Tipp des Monats: Zirkusprojekt für Kinder mit geistiger Behinderung

01.06.2015

Das Faszinierende am Zirkus ist, dass man in eine andere Welt eintritt.

Jonglieren (c) LSB NRW, Foto: Erik Hinz

In dieser ist es egal, wie alt man ist, welcher Kultur man angehört, welche Interessen man verfolgt, ob man männlich oder weiblich ist, wie groß oder klein man ist und ob man körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. Hier kann der Kleinste auf einmal zum Größten werden. Dies trifft nicht nur auf die große Manege zu, sondern gilt auch für zirkuspädagogische Projekte, bei denen Kinder dank differenzierter Ansprache groß herauskommen und zudem in ihren sozialen, personalen und motorischen Kompetenzen gefördert werden können.

Damit passt der zirkuspädagogische Ansatz hervorragend in die aktuelle Kompetenzorientierung innerhalb der Sportpädagogik. In dieser Kompetenzdebatte gerät der Blick auf Kinder mit Behinderung allerdings meist noch in den Hintergrund. Auch liegt der Fokus bei Inklusionsbemühungen im Sportkontext bei der Mehrzahl der Konzepte immer noch auf Kindern mit körperlichen Beeinträchtigungen.

Chancen von Sport bei der Arbeit: Kinder mit Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung"
Doch auch Kinder mit geistiger Behinderung profitieren in vielfacher Hinsicht von Sport: Die für die Zirkuskünste typische Schulung von Kondition und Koordination sorgt für ein besseres Körperbewusstsein des eigenen und des fremden Körpers und fördert so die motorische Kompetenz. Es werden jedoch nicht nur motorische, sondern immer auch kognitive Lernprozesse ausgelöst, beispielsweise wenn es darum geht, Übungsabfolgen zu lernen, zu erinnern und zu merken oder zu verstehen, wie bestimmte Übungen funktionieren. Zudem kann Sportunterricht zur Förderung der Emotionsregulation beitragen, Regelverständnis, Rücksichtnahme, Kooperation, Fairplay und Verantwortungsbereitschaft fördern und somit die sozialen Kompetenzen steigern.

Zirkusprojekt
In einer Schule für Kinder mit Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" wurde in den Klassen 1-4 ein Zirkusprojekt durchgeführt, indem innerhalb von acht Wochen acht Unterrichtseinheiten á 70 Min. mit den Schwerpunkten Äquilibristik, Hand- und Fußgeschicklichkeiten und Akrobatik durchgeführt wurden. Zum Abschluss wurde das Gelernte vor einem Publikum aufgeführt.
Anhand dieses Projektes werden die Möglichkeiten der Zirkuspädagogik als Bewegungsanlass für Kinder mit geistiger Behinderung gezeigt. Die positiven Erfahrungen dieses Projektes, welches sich jetzt etabliert, verweisen nicht nur auf die Möglichkeiten der Kompetenzorientierung in diesem Bereich, sondern machen auch Mut, Sport noch viel intensiver als bisher im Kontext der Arbeit mit geistig behinderten Kindern zu denken.

Das Praxisprojekt
Grundsätzliches zur Durchführung

  • Zu jeder auszuführenden Bewegung wird den Kindern ein Bild mit der jeweiligen Abbildung gezeigt. Damit wird sichergestellt, dass alle Schüler verstehen, was sie im Folgenden tun sollen.
  • Die Kinder benötigen sehr unterschiedlich viel Zeit, um eine Übung umzusetzen. Deshalb ist ganz viel Geduld im Lernprozess erforderlich.
  • Der Unterricht berücksichtigt die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder und nutzt deshalb verschiedene Möglichkeiten der inneren Differenzierung und Individualisierung.
  • Bereits gelernte Bewegungsabläufe werden in jeder Stunde wiederholt. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass die Fortschritte schnell verloren gehen.
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