DOSB-Präsident Thomas Bach auf WM-Tour
Der Weltsport trifft sich in Deutschland. Thomas Bach war in den vergangenen Wochen auf Reisen, von einer Weltmeisterschaft zur anderen. Den Abschluss bildete die Turn-WM. Das Interview mit DOSB-Präsident Thomas Bach.

DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach war in den vergangenen Wochen zu Gats bei vielen Weltmeisterschaften.
Herr Bach, in den vergangenen Wochen hatten sie ein volles Programm. Von einer Weltmeisterschaft zur nächsten zog es Sie, doch Deutschland mussten Sie nicht verlassen. Handball, Bogenschießen, Moderner Fünfkampf, Triathlon, Kanu, Rudern, Turnen und bald auch noch die Rad-WM in Stuttgart – Deutschland scheint ein begehrter Platz zu sein, wenn es darum geht, internationale Titelkämpfe auszurichten.
Thomas Bach: Das kann ich ganz klar unterstreichen. Die Wettkämpfe haben auch gezeigt, warum dem so ist. Sie waren sehr gut organisiert, es gab keine Pannen, die Sportler haben sich ausgesprochen wohl gefühlt. Das erwartet man allgemein von Deutschland. Aber es hat sich nahtlos fortgesetzt, was sich im vergangenen Jahr schon gezeigt hatte: Die Menschen in unserem Land haben sich als tolle Gastgeber gezeigt, freundlich, warmherzig, ausgesprochen fair und begeisterungsfähig.
Überrascht Sie das?
Thomas Bach: Mich sicher nicht, wir erleben dies ja fast täglich. Aber, immer wenn ich mit meinen Kollegen im Ausland spreche, wird dies mehr als respektvoll angemerkt. Die Eindrücke bleiben haften. Und das doch nicht nur bei Sportfunktionären. Die Sportereignisse werden von Abermillionen Zuschauern am Bildschirm verfolgt, in vielen Zeitungsartikeln wird darüber berichtet. Der Sport betreibt somit beste Werbung für den Standort Deutschland. Die Weltmeisterschaften zusammengenommen waren in mehr als 150 Ländern auf dieser Welt zu sehen, dort wird sich das Bild unseres Landes sicher weiter positiv entwickeln. Nehmen wir das Beispiel England, wo während des Länderspiels im Wembley-Stadion gegen Deutschland ein Transparent in Erinnerung an die Fußball-WM zu sehen war: Danke Germany. Hätte man sich das noch vor einigen Jahren vorstellen können?
Sie selbst waren als Augenzeuge bei allen Titelkämpfen. Wie beurteilen Sie das Niveau?
Thomas Bach: Hervorragend, und das wirklich nicht nur aus organisatorischer oder atmosphärischer Sicht. Wir haben erstklassigen Sport gesehen. So jetzt ja auch bei den Turn-Wettkämpfen in Stuttgart, wo uns natürlich das Abschneiden der deutschen Sportler noch besonders freut – auch mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking. Rudern in München zu erleben, war für jeden Sport-Fan ein Gänsehaut-Erlebnis, Kanu in Duisburg ebenso. Und zur Triathlon-WM in Hamburg muss ich nicht viel erzählen, die Zuschauerzahlen, die Stimmung dort sprechen für sich, auch noch Tage danach. Der WM-Titel von Daniel Unger war das i-Tüpfelchen auf einer rundum gelungenen Veranstaltung. Und auch bei den anderen Titelkämpfen passte alles sehr gut zusammen.
Die Begeisterung der Zuschauer bei den Wettkämpfen war ungebrochen, trotz der Doping-Diskussionen und –Fälle der vergangenen Monate. Wundert Sie das?
Thomas Bach: Nein, eher im Gegenteil, es bestärkt mich. Die Zuschauer erkennen an, dass der Sport sehr viel im Kampf gegen Doping unternimmt und auch die Athleten für einen sauberen Sport eintreten. Bei allen Titelkämpfen hat man gesehen, dass das Kontrollsystem greift. Die erfolgreichen Athleten haben gezeigt, dass ein Erfolg mit durchaus Fair-Play möglich ist und vom Publikum sehr geschätzt wird.
Hat die Ausrichtung einer solchen Vielzahl sportlicher Großereignisse mit einer derart positiven Resonanz Auswirkungen auf die Stellung Deutschlands in der Welt des Sports?
Thomas Bach: Deutschland hat als Veranstalter schon einen ausgesprochen guten Ruf. Das hängt auch mit dem Sportmarkt in unserem Land zusammen. Jeder internationale Verband weiß, dass er in Deutschland auch Werbung für seine Sportart betreiben und diese auf einem erstklassigen Niveau präsentieren kann. Sicher hilft es, solche Beispiele vorzeigen zu können, wenn sich Verbände und Städte für weitere Großereignisse bewerben.









