Rheinland-Pfalz: Gut geführte Vereine finden leichter Ehrenamtliche

16.12.2015

Beim 7. Ehrenamtsforum des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) in Mainz ging es um die Frage, wie Menschen für das Ehrenamt im Verein motiviert werden können.

Bei den 15- bis 35-Jährigen ist die Engagementquote besonders schwach. Foto: LSB NRW

Ziele, Strategien, Einstellungen und Haltungen anderer Vereinsmitglieder verstehen, aufgreifen und zusammenführen können – das ist nur eine der Erwartungen, die an Vereinsvorstände gestellt werden. „Hier muss man Übersetzungen leisten“, sagte Götz Hentschke, Berater und Trainer für Systemische Fortbildung, Projektleiter und Coach der Karlsruher Beratungsagentur Contract, in seinem Vortrag zum Thema „Führung im Ehrenamt“ beim 7. Ehrenamtsforum, zu dem der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) ins Konferenzzentrum der Verlagsgruppe Rhein Main nach Mainz geladen hatte.

Hentschke skizzierte die Erwartungen an das führende Ehrenamt und betonte, dass ehrenamtliche Mitarbeiter sich zugehörig fühlen, mitwirken wollen und an einem Dialog mit gegenseitigem Respekt interessiert seien. „Ein Dialog findet immer auf Augenhöhe statt“, schärfte der Organisationsberater und Personaltrainer dem Plenum ein. Wichtig sei es, den ehrenamtlichen Kollegen Zuwendung und Anerkennung zu geben und eine Art Fürsorge zu schaffen – und dabei gleichzeitig Ziele zu setzen, Aufgaben zu definieren und zu delegieren.

Zuwendung sei eines der wesentlichen Grundbedürfnisse des Menschen. „Wir wollen wahrgenommen werden“, sagte Hentschke. Oft gehe es gar nicht darum, viel Zeit für ein Gespräch aufzuwenden – wohl aber qualitativ hochwertige Zeit. Laut Hentschke ist es „ein großer Vorteil, in seinem normalen Beruf Führungserfahrung gesammelt zu haben“.

Im Gespräch mit Moderator Daniel Illmer, stellvertretender Direktor der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), lieferten Vorsitzender Stefan Born vom 150 Mitglieder zählenden Verein für Hallenradsport Worms und Andreas Maurer von der Turngemeinde Gonsenheim Beispiele aus der Führungspraxis. „Es gibt genügend Freiräume und Spielwie-sen, wo sich ein Ehrenamtlicher bei uns austoben kann“, sagte Maurer. „Bei uns ist immer eine offene Tür da, um Ideen einzubringen.“

Mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortete der Chef des großen und traditionsreichen Stadtteilvereins die Frage, ob gut strukturierte Vereine – mit einem ansprechenden Internet-Auftritt, tollem Sportangebot und reger Präsenz im gesellschaftlichen Leben des Orts – leichter Ehrenamtliche finden. Born verriet, wie er mit Checklisten und anderen festen Leitplanken die Hemm-schwelle junger Leute reduziere, sodass sie bereit seien, „mal reinzuschnuppern in die Vorstandsarbeit“. Dass man alle Vorstandsämter lückenlos besetzt habe, liege auch daran, dass man geeignete Kandidaten persönlich anspreche. Den Verwaltungsaufwand versuche man dabei so gering wie möglich zu halten. Vorstandssitzungen seien straff organisiert, dürften maximal zweieinhalb Stunden dauern.

Die sogenannte Engagementquote im Sport sei von 1999 über 2004 bis zum Jahr 2009 deutlich zurückgegangen: von 38 auf unter 34 Prozent. „Keiner will mehr Chef sein“, sagte Petra Regelin, LSB-Vizepräsidentin Bildung. „Die Verantwortung, die wir als Führungskraft zu tragen haben, um das Sportangebot im Land aufrecht zu erhalten, wird auf immer weniger Schultern verteilt.“ Bei den 15- bis 35-Jährigen sinke die Engagementquote besonders stark. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern in ganz Deutschland. Diese hoch gebildete „Generation Y“, deren Mitglieder häufig „eine eingebaute Burnout-Sperre“ hätten, gelte es zu motivieren, Verantwortung im Sport zu übernehmen.

(Quelle: LSB Rheinland-Pfalz)

 
 

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