Sport der Älteren – Ein neues Altersbild erfordert neue Programme
Parallel zur demographischen Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren auch das Altersbild von Grund auf gewandelt. Wo früher eher nachberufliche Bequemlichkeit angesagt war, bestimmen heute in der Regel Aktivität und Erlebensdrang bei bester körperlicher und mentaler Fitness den Rhythmus des Alltags. Keine Frage: Den Senioren der Bundesrepublik geht es derzeit gut wie nie zuvor, und es herrscht großes Interesse, diesen Status in den kommenden Jahrzehnten aufrecht zu erhalten. Einschränkend muss jedoch festgestellt werden, dass sich die finanzielle Situation der Senioren aufgrund zunehmend lückenhafter Arbeitsbiographien und Frühverrentungen wieder verschlechtern und Altersarmut somit zum Thema werden könnte.

Der gravierende Teil des demographischen Umschwungs steht Deutschland bekanntermaßen noch bevor. Bis 2030 wird sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung von rund 40 auf über 50 Jahre erhöhen, eine bislang nie dagewesene Dimension. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind immens, das gesellschaftliche Altersbild wird sich erneut gehörig wandeln müssen.
(1) Zum einen wird eine hohe geistige und körperliche Belastbarkeit im Alter für Deutschland immer mehr wirtschaftliche Notwendigkeit. Frühverrentungen bzw. altersbedingtes Ausscheiden aus dem Berufsleben wird es infolge des drohenden Mangels an nachwachsenden Fachkräften nur noch selten geben können. Im Gegenzug wird viel vom Erfahrungsschatz älterer Arbeitnehmer, aber auch deren Bereitschaft zu lebenslanger Weiterbildung und beruflicher Flexibilität abhängen, was eine bestmögliche Gesunderhaltung der Menschen über 50 elementar voraussetzt.
Passend zu den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen hat der Deutsche Olympische Sportbund schon vor Jahren das Modellprogramm „Richtig fit ab 50“ initiiert. Mit großem Erfolg ist es den Vereinen und Verbänden – häufig in Kooperation mit lokalen Einrichtungen und Initiativen – seither gelungen, Menschen im fortgeschrittenen Erwerbs- und Rentenalter für periodisch wiederkehrende sportliche Aktivitäten zu sensibilisieren und zu begeistern. Hier wird in Zukunft ein wesentlicher Schlüssel zur Steigerung des allgemeinen körperlichen Wohlbefindens liegen, nicht nur für die Situation am Arbeitsplatz, sondern auch später in der nachberuflichen Phase. Es gilt, den neuen Anforderungen an das Alter weiterhin programmatisch zu begegnen, Männern und Frauen – insbesondere Neu- und Wiedereinsteigern – den Zugang zum Sport gleichermaßen zu erleichtern.

(2) Doch auch im hohen Alter bestehen mehr denn hohe Ansprüchen an das eigene körperliche und geistige Wohlbefinden. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine regelmäßige Partizipation am Sport bzw. ein sportaktiver Lebensstil gerade auch im höheren Rentenalter zu mehr körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit beiträgt. Mit anderen Worten: Es ist nie zu spät, Gefallen an der positiven Beeinflussung der eigenen Fitness zu finden – vor dem Hintergrund der demographischen Realität bereits in naher Zukunft ein wesentlicher Garant für individuelle Zufriedenheit und nicht zuletzt medizinische Kosteneindämmung.
Die aktuelle Antwort des DOSB hierauf lautet „Bewegungsangebote 70 plus“, ein Programm, das sich speziell den Lebensbedürfnissen des fortgeschrittenen Alters annimmt. „Prävention“ lautet eines der Schlagwörter, die schon heute eng, in Zukunft jedoch wesentlich enger an diese Lebensphase gekoppelt sein müssen. Ein Beispiel: Gezieltes Training der körperlichen Koordinationsfähigkeit kann bis ins hohe Alter Unfällen und Stürzen vorbeugen, die in der Regel langwierige medizinische Behandlungen nach sich ziehen. Selbst Hochaltrige können durch spezielle Bewegungsprogramme Kraft, Beweglichkeit sowie Ausdauer verbessern, um ihre Selbständigkeit im Alltag aufrecht zu erhalten. Und je früher man mit dem Training beginnt, um so besser.

Wichtig ist auch hier für entsprechende Rahmenbedingungen eines attraktiven Sporttreibens zu sorgen. Erreichbarkeit, Qualität, Professionalität, Sauberkeit – es gibt eine Reihe übergeordneter Bausteine, die erst in Kombination zu einer seniorenfreundlicheren Sportwelt führen können. Ob im Verein oder in Kooperation mit Sozialeinrichtungen sowie Privatinitiativen, es ist Teil einer stetig wachsenden gesellschaftlichen Verantwortung des Sports, Menschen bis weit in die Phase der Hochaltrigkeit hinein begleiten zu können. Wohlgemerkt: Heute liegt der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung bei 4,1 Mio., 2030 werden es 6,3 Mio. (+55%) und 2050 sogar rund 10 Mio. (+144%) sein. Der traditionelle Ruf nach dem Sozialstaat dürfte damit in Deutschland schon bald deutlich leiser werden…
Mehr dazu unter www.richtigfit-ab50.de oder www.sportprogesundheit.de









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