17 Sportvereine fliegen zu den großen Sternen

28.01.2015

Es war ein unvergesslicher Moment, für manche gar zum Weinen schön: der Tag des Sternenflugs. Am Mittwoch strömten 17 Vereine aus ganz Deutschland mit großem Anhang in die prächtige DZ-Bank am Brandenburger Tor in Berlin.

Geballte Freude bei den Teammitgliedern der Bananenflanken-Liga; Foto: Kai Bienert

Alfons Hörmann (re.) und Uwe Fröhlich nehmen den Bundespräsidenten Joachim Gauck zu Beginn der Preisverleihung in ihre Mitte. Foto: Kai Bienert

Sie kamen zur Bundespreisauszeichnung im Wettbewerb um den Großen Stern des Sports. Zum 11. Mal hatten der DOSB und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken dazu eingeladen. Die anwesenden Vereine setzten sich schon auf lokaler und regionaler Ebene gegen große Konkurrenz durch und holten die Sterne in Bronze auf kommunaler und in Silber auf Landesebene im größten Breitensportwettbewerb der Republik.  Jetzt erhoffte sich jeder einzelne, den großen, goldenen Stern nach Hause tragen zu dürfen. Nur einer aber konnte der absolute Sieger sein. Es gab einen zweiten und dritten Gewinner und alle anderen waren die Viertplatzierten. Keinesfalls aber die Verlierer, im Gegenteil: Unter den Besten noch einen Sieger zu küren sei eigentlich unmöglich, meinte  ein Jurymitglied des Wettbewerbs für die Engagierten. Deshalb seien alle Gewinner.

„Unbezahlbar sind die wahren Werte im Leben“ fand Kathrin Müller-Hohenstein vom ZDF, die durch die feierliche Preisverleihung führte. „Heute ist der Tag an dem wir `Danke´sagen“, rief sie ihrem Publikum zu. Ein würdiger Festakt folgte, untermalt von einmaligen Showeinlagen des Teams der Staatlichen Balettschule Berlin und Schule für Artistik.

Die Gratulanten waren prominente Vertreter und Vertreterinnen der Sportfamilie, der Banken, Politiker, Repräsentanten aus Wirtschaft und Kultur.  DOSB-Präsident Alfons Hörmann übergab die Urkunden, BVR-Präsident Uwe Fröhlich überreichte die symbolischen, übergroßen Schecks für die Siegervereine. Aber am wichtigsten war die Anwesenheit des deutschen Staatsoberhauptes Joachim Gauck. „Das ist grandios“, jubilierte ein Teilnehmer in einem Filmbeitrag über seinen Verein. Mehr Wertschätzung ihrer Arbeit an der Basis ginge nicht. Entsprechend beglückt nahmen die Ausgezeichneten den Stern in Gold aus der Hand des Bundespräsidenten entgegen. Joachim Gauck hatte sichtlichen Spaß an seiner Aufgabe, diese Vereine zu ehren, und er richtete sensible und dennoch deutliche Worte an die Veranstaltungsgäste und vor allem an die Öffentlichkeit. Immerhin waren mehr als 70 Medienvertreter im Saal.

Es gehöre zu einer funktionsfähigen Demokratie, „tolle funktionierende“ Institutionen zu haben, die für die Förderung des Engagements und auch für Anerkennungskultur zuständig seien. Aber da müsse noch etwas anderes hinzukommen, mahnte das Staatsoberhaupt. „Das demokratische Prinzip, wir sind füreinander da, wir übernehmen Verantwortung und wir können auch was. Das muss von unten wachsen. Das machen Menschen auf unterschiedliche Weise, indem sie sich nicht nur für den Sport sondern auch für kulturelle Dinge interessieren, sich einsetzen und viel Lebenszeit opfern. Und nebenbei merken sie dann, das tut nicht nur anderen gut, sondern das baut uns auch selber auf. Das ist das Element der beständigen Selbstermächtigung und der Eigenverantwortung. So was muss man trainieren.“

Wie könne der Sport im Verein helfen, diese aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen, fragte Sportmoderatorin Müller-Hohenstein den Bundespräsidenten. Der antwortete indirekt: „Bevor wir aktive Bürger werden, müssen wir das lernen, so wie andere Fähigkeiten auch.“ Am schönsten sei es, wenn Eltern ihren Kindern beibrächten „du bist etwas wert, du hast ein Selbstvertrauen“. Danach könne man dieses Wachsen des  Selbstvertrauens durch Schule und durch den Sport fördern, indem man dem Einzelnen vermittle „Du hast Kräfte, du hast Potentiale in dir, entdecke und trainiere sie. Du kannst noch mehr“ unterstrich Gauck.

„Diese beständige Herausforderung an uns selber, an unsere Mitmenschen, das ist etwas was eine Gesellschaft generell braucht, nicht nur im Sport. Wir entdecken erst im Laufe unseres Lebens, was alles in uns steckt.“ Und der Sport, so der Bundespräsident weiter,  gebe wunderbare Möglichkeiten auch denen,  die sich intellektuell nicht die großen philosophischen Systeme für ihr Leben ausdächten. „Zu erkennen, ich kann etwas, ich bin stark, ich kann mit anderen zusammen noch mehr. Das sind die Elemente, die über den Sport hinaus wichtig sind für menschliches Zusammenleben“, sagte Joachim Gauck unter großem Applaus der „Sterne“.

Alfons Hörmann bestätigte den Bundespräsidenten. Er war 2014 kurz nach seiner Wahl zum DOSB-Präsidenten zum ersten Mal bei einer Preisverleihung „Sterne des Sports“ dabei und besuchte kurz danach den Siegerverein TSV Schott Mainz. „Wenn du dann dieses Engagement erlebst, dann wird dir spätestens bewusst was Sportdeutschland zu bieten hat, und was der wahre Kern über all die Medaillenbilanzen und leistungssportlichen Betrachtungen hinaus ist“. Darauf könne man bauen, betonte Hörmann. „Wir können alle zusammen stolz sein auf das, was an der Basis in den Sportvereinen geleistet wird.“

Für BVR-Präsident Uwe Fröhlich ragten vor allem die erfolgreichen Integrationsleistungen der Sportvereine heraus. “Ich finde es besonders spannend und bewegend, dass Integrationsleistungen erbracht werden von Randgruppen der Gesellschaft, die dann über die Vereine in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden.“

Auch die in diesem Jahr ausgezeichneten Vereine haben mehrheitlich Projekte ins Leben gerufen, die den Schwächeren in unserer Gesellschaft Selbstvertrauen und Freude an der Gemeinschaft vermitteln sollen.

Für die drei Siegervereine gab es nach der Preisverleihung noch eine besondere Überraschung. Sie konnten einer Sitzung des Sportausschuss live miterleben. Im Anschluss stand für sie dann noch ein Kuppelbesuch im Reichstag auf dem Programm. Die wahren Werte sind eben unbezahlbar.

Stellvertretend für alle 17 Gewinner seien hier - wie im Sport dann doch üblich - die Top 3-Platzierten vorgestellt:

Team Bananenflanken-Liga (1. Preis, Großer Stern des Sports in Gold, 10.000 Euro)

Sich fühlen wie echte Fußballstars – dieser Traum kann für lern- und geistig behinderte Kinder und Jugendliche mit der Bananenflanken-Liga (kurz BFL) wahr werden. Die Glücksformel der BFL lautet: besondere Erlebnisse plus außergewöhnliche Emotionen ergeben ein positives Selbstwertgefühl. Über den eigenen Ligabetrieb können die Kicker Selbstvertrauen sammeln und sich in echten Wettkämpfen miteinander messen. Dabei schlagen die Emotionen hohe Wellen und reißen das Publikum mit.

Fußball erleben

Die Idee zur Bananenflanken-Liga hatten Stefan Plötz und Ben Rückerl. Die beiden Heilerziehungspfleger haben 2011 nach einem Fußballprojekt an der Behindertenschule, für die sie arbeiten, den Verein „Team Bananenflanke“ gegründet – ein Fußballverein speziell für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. „Wir wollten mit der Gründung der Bananenflanken-Liga aus dem Team Bananenflanke heraus Kindern, die es nicht so leicht haben im Leben, die Möglichkeit geben, die positiven Effekte des Fußballs zu erleben“, so Stefan Plötz. Anders als bei anderen Mannschaften kommt es beim Team Bananenflanke darauf an, dass der Entwicklungsstand der Spieler vergleichbar ist, das Alter ist Nebensache. Den Namen Bananenflanke haben die Vereinsgründer in Erinnerung an den früheren HSV-Profi und Fußballnationalspieler Manfred Kaltz gewählt, der in den 80er Jahren den Ball so krumm wie eine Banane in den Strafraum des Gegners schlug. „Im Leben unserer Jugendlichen läuft auch nicht alles ‚gerade‘", betont Stefan Plötz, deshalb hat der Verein auch eine Banane als Maskottchen. Beim Fußball trainieren die Bananenflanken-Spieler nicht nur ihre motorischen Fähigkeiten, sondern auch soziale Kompetenzen.

Die BFL an anderen Standorten etablieren

Die erste Saison der Bananenflanken-Liga ging 2014 über die Bühne. Nach insgesamt drei Spieltagen wurde der erste BFL-Meister gekürt. Viele Spieler, die bei der BFL antreten, sind vorher bei dem Versuch gescheitert, sich in reguläre Vereine einzugliedern. 40 Fußballer zwischen 12 und 21 Jahren haben 2014 in der ersten Saison der BFL mitgespielt. Alle sind Mitglieder beim Team Bananenflanke, das für die BFL vier Teams mit je zehn Spielern gebildet hat. Für die nächste Saison gibt es schon jetzt 20 bis 30 neue Interessenten. Alle Trainer und Teampaten der Mannschaften kamen vom Drittligisten SSV Jahn Regensburg, mit dem das Team Bananenflanke eng zusammenarbeitet. Dazu kommt eine behindertengerechte pädagogische Betreuung durch die beiden Vereinsgründer, die auch beim SSV Jahn als Behindertenbeauftragte tätig sind. Durch Kontakte zu weiteren Profivereinen soll die BFL ausgebaut und auch auf andere Städte ausgedehnt werden. Im Gespräch ist das Team Bananenflanke aktuell mit 1860 München, dem FC Ingolstadt und dem 1.FC Nürnberg.

Alle Punktspiele der Liga wurden in der vergangenen Saison auf einem mobilen Soccer-Court auf öffentlichen Plätzen in Regensburg und Umgebung ausgetragen. Im Schnitt kamen 300 Zuschauer und auch in den Medien war das Echo groß.

Kinder- und Jugendcircus Montelino e.V. Potsdam (2. Preis, „Stern des Sports“ in Gold, 7.500 Euro)

Wenn das Licht in der Manege angeht – dann ist der Moment gekommen, auf den die Artisten von Montelino über Wochen hingearbeitet haben. Immer zum Ende des Schuljahres zeigen sie ein gemeinsames Zirkusprogramm, für das alle fleißig geplant, trainiert und geprobt haben.

Fünf Mal in der Woche bietet der Potsdamer Kinder- und Jugendcircus Montelino, Training für Kinder ab drei mit und ohne Handicap an. Es gibt unter anderem Kurse in Luft- und  Bodenartistik, Balance, Jonglage, Einrad und Clownerie, unterteilt in Einsteiger-, Aufbau - und Fortgeschrittenengruppen. In den Sommerferien veranstaltet der Verein einwöchige Ferienprogramme.

Pädagogischer Schwerpunkt

Neben dem artistischen Training spielt im Verein die Gruppendynamik eine wichtige Rolle. Kinder und Jugendliche erfahren hautnah, was Vertrauen in andere schafft, wie fairer Umgang miteinander funktioniert und was das Selbstbewusstsein stärkt. Im Fokus liegt dabei die gegenseitige Bereicherung, nicht die Konkurrenz.
Je älter die Teilnehmer sind, desto mehr Wert legt der Verein auf eigenverantwortliches, selbstständiges und verlässliches Arbeiten, deshalb werden die Größeren auch gezielt in organisatorische Aufgaben des Vereins eingebunden.

Immer mehr wollen mitmachen

Das Modell von Montelino scheint bei den Kids anzukommen. Über Nachwuchs kann der Kinder- und Jugendcircus jedenfalls nicht klagen. 1998 ist die erste Gruppe mit 20 Kindern gestartet, bis 2002 wuchs sie auf 80 Kinder an. Daraufhin gründeten Eltern und Trainer im September 2002 den Kinder- und Jugendcircus Montelino e.V., der Mitglied im Landessportbund Brandenburg ist. Seitdem steigt die Teilnehmerzahl kontinuierlich an. Heute hat Montelino 290 Mitglieder und es gibt weit mehr Anfragen als der Verein Mitglieder aufnehmen kann.

Ein drängendes Problem für den Verein ist es allerdings, dass er den bisherigen Standort für sein Zirkuszelt im Volkspark Potsdam voraussichtlich im Oktober 2017 räumen muss. Danach will die Stadt das Gelände zum Wohngebiet entwickeln.

TuS 1953 Sörgenloch e.V. (Platz 3, „Stern des Sports“ in Gold, 5.000 Euro)

Der TuS Sörgenloch hat die Weichen für seinen seit Jahren brachliegenden Sportplatz in Richtung Zukunft gestellt. Statt einen neuen Fußballplatz zu bauen, entschied sich der Verein für einen Mehrgenerationenplatz – und das aus guten Gründen.

Bau des Mehrgenerationenplatzes in Sörgenloch

Im Zuge einer Vereinsberatung kam der Vorstand zu der Erkenntnis, dass die Zukunft des Vereinssports nicht unbedingt im wettkampforientierten Mannschaftssport liegt. Dafür werden Aspekte wie Freude an der Bewegung, Gesundheit, Entspannung und Stressbewältigung als Motivation für Sport immer wichtiger werden. Auf diesen Trend setzte der Vorstand mit seiner Entscheidung, nachdem er sowohl die Mitglieder als auch den gesamten Ort davon überzeugt hatte.

Sport für alle

Aus einem Sportplatz, der über viele Jahre dem Fußball vorbehalten und danach lange verwaist war, weil der Nachwuchs ausblieb, ist ein vielseitiges Sport- und Freizeitgelände geworden. Heute gibt es hier mehrere Flächen unterschiedlicher Größe und Formen mit verschiedenen Belägen, die allen Generationen vielfältige Sportmöglichkeiten bieten.

Darunter ein Naturrasenplatz, eine Bitumenfläche und ein Tennenplatz (alle drei umschlossen von einer Rundlaufbahn) sowie ein Beachvolleyballfeld (das auch als Sprunganlage dienen kann), eine Buckelpiste und eine Boule-Anlage. Das Gelände soll auch in den nächsten Jahren weiter entwickelt und verändert werden.

Auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren

Bei der Einweihungsfeier am 6. April 2014 bezeichnete Referatsleiter Harry Hermann vom Innenministerium in Rheinland-Pfalz den Mehrgenerationenplatz als zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt, mit dem der TuS Sörgenloch auf den gesellschaftlichen Wandel reagiere.

Im Herbst 2012 wurde der Verein für sein Konzept von den rheinland-pfälzischen Turnverbänden beim Wettbewerb „Seniorenfreundlicher Verein“ ausgezeichnet.

Opens external link in new windowZu den weiteren Gewinnern des „Stern des Sports“ in Gold >>>

(Quelle: DOSB)

 
 

Sport für Alle Partner

Sport für Alle Partner