„Wir wollen Geschmack auf Fußball machen!“

- Vorbild für den Nachwuchs: Fußball-Nationalspielerin Kim Kulig. Copyright: picture alliance
Die „Girls Wanted“-Tour machte mit einem dreitägigen Fußballcamp in Hamburg Station. Das Highlight war der Besuch von Nationalspielerin Kim Kulig. Das Konzept der Nachwuchsförderung geht auf.
Die Sonne scheint auf den grünen Kunstrasenplatz neben der Verbandssportschule Hamburg. Auf dem Spielfeld sind Hütchen aufgebaut, die Bälle liegen bereit, eigentlich könnte die erste Trainingseinheit losgehen. Doch noch haben die 35 Teilnehmerinnen des Fußballcamps keinen Blick für das Spielfeld. Es ist Kim Kulig, der die Aufmerksamkeit der Mädchen gehört. Die Autogramme der Nationalspielerin aus der Hansestadt sind heiß begehrt, die Bewunderung ist groß. Es könnte keine bessere Eröffnung für dieses Fußballcamp der „Girls Wanted“-Tour geben als den Besuch von Kulig. „Das ist eine gute Sache und macht mir Spaß“, sagt die 21 Jahre alte Mittelfeldspielerin des FFC Frankfurt. „Die Mädchen sind sehr interessiert, da komme ich doch gerne vorbei.“
Kulig, derzeit einen Kreuzbandriss auskurierend, den sie sich bei der WM zugezogen hat, ist auch bei der ersten Trainingseinheit noch dabei. Zu Beginn sollen die Mädchen ihre Ballbeherrschung unter Beweis stellen, sie dribbeln nebeneinander, umeinander und aneinander vorbei. Die acht bis zwölf Jahre alten Nachwuchsspielerinnen strengen sich an, keine will den Ball verlieren. Das dreitägige Camp ist von der Commerzbank gesponsert, die Mädchen sind alle mit T-Shirt und Shorts ausgestattet worden. Anmelde- oder Übernachtungsgebühr fallen nicht an, lediglich die An- und Abreise musste eigenständig organisiert werden. Fünf Trainingseinheiten warten an diesem Wochenende noch auf die 35 Mädchen, abgerundet wird das Programm durch Aktionen wie ein Tischkicker-Turnier, gemeinsames Grillen, eine Schnitzeljagd und ein Abschlussturnier gegen die Eltern.
Der Spaß steht im Vordergrund
"Der Spaß steht an diesem Wochenende klar im Vordergrund“, sagt Organisatorin und Trainerin Louise Hansen. Die Leiterin einer Eventagentur spielte früher selbst Fußball beim FFC Frankfurt. Die ehemalige dänische Nationalspielerin betreut zusammen mit vier weiteren Trainerinnen an diesem Wochenende die Nachwuchsfußballerinnen. Die jungen Mädchen kommen unter anderem vom Bramfelder SV oder dem TuS Finkenwerder. Doch nicht alle Teilnehmerinnen spielen bereits Fußball. „Wir haben nicht nur die Talente der Vereine hier“, so Hansen. „Gut ein Drittel der Mädels ist nicht im Verein. Wir wollen ihnen natürlich Geschmack auf Fußball machen, so dass sie Lust bekommen, auch im Verein anzufangen.“ Fußball für Mädchen ist im Kommen, das beweist nicht nur das große Interesse am Fußballcamp. Auch Nationalspielerin Kulig hat das bereits beobachtet: „Immer mehr Mädchen, die die WM verfolgt haben, wollen Fußball spielen. Es verbessert sich auch in der Breite deutlich.“
Am Samstagvormittag steht im Hamburger Camp Stationstraining auf dem Programm. Es ist die erste Einheit des Tages, in drei Gruppen absolvieren die Mädchen Schusstraining, einen Schnelligkeitsparcours und ein Spiel übers Querfeld. Die Teilnehmerinnen sind mit vollem Einsatz dabei, sie schwitzen in der Sonne. Besonders der Parcours fordert schnelle Beine und Koordination, auch von Lena und Mette. Mit ihren acht Jahren gehört Lena zu den jüngsten Teilnehmerinnen; Mette ist bereits zwölf. Beide spielen nicht im Verein, „bisher nur mal so in der Schule“, sagt Mette. „Meine Mutter arbeitet bei der Commerzbank und hat mich angemeldet. Es macht total Spaß.“ Auch Lena ist begeistert: „Mir gefällt es sehr gut. Die anderen Mädchen sind alle nett. Ich könnte mir schon vorstellen, mal im Verein anzufangen, wenn ich mehr Zeit habe.“
Teamfähigkeit ist gefragt
Das Training ist genauso anstrengend wie abwechslungsreich. „Wir arbeiten viel in kleinen Gruppen, da können wir mit jeder Einzelnen auch individuell viel machen“, erklärt Hansen. „Doch die meisten Übungen stehen in Verbindung mit einem Wettbewerb, nicht nur einzeln, sondern auch in kleinen Gruppen. Dabei ist es nicht unbedingt nur das Ziel, zu gewinnen, sondern auch als Team zu bestehen.“ Dabei ist es völlig egal, ob die Mädchen bereits Vereinsfußballerinnen sind oder nicht, es werden alle gefordert und gefördert. Auch unter den Nachwuchsfußballerinnen gibt es wegen der unterschiedlichen Leistungsstärke keine Probleme. Mette stimmt dem zu: „Nee, ob man schon mal im Verein Fußball gespielt hat, ist nicht so wichtig. Die anderen Mädchen sind alle nett.“
Die variantenreiche Aktionsreihe „Girls Wanted“ entstand ursprünglich durch die Zusammenarbeit des Bundesligisten und deutschen Rekordmeisters FFC Frankfurt mit der VerkehrsGesellschaft Frankfurt. Die Kooperation sollte – und soll – junge Mädchen durch besondere Events für den Fußball begeistern und es ihnen unter dem Motto „Kicken wie meine Stars“ ermöglichen, die Profis des FFC Frankfurt hautnah zu erleben. Der Spaß am Fußball steht bei allen Veranstaltungen im Vordergrund. In diesem Jahr gab es bereits ein Soccerfestival in Frankfurt, weitere Events in Augsburg und Bochum sowie – im Rahmen der Frauen-Fußball-WM im Sommer – den „Girls Wanted WM-Cup 2011“, ein eintägiges Fußballturnier auf der Frankfurter Fanmeile. Weitere Aktionen bis in den Winter hinein sind bereits im Terminkalender verankert: Ein Herbst-Camp im Oktober sowie der Nikolaus Cup Anfang Dezember. Zurzeit laufen außerdem bereits die Planungen für 2012, es sind zehn Veranstaltungen geplant, darunter vier Camps. Hansen und die Commerzbank verhandeln über die Städte und Termine. Fußball? Girls wanted? Fußball: Girls want it.
(Quelle: Julia Nikoleit)



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