Sport und Bewegung als Medizin

09.12.2015

In allen Generationen macht Bewegung Sinn, doch nur 20 Prozent der Bevölkerung sind aktiv. Wie bringt man den Rest zum Sport, das fragt sich Autor Hans Peter Seubert.

Bewegung bringt in jedem Lebensalter Vorteile. Foto: LSB NRW

Das Darmstädter Sport-Forum  feierte 30. Geburtstag. Es ist außergewöhnlich, dass eine wissenschaftlich gestützte Vortragsreihe so eisern durchhält – in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal, auf das die Veranstalter stolz sein können. Ziel war stets, Sportwissenschaft aus dem Elfenbeinturm herauszuholen und ihre Erkenntnisse einem breiten Publikum nahezubringen, mit dem gesamten Themenspektrum der Sportlandschaft, von Vereins-, Gesundheits und Spitzensport bis zum Doping.

Die aktuelle Reihe im November bewegte Studierende, Schulklassen, Lehrer und Vereinsvertreter. Die Referenten präsentierten sich fit. Das Thema „Bewegungsorientierte Gesundheitsförderung. Sport und Bewegung als Medizin“ lieferte interssante Befunde. Es gibt heute eine Fülle von trainingswissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen und Empfehlungen für einen bewegten und gesunden Lebensstil. Krux bleibt: Lediglich knapp 20 Prozent der Bevölkerung beherzigen sie konsequent und nachhaltig.

Wie aber lassen sich die überwiegend passiven 80 Prozent begeistern und bewegen – bildungsferne Schichten, Sozialschwache, Migranten? Und immer mehr Kinder, die ihre Entwicklung sitzend statt mobil erleben? Auch hier, das zeigten die Referate, finden sich heute wirksame theoretische und praktische Motivationshilfen. Allerdings haben sie in der Prävention und Rehabilitation rasche Verfallsdaten.

Eine lebenslange Bewegungskarriere gründet auf Disziplin, Ausdauer und Wissen. Dazu müssen gesundheits- und schulpolitische Leitlinien stimmen. Bei der Entwicklung von Kindern zum Beispiel sind seit Jahrzehnten die körperlichen und geistigen Defizite bekannt. Aber diese haben sich weiter verschärft. Tägliche Bewegungszeit ist die beste Medizin. Sie fördert zugleich Gehirn-Funktionen – Konzentration und Aufmerksamkeit –, steuert Aggressionen und Selbstkontrolle. Dieses simple Rezept auf Bewegung hat immer noch die schwächste Lobby bei Eltern, Lehrern, vielen Ärzten und der Kultusbürokratie.

Im Alter sorgen Sturzprophylaxe, Gleichgewichts- und Koordinations- sowie Gehirntraining für mehr Lebensfreude und -Qualität. Auch in diesem Lebensabschnitt wird meist mehr verwahrt und verwaltet als gestaltet. Medikamente kompensieren den Mangel an körperlicher Aktivität und Aufmerksamkeit. In allen Generationen geht es bei Bewegung und Gesundheit nicht um Höchstleistung sondern um moderate Aktivität. Das müssen auch Trainer, Übungsleiter und Lehrer, verinnerlichen.

Erst dann hat lebenslange gesunde Bewegung Aussicht auf wachsende Aktiven-Quoten. Derzeit sind Zugewinne (noch) mager. Trägheit kostet die Gesellschaft Milliarden Euro.

(Autor: Hans-Peter Seubert)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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