„Spannende Themen“: Bach überreicht DOSB-Wissenschaftspreis

04.02.2013

DOSB-Präsident Thomas Bach hat am Freitag in Münster den DOSB-Wissenschaftspreis an den Neurowissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule Köln verliehen.

Thomas Bach, Prof. Gudrun Doll-Tepper, PD Daniel Erlacher, Christoph Röhl, PD. Stefan Schneider, Lisa Maurer, Michael Mutz, Prof. Dietrich Kurz (v.l.) bei der Preisverleihung. Foto: Nils Eden

Urkunden für die Preisträger des DOSB-Wissenschaftspreises. Foto: Nils Eden

Mehr denn je benötige der Sport wissenschaftliche Beratung und Begleitung, sagte Bach in seiner Festrede in Festsaal des Rathauses der Stadt. „Wissenschaftliche Expertise unterstützt die Zukunftsentwicklung des Sports, erweitert seine Handlungsoptionen und beweist das überragende und gesellschaftspolitisch bedeutsame Leistungsspektrum des Sports. Man könnte auch sagen: Die Wissenschaft inspiriert und trägt den Sport mit, wie umgekehrt der Sport die Wissenschaft inspiriert.“

Mit dem Wissenschaftspreis zeichnet der DOSB alle zwei Jahre herausragende sportwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten aus. Entscheidende Kriterien für die Beurteilung der eingereichten Arbeiten seien dabei ihre wissenschaftliche Qualität, ihre Originalität und ihre Aktualität, heißt es in der Ausschreibung.

Oberbürgermeister Markus Lewe hatte die rund 100 Gäste der Festakademie aus Wissenschaft, Politik und Sport, darunter auch DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung, Prof. Gudrun Doll-Tepper, zunächst im historischen Friedenssaal des Rathauses begrüßt. Dort trugen sich Bach und die Preisträger ins Goldene Buch der Stadt ein. Lewe lobte die integrierende Kraft des Sport und dessen Bedeutung für die Jugendarbeit und sagte: „Sport ist in jeder Beziehung präventiv.“

DOSB-Präsident Bach hob als ein Beispiel wissenschaftlicher Begleitung des Sports die  nunmehr vier Sportentwicklungsberichte hervor. „Sie haben sich zu einer unverzichtbaren Grundlage unserer Arbeit entwickelt“, sagte er. „Die Analyseergebnisse, die neuesten liegen voraussichtlich im Mai vor, sind wichtiger Bestandteil von Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen, sowie der politischen und strategischen Arbeit in den Verbänden und Vereinen.“ Der Sportentwicklungsbericht bündele nicht nur Wissen über die Sportvereine, sondern auch für die Sportvereine. „Die Berichte“, so Bach, „geben uns regelmäßig wichtige Hinweise für die notwendige Weiterentwicklung des Vereinssystems und sie fokussieren Probleme und Herausforderungen.“

Wissenschaftlicher Beratungsbedarf im Sport steigt

Der Sport für Alle in der Gemeinschaft des Vereins sei und bleibe die Kernkomepetenz der deutschen Sportvereine, ergänzte der DOSB-Präsident. „Sie sind die am stärksten gemeinwohlorientierten Orte des Sporttreibens. So sind zum Beispiel die Integrationseffekte von Vereinen rund drei Mal so stark wie die von kommerziellen Einrichtungen.“

Der wissenschaftliche Beratungs- und Unterstützungsbedarf im Sport werde weiter steigen. „Auf dem Gebiet des Leistungssport sind wir ein ganzes Stück nach vorn gekommen“, erklärte Bach. „Wir haben auf der anderen Seite aber noch sehr viel Potenzial in anderen Handlungs- und Wissenschaftsfeldern. In der wissenschaftlichen Ausleuchtung und Ermunterung des Vereins- und Verbandssystems und der gesellschaftswissenschaftlichen Wechselwirkungen. Deshalb unser Wunsch an die Sportwissenschaft: Noch mehr praxisnahe Forschung mit unmittelbar umsetzbaren Ergebnissen für unser Vereins- und Verbandssystem.“

Erster Preis für Stefan Schneider

Auch diesmal prämiere der DOSB-Wissenschaftspreis spannende Themen, sagte Bach. „ Wenn man sich die Arbeiten durchliest, wird einem deutlich, wie weit die Themen des Sports reichen.“

Der erste Preis für Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Sporthochschule ehrt dessen Habilitationsarbeit „Exercise, brain cortical activity and mental health: Localization, classification and practical implications“. Zentrales Thema ist dabei die Frage danach, inwieweit Sport und Bewegung nicht nur körperlich sondern auch mental gesund erhalten. Untersucht wurden dabei nicht nur die zugrundeliegenden neurophysiologischen und neurokognitiven Zusammenhänge, sondern Schneider erarbeitete am Beispiel Schule und Weltraumfahrt auch konkrete Applikationen. Der Preisträger dankte in seiner Erwiderung auch „für den Mut, Arbeiten auszuzeichnen, die vor allem eines nicht sind – Mainstream“.

Daneben vergab das 13-köpfige Kuratorium unter der Leitung des Bielefelder Sportpädagogen Prof. Dietrich Kurz, in diesem Jahr auch zwei zweite Preise an PD Daniel Erlacher (Heidelberg) und Dr. Christoph Röhl (Würzburg) und zwei dritte Preise für Dr. Lisa Maurer (Gießen) und Juniorprof. Michael Mutz (Berlin).

Sportvereine als Bildungspartner

Bach hob in seinem Vortrag auch das Thema Bildung und die Herausforderung Ganztagsschule hervor. „Gerade hier brauchen wir Antworten auch mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen“, sagte er. „Wir müssen deutlicher machen, welchen tatsächlichen Beitrag der Sport zur Bildung leistet – zu Bildung im eigentlichen Sinne über die allgemeine Wertevermittlung hinaus. Das haben noch lange nicht alle verstanden. Das zu vermitteln wird die Aufgabe des Sports mit hoffentlich großer Unterstützung der Wissenschaft sein.“

Flächendeckend zeige sich, dass der zunehmende Ausbau der Ganztagsschule ein stärkere Einbindung von Sportvereinen in den Schulalltag erfordere. „Dazu benötigen wir die nötigen finanziellen Ressourcen“, erklärte er. „Dabei ist die Politik aufgerufen, die Potenziale der Sportvereine als Bildungspartner stärker anzuerkennen und zu fördern.“

Bach wies auf Entwicklungen in der Bildungsdebatte in Europa und hierzulande hin. So könnten der Europäische und der Deutsche Qualifikationsrahmen  für lebenslanges Lernen auch den Weg für ein neues Bildungsverständnis ebnen: dass nämlich Bildung weit mehr als Schule ist. Für den DOSB als einen der größten Bildungsträger der Zivilgesellschaft bestehe dabei die Möglichkeit zu verdeutlichen, dass die Sportvereine und die Verbände Bildungspartner für das lebenslange Lernen seien.

(Quelle: DOSB)

 
 

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