Das Mega-Thema Gesundheit dürfte Deutschland in den kommenden Jahren sprichwörtlich in Bewegung bringen. Die positiven Auswirkungen regelmäßiger sportlicher Betätigung auf Körper und Seele sind hinlänglich bekannt. Im Zuge des demographischen Wandels zeichnet sich jedoch ab, dass auf Bewegung und Aktivität bezogene Lebensentwürfe nochmals deutlich an Relevanz gewinnen werden und dem Sport damit eine bislang nicht dagewesene gesellschaftliche Gewichtung zuteil wird, – nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern vor allem auch mittlere und fortgeschrittene Altersgruppen betreffend. Stichworte: Prävention und Lebensarbeitszeit.

Prävention: Der gesundheitspolitische Rahmen ist gesteckt. Anders als bei der von hoher demographischer Unsicherheit geprägten Frage nach den zukünftigen Geburtenraten sowie dem Nachwuchs im Allgemeinen stellen die "Senioren" der kommenden Jahrzehnte eine manifeste statistische Größe dar. Sie sind, beispielsweise die in diesem Zusammenhang oft zitierten Baby-Boomer (geburtenstarken Jahrgänge) betreffend, heute irgendwo zwischen Mitte 40 und 60 Jahre alt und werden das 80., 90. und sogar 100. Lebensjahr in stetig steigenden Jahrgangszahlen (Kohorten) überschreiten. Selbständigkeit und Mobilität bis ins hohe Alter werden damit, nicht zuletzt aufgrund steigender medizinischer Kosten in Bereichen der Akut- und Nachbehandlung von Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems sowie des Bewegungsappartes, wichtiger denn je. – Sei es aus gesamtgesellschaftlicher oder individueller Perspektve.

Dass der organisierte Sport diesbezüglich auf einem sehr guten Weg ist, beweist u. a. die Mitgliederentwicklung der zurückliegenden Jahre. Gerade im Altersbereich der über 60-Jährigen erzielen schon heute zahlreiche Vereine den höchsten Zuwachs. So hat sich die Zahl der gemeldeten Mitglieder in diesem Segment alleine zwischen 2000 und 2009 um über 1 Million Aktive erhöht, – von 2,6 auf nun 3,7 Millionen Mitglieder. Viele weitere werden ihrem Beispiel in naher Zukunft folgen, rein demographisch gesehen unzweifelhaft. Die Studie Demografischer Wandel und organisierter Sport – Projektionen der Mitgliederentwicklung des DOSB für den Zeitraum bis 2030 beziffert dies auf potenziell mindestens 4,6 Mio. über 60-jährige Mitglieder gegen Ende der dritten Dekade, wobei durch parallel dazu steigende Organisationsgrade noch weitaus höhere Zugewinne realistisch wären. Mit Programmen und Maßnahmen wie "Richtig fit ab 50" oder "Bewegungsangebote 70 plus" gibt der DOSB schon heute erfolgreiche Impulse.

Lebensarbeitszeit: Auch ökonomisch betrachtet führt an einer zielgerichteten Ausweitung des Gesundheitssports kein Weg vorbei. Laut Statistischem Bundesamt wird sich – demographisch bedingt – die Gesamtzahl der Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren in den kommenden Jahren signifikant reduzieren. – Von derzeit 50 Millionen auf rund 43 Mio. im Jahr 2030 (-14%) bzw. 37 Mio. im Jahr 2050 (-26%). Parallel dazu findet auch innerhalb der Erwerbsbevölkerung ein erheblicher Altersstrukturwandel statt, mit folgender statistischer Konsequenz:

Die deutsche Wirtschaft wird demnach in Zukunft immer seltener auf die Arbeitskraft und den Erfahrungsschatz der älteren Arbeitnehmerschaft verzichten können. Das Umdenken jedenfalls hat bereits eingesetzt, noch vor Jahren nahezu undenkbare Ansätze wie "lebenslange Fortbildung" oder "Investition in die Gesundheit älterer Arbeitnehmer" treten zunehmend aus dem Hintergrund hervor und werden dankend aufgegriffen. In Kooperation mit Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Krankenkassen muss es dem organisierten Sport daher gelingen, eine sich stetig verbessernde Basis zur Gesunderhaltung (gerade) älterer Menschen zu erwirken. Dies einer der wichtigsten Schritte des organisierten Sports im Kontext demographie-bezogenen Handelns.