Ratschlag für Führungspersonen: „Keep it simple!“

22.04.2015

Der Bonner Jens Karnbach, Spezialist für Sportmanagement, Coach und Moderator für Führungskräfte im Sport, erzählt im Interview über Führungsstile, Leitbilder und Perspektiven.

Herzblut ist gut, reicht alleine jedoch nicht aus, um einen Verein zu führen. Foto: LSB NRW

Die Fragen stellte Michael Stephan. Der Beitrag erschien in der April-Ausgabe von „Wir im Sport“, des Magazins des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen.

Herr Karnbach, welche Fähigkeiten braucht eine Führungsperson im Sport?

JENS KARNBACH: Herzblut ist gut, reicht alleine jedoch nicht aus, um einen Verein zu führen. Neben den klassischen Kompetenzfeldern ist die situative Kompetenz wesentlich. Strategisches und empathisches Handeln und Know-how sind wichtig. Das A und O aus meiner Sicht sind jedoch zwei Aspekte: Erstens Glaubwürdigkeit – nicht die Worte alleine zählen, sondern das Handeln und zwar gerade dann, wenn im Verein mal nicht die Sonne scheint. Und zweitens die Fähigkeit zur Kommunikation. Anders gesagt: Führung ohne Kommunikation funktioniert nicht.

Welche Rolle spielen die verschiedenen Führungsstile?

In Lehrbüchern werden die verschiedenen Kompetenzprofile ausführlich beschrieben. Ich beobachte in der Praxis, dass die Art zu führen bunt gefächert ist. Dabei hat weder die Sportart einen Einfluss, noch ob es sich um einen ländlichen oder städtischen Verein handelt. Und ob ein Verein gut oder schlecht geführt wird, hängt auch nicht per se vom Geschlecht ab.

Wie wichtig sind Leitbilder für die Führung eines Vereins?

Leitbilder sind wichtig, weil sie dem Verein und dem Vorstand Orientierung geben. In den meisten Vereinen, die ich kenne, sind sie jedoch eher selten. Andere haben ein Leitbild, aber kaum einer kennt es. Klar ist: Wenn man ein Leitbild hat, dann muss der Inhalt auch rübergebracht werden in den Verein. Darüber hinaus sollten die Leitbilder/Strategien regelmäßig an die Gegebenheiten angepasst werden. Ich empfehle: Keep it simple!

Wie sieht es mit der Hauptamtlichkeit aus?

Hauptamtlichkeit wird dann interessant, wenn ein Verein groß oder die Aufgaben zu komplex werden. Wo Hauptberuflichkeit ins Spiel kommt, können deutlich mehr Aspekte berücksichtigt werden, es passiert mehr, Maßnahmen werden nach vorne gebracht. Hilfreich kann es auch sein, wenn sich Vereine einen Geschäftsführer teilen, gerade wenn sie nicht in Konkurrenz zueinander stehen.

Wie kann ein Vorstand Perspektiven schaffen?

Wer Perspektiven schaffen will, ist gut beraten, die soziale und kulturelle Seite des Vereins zu stärken, sich an den Themen der Gesellschaft zu beteiligen und dafür Angebote zu machen. Die entsprechenden aktuellen Punkte wie Prävention, Inklusion, demografischer Wandel etc. sind dabei gute Felder.

(Quelle: April-Ausgabe von „Wir im Sport“, des Magazins des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen)


 
 

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