolg sämtlicher Ideen und Maßnahmen können dabei stets nur Arbeit und Engagement vor Ort sein. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden demographischen Wirklichkeit werden Aspekte wie gegenseitige Toleranz und Respekt in Zukunft mehr denn je Indikatoren für ein intaktes Vereinsleben sein, mit Signalwirkung weit über den Sport hinaus. Integration als Chance und keineswegs als Hindernis begreifen. Dies vorzuleben, ist eines der übergeordneten Ziele des DOSB und seiner Mitgliedsorganisationen – ob in Stadien, Hallen oder einfach nur auf dem Bolzplatz.






