Vorbildliche Sportfamilien: Krönung im Kaisersaal

31.01.2012

Der DOSB und das Bundesfamilienministerium zeichneten am Dienstag am Rande des DOSB-Neujahrsempfangs in Frankfurt am Main vorbildliche Sportfamilien aus.

20 Mitglieder der engagierten Sportfamilie Schratz/Horst füllen fast die gesamte Bühne aus. Foto: picture-alliance/Rumpenhorst

Familie Englich freut sich ganz besonders auf den Urlaub im Robinson Club. (v.li.: DOSB-Präsident Thomas Bach, Familie Englich, Staatssekretär Hermann Kues, Oberbürgermeisterin Petra Roth, Vorsitzender der Athletenkommision im DOSB, Christian Breuer) Foto: picture-alliance/Rumpenhorst

Einen würdigeren Ort hätte man kaum finden können: Im Kaisersaal des Frankfurter Römers, dort wo im Heiligen Römischen Reich seit 1612 die Krönungsbankette nach der Kaiserwahl stattfanden, ehrten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesfamilienministerium am Dienstag im Rahmen des DOSB-Neujahrsempfangs die engagiertesten Sportfamilien. Preisträger sind die Sportvereinsfamilie Schratz/Horst aus Frankfurt am Main und die Spitzensportfamilie Englich aus Frankfurt/Oder.

Die Englichs halten zusammen

„Kinder und sportliche Familie? Das können ja nur wir sein“, war Noah und Lotta Englich spontan eingefallen, als ihre Eltern Mirko und Yvonne die Bewerbungsunterlagen vorlasen. Der Vater gewann 2008 in Peking die Silbermedaille im griechisch-römischen Ringen, Mutter Yvonne belegte nach zweimaliger Babypause im Jahr 2011 den dritten Platz bei den Europameisterschaften in der gleichen Sportart. Auch der achtjährige Noah ist bereits brandenburgischer Meister in seiner Altersklasse. In diesem Jahr will er es unter die ersten drei bei der mitteldeutschen Meisterschaft schaffen. Seine vier Jahre jüngere Schwester träumt von Pippi Langstrumpf, liebt Schwimmen und Klettern.

Die Englichs pflegen einen familiären Zusammenhalt, der auch über 600 Kilometer Entfernung wirksam ist. Denn so weit muss Oma Englich von Dortmund nach Frankfurt/Oder reisen, um Kinder und Enkel zu unterstützen, wenn Wettkämpfe oder Trainingslager zur Improvisation zwingen. „Aber das tue ich gerne, schließlich vermisse ich sonst meine Enkel,“ sagt Mirkos Mutter. Insgesamt ist es für Spitzensportler mit kleinen Kindern immer eine große Aufgabe, den Alltag zu bewältigen. „Manchmal geben wir uns nur die Türklinken in die Hand, wenn wir auf dem Sprung zu Wettkämpfen sind. Aber wir haben alle ein Ziel,“ sagt Mirko. „Das ist London 2012, Wir wollen Medaillen gewinnen und die Kinder sind unsere größten Fans.“ Nicht nur die Kinder werden dabei sein, sondern auch ihre Oma. Zuvor müssen sich die  Englichs aber noch bei internationalen Wettkämpfen im April und Mai für die Olympischen Spiele qualifizieren.   

In Frankfurt an der Oder finden sie die besten Voraussetzungen, um ihren Sport ausüben und ihr Ziel erreichen zu können. Deshalb sind sie aus Westdeutschland vor zwei Jahren hierher gezogen. „20 bis 30 Ringer vom Olympiastützpunkt haben uns damals beim Umzug geholfen. Wir sind so herzlich empfangen worden. Das war toll,“ schwärmt Yvonne rückblickend. „Da springt auch schon mal der Trainer als Babysitter ein, wenn es sein muss,“ ergänzt ihr Mann. Die Eheleute sind beide bei der Feuerwehr angestellt. „Auch nicht gerade ein typischer Frauenberuf“, meint Yvonne. „Aber bisher habe ich mich überall durchgebissen.“ Überhaupt sei das die Erfahrung, die fürs Leben wichtig ist. „Wir vermitteln unseren Kindern auch im Alltag, dass man Opfer bringen muss, wenn man etwas erreichen will. Aber mit Verständnis, einem guten Zusammenhalt in der Familie, im Umfeld und unter Freunden, gelingt das auch,“ sagen Mirko und Yvonne unisono.

Ihren Weg nach London filmt die Familie übrigens mit einer kleinen handlichen HD-Camera selbst. Dabei werden Sie von Stefan Schwarzkopf vom ARD-Morgenmagazin begleitet, der das Material sichtet und für die Veröffentlichung sorgt. „Die Englichs,“ sagt Schwarzkopf anerkennend, „könnten auch Filme machen.“

Familie Schratz/Horst ist Vorbild für viele im Verein

Auch der Familienverbund Schratz/Horst hat einige erfolgreiche Spitzensportler hervorgebracht, im Mittelpunkt des Familienlebens steht jedoch das Engagement für den eigenen Verein DJK Griesheim, einem Stadtteil in Frankfurt am Main.

Momentan sind 22 Familienmitglieder im Verein eingebunden. Manfred Schratz ist seit 40 Jahren Jugendleiter des Vereins. Seine Schwester Monika Horst ist als Frauenwartin im Vorstand aktiv. Winfried Schratz und sein Sohn Sven trainieren gemeinsam die Fußballjugend und pflegen die Internetseite des Vereins. Helmut Schratz und alle Ehepartner sind im Verein als Abteilungsleiter, Übungsleiter, Betreuer und Helfer engagiert, die Familientreffen finden regelmäßig auf dem Sportplatz statt. Alle acht Kinder des Geschwisterquartetts sind als Übungsleiter und Trainer im Kinderturnen, der Gymnastik, im Rollstuhlbasketball und im Fußball aktiv, die Zwillinge der Familie Horst haben sogar je zehn Spiele für die U16 Nationalmannschaft absolviert, Nora Schratz war als Nationalspielerin im Rollstuhlbasketball dreimalige Teilnehmerin an den Paralympics. Auch die Schwiegertöchter werden eingebunden. „Man munkelt, der Übungsleiterschein wäre Voraussetzung für die Eheschließung gewesen“, scherzte DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch in seiner Laudatio.

Manfred Schratz` Augen glänzen noch heute, wenn er an den 1. Dezember 2011 denkt. Da hatte er von der Wahl seines „Familien-Clans“ zur „engagiertesten Sportfamilie“ erfahren. „Ich war überwältigt und zuerst einfach nur in Gedanken versunken. Danach habe ich meine Geschwister angerufen. Von da ab lief die ganze Geschichte.“ Er meint auch die Mediengeschichte. Denn nie zuvor haben sich so viele Redaktionen für die Vereinsbelange des DJK Griesheim oder seiner Familie interessiert. „Wir haben Interviewanfragen von Zeitungen und Fernsehsendern erhalten, nicht nur aus Frankfurt und Hessen“, staunt Schratz. Eine besonders schöne Erinnerung haben alle Familienmitglieder an den Filmtag mit der Hamburger Produktionsfirma „Chickenshack“, die im Auftrag von DOSB und des Bundesfamilienministeriums ein Porträt von ihrer Arbeit im Verein drehten. „Das war ein echtes Erlebnis und unser schönster Tag“, sagt der Jugendleiter. „Da kommt auch gut rüber, dass wir keine  Vereinsmeier sind, sondern uns generationsübergreifend engagieren“, betont Schratz. „Vorbild sein, sich geradlinig verhalten und Vertrauen schenken“, sind für Schratz keine hohlen Phrasen, sondern Schlüsselbegriffe, nach denen er lebt und handelt. Dazu zählt auch schon mal, sich für ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz für ein Vereinsmitglied einzusetzen. Schratz erwähnt in diesem Zusammenhang die christlichen Wurzeln des DJK Griesheim. „Es ist Tradition in der DJK, christliche Werte zu schätzen. Ethik und Fairness werden bei uns großgeschrieben. Darüber tauschen wir uns auch mit den 20 anderen Vereinen in der Diözese Limburg regelmäßig aus.“  

Die Familien Schratz/ Horst und Englich erhielten beim Neujahrsempfang neben der Urkunde eine Einladung zum Familien-Urlaub in einem Robinson-Club.

Hintergrund

Mit dem Ziel, die Weiterentwicklung von Familienfreundlichkeit im Sport bundesweit voranzubringen, haben der DOSB und das Bundesfamilienministerium im März 2011 gemeinsam das Modellprojekt „Sport bewegt Familien - Familien bewegen den Sport“ gestartet. Während der 22monatigen Projektlaufzeit werden Ideen gebündelt, Strategien entwickelt und neue Allianzen mit Familieninitiativen und Verwaltungen geschmiedet, um die bestehenden Angebote und Strukturen im Sport noch besser an die tatsächlichen Bedürfnisse von Familien anzupassen.

Der Auszeichnungswettbewerb zur Ermittlung der engagiertesten Sportvereins- bzw. Spitzensportfamilie, bei dem Sportvereine und Mitgliedsorganisationen des DOSB von Juli bis Oktober 2011 Familien aus den eigenen Reihen zur Auszeichnung vorschlagen konnten, ist ein Bestandteil des Modellprojektes.

Die Broschüre „Familienfreundlichkeit im Sportverein“ ist ebenfalls im Kontext des Modellprojektes entstanden und enthält Kriterien und Beispiele für familienfreundliche Konzepte im Sportverein. Familien erhalten über die kürzlich frei geschaltete Projektseite www.familie-sport.de zahlreiche Hinweise auf Vereinsangebote, die eine erlebnisreiche und vergnügliche Freizeitgestaltung im Verbund mit anderen Familien ermöglichen. Zudem finden sich hier Bewegungstipps, die in den häuslichen Familienalltag integriert werden können.

Laudationes auf die Familien Englich und Schratz/Horst von DOSB-Athletenvertreter Christian Breuer und DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch

Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Familien sowie zum Projekt „Familien bewegen den Sport – Sport bewegt Familien“ gibt es unter www.familie-sport.de sowie unter www.bmfsfj.de.

(Quelle: DOSB)

 
 

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