DOSB fordert mehr gesellschaftliche Anerkennung für den Sport

08.12.2012

Die 8. Mitgliederversammlung des DOSB hat die gesellschaftliche Bedeutung von Breitensport, Spitzensport und Bildung durch Sport betont und beschlossen, den Kampf gegen Doping weiter zu verschärfen.

DOSB-Präsident Thomas Bach hielt in Stuttgart eine vielbeachtete Rede.

Die Delegierten in der Liederhalle hatten über zahlreiche Beschlüsse abzustimmen.

Auch Trimmy war in Stuttgart dabei (v.re): BMI-Staatssekretär Christoph Bergner, DOSB-Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper, DOSB-Präsident Thomas Bach, Oberbürgermeister von Stuttgart Wolfgang Schuster, Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Präsident des LSV Baden-Württemberg Dieter Schmidt Volkmar;

Sportabzeichen-Beauftragter Frank Busemann interviewte beim Festakt zum Jubiläum des Sportordens das ehemalige Staatsoberhaupt Horst Köhler; alle Fotos: picture-alliance/Jan Haas

In der Liederhalle in Stuttgart sei an diesem Samstag das ganze Kaleidoskop des deutschen Sports erkennbar gewesen, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach nach der Versammlung der 500 Delegierten und Gäste. „Hier wurde deutlich, wie breit der organisierte Sport in Deutschland aufgestellt ist.“

Zu Beginn stand der Breitensport im Fokus: In einem Festakt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Deutschen Sportabzeichens würdigte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler die Bedeutung des Fitnessordens, gerade aus eigener Erfahrung. Die Wirkung gemeinsamen Sporttreibens empfahl er nebenbei auch für politische Streitfälle: “Wenn die Fronten mal verhärtet sind, macht alle das Sportabzeichen”, sagte er. Mit Nachdruck forderte er, der Schulsport solle noch mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen erhalten (Opens external link in new windowsiehe eigene Meldung). Die Versammlung verabschiedete eine Erklärung, um dem reformierten Sportabzeichen vom kommenden Jahr an noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Mehr gesellschaftliche Anerkennung

In seiner Rede forderte Präsident Bach anschließend mehr gesellschaftliche Anerkennung für den Sport. Wenn die Verbesserung des Bildungssystems von der Politik zu Recht zur Zukunftsfrage unseres Landes erklärt werde, komme man bei der Beantwortung dieser Frage eigentlich am Sport nicht vorbei: „Wenn wir also tatsächlich den Bildungserfolg in Deutschland steigern wollen, müssen wir den Beitrag des Sports stärker nutzen. Dazu ist zunächst eine veränderte Sichtweise auf die Rolle des Sports in der Bildung unabdingbar.“ Sport und unsere Sportvereine böten eben nicht nur Freizeitbeschäftigung und Betreuung – „Sport muss als Bildungsfaktor anerkannt werden.“ Zum einen hätten wissenschaftliche Studien belegt, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, höhere Bildungsabschlüsse vorweisen können als sogenannte „Couch potatoes“, zum anderen fördere sportliche Betätigung per se kognitives Lernen“, sagte Bach. „Außerdem bildet Sport durch Wertevermittlung. Er lehrt den verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper, er lehrt Respekt vor anderen und Einhaltung von Regeln, er fördert Eigeninitiative und Teamgeist gleichermaßen.“

Die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft rief der DOSB-Präsident auf: „Sagen Sie ja zum Spitzensport in unserem Lande. Bekennen Sie sich zu unseren Athletinnen und Athleten. Drücken Sie Ihre Wertschätzung für sportlichen Erfolg nicht nur in Reden aus. Machen Sie durch Taten sichtbar, was Ihnen der Spitzensport in unserer Gesellschaft wert ist. Machen Sie die Zukunft des Leistungssport-Standorts Deutschland zum Programm Ihres täglichen Handelns.“

Ein solches Bekenntnis zu Leistung und Erfolg ist nicht nur im Sport nötig, sondern in unserer gesamten Gesellschaft. Sonst, so Bach, „fällt unsere Gesellschaft, dann fällt unser Sozialsystem, dann fällt unser Sport ins Mittelmaß zurück.“

Bach fordert weitere Mittel für den Spitzensport

Die ersten Folgerungen für die Leistungssportförderung in der XXXI. Olympiade bis 2016 wurden in Stuttgart einstimmig befürwortet. Konkret forderte Bach, dem Spitzensport weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Sollte der deutsche Sport nicht zusätzliche 25 Millionen Euro mehr an Bundesförderung erhalte, werde er bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro sein gesetztes Ziel verfehlen, prognostizierte Bach. Dieser Bedarf sei "eher bescheiden" formuliert, erklärte er.

Verbesserungen seien vor allem für Trainer in Sportwissenschaft und in der Sportpsychologie nötig. Bach nannte es beispielsweise “inakzeptabel, wenn Trainer von Weltklasseathleten teilweise mit 3500 Euro brutto entlohnt werden”.

DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel erläuterte in ihrer Begründung der Folgerungen den Mehrbedarf vor allem damit, dass neue Sportarten im olympischen Programm stehen - vor allem im Winter - und sich andere verändert hätten. So finden mitllerweile immer mehr Weltcups und Wettbewerbe in Übersee oder in Asien statt.

Dem Antrag der Vollversammlung der Athletenvertreter/innen, die Mitte Oktober in Bonn getagt hatte, “Förderung und Teilhabe der Athletinnen und Athleten zu optimieren”, stimmten die Delegierten in diesem Zusammenhang ebenfalls einstimmig zu.

Breitgefächerte Sportkultur

In seiner leistungssportlichen Bilanz des Jahres zählte Bach nicht nur die olympischen Erfolge von London auf, die schlagender Beweis seien „für sauberen Lorbeer und die internationale Strahlkraft einer großartigen, erfolgreichen und sympathischen Mannschaft“ unter dem Motto „Wir für Deutschland“. Dazu belegten „die sagenhaften 260 Medaillen“ der Athletinnen und Athleten aus den nichtolympischen Sportarten bei Welt- und Europameisterschaften „die tief verwurzelte, breit gefächerte Sportkultur im Sportland Deutschland“, sagte er. Drittens nannte er das Abschneiden bei den Paralympics in London den Beweis „für den Leistungswillen, die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung und die Integrationsfähigkeit des deutschen Sports“.

Doch trotz aller dieser positiven Entwicklungen im Spitzensport gebe es keinerlei Anlass zur Selbstzufriedenheit. Schon bei der Mitgliederversammlung im vorigen Jahr habe der DOSB angekündigt, unabhängig vom Ausgang der Olympischen Spiele 2012 das Steuerungsmodell Leistungssport insgesamt zu evaluieren. Die ersten wesentlichen Ergebnisse der „breit angelegten und intensiven Diskussion“ stellte das Präsidium der Versammlung in Stuttgart vor.

Leichtes Minus im DOSB-Haushalt

Wegen der negativen Entwicklung der Einnahmen aus den Erlösen der Glücksspirale wird der DOSB das Jahr 2012 mit einem leichten Minus abschließen. Der DOSB-Vizepräsident Finanzen Hans-Peter Krämer erläuterte, dass die Glücksspirale statt kalkulierter 6,0 nur 5,4 Millionen Euro eintrug.

Auch vor diesem Hintergrund lehnten die Stimmberechtigten bei elf Ja-Stimmen den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ab, der DOSB möge der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) aus seinen Rücklagen außerplanmäßig für das kommende Jahr 500.000 Euro bewilligen. Damit solle das voraussichtliche Minus im NADA-Haushalt für 2013 ausgeglichen werden.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph Bergner, hatte zuvor auf den “Dauerbrenner NADA-Finanzierung” hingewiesen. Um eine tragfähige Finanzierung zu gewährleisten, rief er besonders die Partner Wirtschaft und Bundesländer auf, sich an den “Pioniergeist der Gründerzeit” der Stiftung zu erinnern. Davon sei nichts mehr zu spüren, sagte Bergner, doch “die Stiftungsurkunde trägt vier Unterschriften”. Für die Zurückhaltung der meisten Bundesländer habe er wenig Verständnis: Eine Beteiligung an der NADA-Finanzierung sei “keine Frage der grundgesetzlichen Kompetenzverteilung”, sagte er.

DOSB-Antrag zum Anti-Doping-Kampf angenommen

In einer engagierten Diskussion nahmen sich die Delegierten eines zweiten Antrags des DLV zu „Strafverschärfungen im Bereich der Dopingkriminalität“ an. Das DOSB-Präsidium hatte dazu den eigenen Antrag „Den Kampf gegen Doping weiter schärfen und verbessern!“ vorgelegt.

Katja Mühlbauer, frühere Staatsanwältin der Münchner Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft und nun in der Anti-Doping-Kommission des DLV, begründete den Antrag, Besitzstrafbarkeit auch geringer Mengen und eine Kronzeugenregelung ins Strafgesetz aufzunehmen, um schärfere Mittel der Strafverfolgung zur Verfügung zu stellen. Der DLV wünsche eine neue Partnerschaft zwischen Staat und Sport.

DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel warnte davor, die Mittel, die sich im Anti-Doping-Kampf bewährt hätten, zu schwächen. Auch das Präsidium plädiere dafür, das Instrumentarium des Staats zu schärfen, doch das Sportsystem sei das schnellste und effektivste System, Doper zu bestrafen.

Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes und Sprecher der Spitzensportverbände, ergänzte, dass die „strict liability“, die Beweislastumkehr, der ein Sportler unterliege, das effektivste System gegen Doper sei. Besitzstrafbarkeit könne dagegen die Sportgerichtsbarkeit gefährden, da beispielsweise im Falle eines späteren Freispruches vor Gericht Schadenersatzansprüche an den Sport drohten. „Wir sind uns im Prinzip einig im Anti-Doping-Kampf“, sagte er. „Aber nicht über den Weg.“ Da habe der Sport noch Prüfungsbedarf. Der DOSB-Antrag habe diese Öffnungsklausel.

Bei 25 Ja-Stimmen und 8 Enthaltungen lehnten die Delegierten den DLV-Antrag ab und stimmten dem Antrag des DOSB-Präsidiums bei 9 Enthaltungen zu.

Die offene und klare Debatte habe deutlich gezeigt, dass alle Beteiligten im Grunde das Gleiche wollten, fasste Thomas Bach zusammen: „Den Kampf gegen Doping schärfen.“ Nur die Risikoabwägung sei die Frage, die trenne.

Initiates file downloadDie Rede des DOSB-Präsidenten

Opens external link in new windowAlle Beschlüsse gibt es hier >>>

(Quelle: DOSB)


 
 

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