Spiele stärker an Gastgeberstädte anpassen

15.07.2014

Das Diskussionspapier zur „Olympischen Agenda 2020“ des DOSB und drei weiterer NOKs diene zur Unterstützung des IOC, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Dienstag in Berlin.

2012 fanden die Spiele in London statt. Foto: picture-alliance

Das gemeinsame Papier des DOSB und der Nationalen Olympischen Komitees von Österreich, Schweden und der Schweiz diene zur Unterstützung des IOC, um „die Marke Olympia attraktiv zu halten und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Olympische Bewegung zu stärken“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bei der Vorstellung des 15-seitigen Dokuments auf einer Pressekonferenz in Berlin. „Wir haben uns mit den anderen drei NOKs zusammengesetzt, weil in unseren vier Ländern die Unterstützung der Bevölkerung oder der Politik in den letzten Jahren fehlte, um eine Olympiabewerbung voranzubringen. Das hat zu der Frage geführt, was wir gemeinsam daraus lernen können.“

Das erste Treffen der vier NOKs hatte es bereits im Februar dieses Jahres in Sotschi gegeben, ein weiteres folgte später in Frankfurt. Mittlerweile sei das Papier in die Beratungen des Agenda-Prozesses eingebracht worden. Man habe viele positive Reaktionen erhalten, berichtete der DOSB-Generaldirektor. Als Schlüsselsatz identifizierte Vesper die Aussage: „Es ist wichtig, dass die Spiele sich stärker an die Gastgeberstädte anpassen und nicht umgekehrt. Die Vorzüge, die eine Stadt durch die Olympischen Spiele für die eigene Stadtentwicklung erreichen kann, müssen stärker herausgestellt werden.“

Gemeinsam habe man acht Herausforderungen unter den drei Leitthemen

a) Bewerbungsprozess,
b) Kosten und
c) Dimension der Olympischen Spiele definiert.

So müssten

  1. der Nutzen der Spiele für eine Bewerberstadt von Beginn an stärker im Fokus stehen,
  2. die Kosten für die Bewerbung begrenzt werden,
  3. die technische Bewertung der Bewerbungen bei der Wahl ein stärkeres Gewicht bekommen,
  4. die Struktur des Budgets Olympischer Spiele transparenter und einfacher verständlich werden, indem Infrastrukturkosten, die nicht durch die Olympischen Spiele entstehen wie für Straßen, U-Bahnen oder Flughäfen nicht mehr den Kosten der Olympischen Spiele zugerechnet werden,
  5. das Austragungsrisiko für die Gastgeberstädte begrenzt werden,
  6. mehr Flexibilität bei Wettkampf- und Nicht-Wettkampfstätten eingebracht werden, um so ein nachhaltiges Konzept und die Nutzung vieler bestehender Anlagen zu ermöglichen,
  7. zudem mehr Flexibilität bei der Unterbringung der Olympischen Familie, zu der u.a. Athleten, Betreuer, Offizielle und Journalisten gehören, eingerichtet werden, um die Schaffung von Hotelüberkapazitäten zu vermeiden und
  8. die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit als zentrales Vergabekriterium entwickelt werden, das bis zur Ausrichtung der Spiele permanent überwacht wird.

Die letzte Herausforderung stehe in enger Verbindung zu den drei Säulen der Olympischen Bewegung - Sport, Kultur und Umwelt. Zu der Frage der Nachhaltigkeit gehört auch die Frage der Menschenrechte in den Austragungsländern. Dazu heißt es in dem Papier: „Es ist wichtig, dass der Begriff Nachhaltigkeit so breit wie möglich interpretiert wird. Dies beinhaltet nicht nur die Umwelt, sondern auch soziale, ethische und wirtschaftliche Fragen – und auch die Frage der Menschenrechte. Deshalb sollte das IOC sein Verständnis von Nachhaltigkeit definieren, genauso wie seine Werte und Ziele in diesem Zusammenhang“ (S. 13). Dabei müsse allerdings bedacht werden, dass alle NOKs der Olympischen Charta verpflichtet sind, dass das IOC allerdings keine Staaten verpflichten könne, die Olympische Charta mit ihren Werten und ethischen Standards wie den Menschenrechten einzuhalten, es aber dazu verpflichtet ist, deren Einhaltung bei den Olympischen Spielen sicherzustellen.

Zur Frage des Budgets Olympischer Spiele nannte DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Beispiel der geplatzten Olympiabewerbung München 2022. Hier wurde mit Infrastrukturkosten von 1,8 Milliarden Euro geplant. Davon waren jedoch 1,1 Milliarden Euro olympiaunabhängige Kosten, die auch nach dem Ende der Bewerbung weiter geplant sind. Ein anderes Beispiel ist London, wo ein kompletter Stadtteil saniert und renaturiert worden ist. Allein die Abtragung des verseuchten Bodens einer alten Industriebrache schlug mit rund zwei Milliarden Britischen Pfund zu Buche.

„Dieses Papier ist ein Bestandteil einer großen Gesamtdiskussion“, sagte Alfons Hörmann. Es sei einer von rund 40.000 Vorschlägen, die auf den IOC-Aufruf hin eingegangen sind. „Es ist der Versuch, eine Gesamtzusammenfassung aus unserem Verständnis heraus zu machen. Selbstverständlich kann man sehr weit in diesen Diskussionen gehen. Es bleibt Aufgabe der 14 Arbeitskreise und des IOC zu definieren, wie weit bei einzelnen Vorschlägen gegangen werden soll.“ Das Papier habe nicht den Anspruch, alle Punkte in der vollen Bandbreite zu behandeln.

„Wir hatten den Ehrgeiz, ein lesbareres Papier mit acht handgreifbaren Punkten zu schreiben, die praxisnah formuliert sind“, sagte Vesper. „Es geht uns darum, die Olympischen Spiele, von deren Idee wir überzeugt sind, zu stärken und es zu ermöglichen, dass die vier beteiligten NOKs sich wieder erfolgreich um die Olympischen Spiele bewerben und ihre Bevölkerung dafür gewinnen können.“

(Quelle: DOSB)


 
 

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