Sport der Älteren mit Perspektive – Inflationärer Bedeutungszuwachs erwartet

Im Vergleich der bevölkerungswissenschaftlich relevanten Altersgruppierungen handelt es sich bei den über 60-Jährigen – speziell im Sport – um das einzige Segment mit erheblichen Wachstumspotenzialen. Unsere Vereine und Verbände konnten hier schon in der jüngeren Vergangenheit erhebliche Mitgliedergewinne verbuchen. Allein zwischen 2000 und 2009 stieg ihre Zahl von 2,6 auf fast 3,7 Millionen (+42%).

Dennoch bleiben die Älteren im organisierten deutschen Sport bis heute vergleichsweise unterrepräsentiert. Ihr Organisationsgrad, d. h. der Anteil aktiv Sport treibender Personen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung bei den über 60-Jährigen, liegt aktuell bei 25,7% (m.) bzw. 12,8% (w.). Zum Vergleich: Bei den 27- 40-Jährigen sowie bei den 41-60-Jährigen sind es grob 30% (m.) bzw. 20% (w.). Und bei den 7-14-Jährigen werden sogar Werte von 82% (m.) bzw. 63% (w.) erreicht. Doch auch im (hypothetischen) Fall gleichbleibend niedriger Organisationsgrade hat sich der Sport in den kommenden Jahrzehnten auf hohe Mitgliedergewinne bei den über 60-Jährigen einzustellen.

So jedenfalls lautet eine Kernaussage der Studie „Demografischer Wandel und organisierter Sport – Projektionen der Mitgliederentwicklung des DOSB für den Zeitraum bis 2030“. Demnach ist bei den Senioren bis 2030 allein aufgrund der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Alterung mit einem Mitgliederzuwachs auf mehr als 4,6 Mio. zu rechnen. Relativ gesehen eine Steigerung von rund 50%.

Noch höher die Relevanz im Falle steigender Organisationsgrade: Sollte beispielsweise die Beteiligung der über 60-Jährigen am Sport bis 2030 die Organisationsgrade der aktuell 27-40-Jährigen oder auch der 41-60-Jährigen erreichen (s. o.), stiege ihre Mitgliederzahl nicht auf 4,6 Mio., sondern auf mehr als 6,5 Mio. Personen. Dies entspräche gegenüber heute in etwa einer Verdopplung bzw. einer relativen Steigerung von knapp 100%. Legt man diesen Zahlen das sich stetig wandelnde gesellschaftliche Altersbild zugrunde (Gesundheit, Fitness, Wellness und Ausdauer als maßgebliche Triebfedern des Alltags), scheinen derartige Dimensionen keineswegs ausgeschlossen.

Doch so oder so stehen den Vereinen und Verbänden des organisierten Sports umfassende und zugleich sensible Anpassungsprozesse ins Haus. Es gilt, die Interessen und Ansprüche älterer Bevölkerungsanteile noch besser zu bündeln und programmatisch einzubinden – jedoch nicht auf Kosten jüngerer Mitglieder (z. B. bei der Vergabe von Geldern, Hallenzeiten, Trainern etc.). Hier können vor allem neue Organisationsformen und Kooperationen mit externen Partnern helfen, Angebotsengpässen oder gar Generationenkonflikten innerhalb des deutschen Sports vorzubeugen.

Über 2030 hinaus ist hingegen – zumindest demographisch – mit keiner sprunghaften Steigerung der Mitgliederzahlen im Bereich des Seniorensports mehr zu rechnen. Nun werden auch die letzten geburtenstarken Jahrgänge das 60. Lebensjahr deutlich überschritten haben und allmählich in die Hochaltrigkeit übergehen. Apropos: Treten Ausdauer, Fitness oder Wellness als Motive aktiven Sporttreibens mit Überschreiten des 70., verstärkt 75. oder auch 80. Lebensjahres allmählich in den Hintergrund, gewinnen Aspekte wie Sturz- oder Demenzprävention sprunghaft an Relevanz.

Hält man sich vor Augen, dass der Bevölkerungsanteil bei den über 80-Jährigen von derzeit 4,1 Mio. bis 2030 auf 6,3 Mio. (+55%) und bis 2050 sogar auf rund 10 Mio. (+144%) steigen wird, ist bereits heute klar, dass der Sport auch hier in der Pflicht steht. Das Gesundheitswesen – sprich der Staat – wird die hiermit verbundenen Aufgaben kaum alleine lösen können. Bekanntlich bewegt sich das System, finanziell und personell betrachtet, schon heute im Grenzbereich.

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