Kinder- und Jugendsport – Eine Erfolgsgeschichte vor neuen Herausforderungen

Die aktive Teilnahme am Sport gehört für Kinder und Jugendliche – mehr denn je – zu den wichtigsten Stützen des Heranwachsens. In Training und Wettkampf werden nicht nur motorische Fähigkeiten geschult und angewandt. Gleichzeitig nimmt die spielerische Vermittlung von Teamgeist, Durchsetzungswillen und Toleranz in anerkannt hohem Maße Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung. Dinge also, die nicht nur auf individueller, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene von unschätzbarem Wert sind. Und dennoch sehen sich unsere Vereine und Verbände gerade auch im Nachwuchsbereich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die konzeptionelle Lösungen auf breiter Ebene erfordern.

Schon heute prägen spielende Kinder immer seltener das Bild der Straßen, – aus vielerlei Gründen. Die Lehrpläne werden straffer, Zeit- und Notendruck steigen. Den (multi-)medialen Verlockungen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Hinzu kommt, dass auch das Kindsein als solches offenbar immer mehr an Bedeutung verliert bzw. elterlichem Pragmatismus zu weichen scheint. Kurz gesagt: Das gesellschaftliche Verhältnis zum Thema Kind ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ungleich schwieriger, komplizierter geworden.

Dies wird vor allem daran deutlich, dass sich inzwischen fast jede dritte Frau, in der Regel bewusst, gegen eigene Kinder entscheidet. Bei Akademikerinnen ist der Anteil besonders hoch. Als Konsequenz rückte zuletzt die Vereinbarkeit von Karriere und Nachwuchs verstärkt in den Fokus der Politik. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Deutschland auch in Zukunft mit nicht viel mehr als 1,4 Kindern pro Frau auskommen muss, womit sich jede Nachwuchsgeneration automatisch um rund ein Drittel verkleinert.

Entsprechend kommt die im November 2007 veröffentlichte Untersuchung Demografischer Wandel und organisierter Sport – Projektionen der Mitgliederentwicklung des DOSB für den Zeitraum bis 2030 zu dem Ergebnis, dass – je nach demographischer Ausgangslage bzw. Region versteht sich – auch das organisierte Schrumpfen Bestandteil zukünftiger Planungen sein sollte. Bundesweit betrachtet deutet sich laut der Studie an, dass dem Sport und seinen Vereinen aus demographischen Gründen im Altersbereich von 7 bis 18 Jahren – ausgehend von aktuell 6,6 Mio. Mitgliedern – bis etwa 2030 mehr als 1,5 Mio. Kinder und Jugendliche weniger zur Verfügung stehen könnten (-25%). Bis 2050 könnte nach Stand der Dinge mit einem weiteren Rückgang auf rund 4 Mio. (-40% gegenüber 2009) zu rechnen sein.

Im Kinder- und Jugendsport sind die Organisationsgrade aktuell erfreulich hoch (z. B. in der Altersgruppe der 7-14-Jährigen: 82% bei den männlichen und 63% bei den weiblichen Mitgliedschaften). Dies führt aber auch dazu, dass dem Nachwuchsbereich, anders als in den Altersgruppen der 27-40-Jährigen oder der 41-60-Jährigen (Organisationsgrade hier jeweils bei rund 30% für männliche sowie 20% für weibliche Mitgliedschaften), lediglich eingeschränkte statistische Ressourcen offen stehen, um demographisch verursachte Verluste kompensieren zu können. Passend dazu wären laut oben genannter Studie für einen Bestandserhalt bei den männlichen 7- bis 14-Jährigen bis 2030 flächendeckend Organisationsgrade von rund 95%, bei den Mädchen von über 72% erforderlich.

Damit stellt sich zusammenfassend die ganz grundsätzliche Frage, wie es dem Sport in den kommenden Jahrzehnten gelingen kann, demographisch bedingte Engpässe effizient abzufedern. Spiel- und Fahrgemeinschaften, modifizierte Teamstärken und Ligen sowie verbesserte Maßnahmen der Talentsichtung und -förderung können dabei als strukturelle Bausteine dem Erhalt eines attraktiven und breiten Angebots im organisierten Kinder- und Jugendsport dienlich sein. Auch gilt es, offene Potenziale bei den Mädchen und jungen Frauen, insbesondere aber im Bereich der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser zu nutzen. Hierzu bedarf es auch in Zukunft der Ausweitung und qualitativen Verbesserung unserer Sportangebote. Parallel wird viel vom ehrenamtlichen Engagement und der Bereitschaft zum vereins- und regionalübergreifenden Erfahrungsaustausch abhängen.

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