Die Athletinnen der nächsten Generation

28.06.2017

Bereits zum dritten Mal hat der DOSB ehemaligen Spitzensportlerinnen eine Mentorin oder einen Mentor für ein Jahr spendiert – und das ist eigentlich erst der Anfang.

Zum Abschluss trafen sich die Tandems des DOSB-Mentoring Programms 2016/17 in Berlin. Foto: DOSB/Camera4

Jedem Ende wohnt bekanntlich ein Anfang inne. Frei nach einem Hermann-Hesse-Zitat ermutigte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die 13 Absolventinnen des einjährigen Mentoring-Programms ‚Mit dem gemischten Doppel an die Spitze!’ anlässlich der Abschlussveranstaltung am vergangenen Donnerstag in Berlin, ihre beruflichen Chancen im organisierten Sport zu suchen: „Sie sind die Athletinnen der nächsten Generation im DOSB und können das, was Sie in Ihrer Sportkarriere erlebt und erreicht haben, in Ihre berufliche Laufbahn übertragen. Insbesondere Frauen sind an vielen Stellen leider unterrepräsentiert und die vielen aktiven Sportlerinnen in den Vereinen finden sich nicht ansatzweise in den Organisationsstrukturen wieder.“

Damit sich das ändert, hat der DOSB bereits zum dritten Mal ehemaligen Spitzenathletinnen für ein Jahr eine Mentorin oder einen Mentor aus dem organisierten Sport zur Seite gestellt, um den Wechsel aus der Sporthalle, von der Piste oder der Tartanbahn in die Führungsposition einer Sportorganisation oder als Trainerin an den Spielfeldrand zu meistern. Dank intensivem Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Veranstaltungen innerhalb der Tandems sowie der vom DOSB organisierten Fortbildungen, Workshops und Treffen u.a. bei der DOSB-Mitglieder-Vollversammlung bekamen die Teilnehmerinnen Einblicke hinter die Kulissen des organisierten Sports und konnten ein breit gefächertes persönliches Netzwerk aufbauen.

„Ich war gerade auf der Konferenz der Spitzenverbände und habe mal durchgezählt – der Frauenanteil lag bei nicht einmal zehn Prozent. Die gute Nachricht ist: alle diese Frauen gehören zu unserem Netzwerk“, sagte Dr. Petra Tzschoppe, DOSB-Vizepräsidentin für Frauen- und Gleichstellungsfragen, an die motivierten Nachwuchs-Funktionärinnen. „Aber die wichtigen Entscheidungen über die Zukunft unserer Sportorganisationen sollten wir nicht den Männern überlassen.“ Auch Dr. Karin Fehres, DOSB-Vorstandsmitglied für Sportentwicklung, ermunterte die ehemaligen Olympia-, Weltmeisterschafts- und Weltcupsiegerinnen dazu, sich im organisierten Sport zu engagieren: „Ihr alle habt im vergangenen Jahr Selbstgewissheit darüber bekommen, was ihr im Sport mit euren Siegen und Niederlagen gelernt habt – und wie ihr dieses Knowhow nun für euren Beruf oder ein ehrenamtliches Engagement nutzen könnt.“

90 Prozent sind motiviert, eine Führungsposition zu übernehmen

Bei den meisten Mentees spielte diese Selbstreflexion in den vergangenen zwölf Monaten eine bedeutende Rolle. „Für mich ging es beim Austausch mit meiner Mentorin Inka Müller-Schmäh nicht darum, einen bestimmten Job zu finden“, erklärte die ehemalige 400-Meter-Läuferin Anja Rücker, die einen gesamten olympischen Medaillensatz ihr Eigen nennt. „Es war viel mehr ein Prozess, der in meinem Inneren stattgefunden hat.“ Auch für Dr. Claudia Behnke, Drittplazierte bei der Ju-Jutsu-WM 2011 hat die Introspektion neue Wege aufgezeigt: „Mein Mentor Jörg Brokamp hat mich vorsichtig weg von einem Was-kann-ich hin zu einem Was-will-ich geschubst.“ Birte Steven-Vitense, ehemalige Leistungsschwimmerin und deutsche Rekordhalterin über 200 Meter Brustschwimmen, hat als Sportpsychologin in den vergangenen Jahren im 1-zu-1-Kontext schon viel bewegt und gemeinsam mit ihrer Mentorin Michaela Röhrbein ausgelotet, wie sie mehr Verantwortung im Sportsystem übernehmen kann. Für die Frage, wie man als olympische Silbermedaillengewinnerin, dreifache Weltmeisterin und 61-fache Weltcupsiegerin von der Sportlerin in die Trainerrolle hineinwächst, bekam Jenny Wolf wertvolle Tipps von ihrer Mentorin Dafni Bouzikou. Und Snowboarderin Amelie Kober hat dank ihrer Mentorin Steffi Klein für das Chaos im Kopf zwischen Karriere, Kind und Studium nun einen beruflichen Plan A, einen Plan B und sogar einen Plan C in der Tasche – neben ihrer Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2018.

Doch nicht nur die Mentees profitierten von dem intensiven Austausch – auch die Mentorinnen und Mentoren nahmen viel mit. „Als Abteilungsleiterin Sportentwicklung beim Landessportbund Berlin habe ich ein sehr junges Team, aber keine privaten Kontakte zu Berufseinsteigern“, resümierte Anke Nöcker, die sich dank des gemeinsamen Jahres mit ihrer Mentee heute besser in die anstrengende berufliche Startsituation hineinversetzen kann. „Es war sehr wertvoll für mich, mal nicht als Chefin wahrgenommen zu werden, sondern unterstützend und nicht voranschreitend mit einem jungen Menschen einen gemeinsamen Weg zu gehen.“

Dass sich die gemeinsamen Wege der Tandems gelohnt haben, konnte Kathrin Mahler Walther eindrucksvoll belegen – die Geschäftsführerin der ‚EAF Berlin. Diversity in Leadership’ hat das Jahr als Trainerin begleitet und auch evaluiert. Die Ergebnisse: 90 Prozent der Teilnehmerinnen sind motiviert, eine Führungsposition zu übernehmen und planen ihre Karriere offensiv, 40 Prozent sind bereits hauptberuflich im Sport unterwegs, 10 Prozent haben es vor. 60 Prozent möchten sich ehrenamtlich im Sport engagieren, 30 Prozent tun dies bereits. „Ich möchte allen einen Vorschlag zur ‚guten Nachrede’ mit auf ihren Weg geben“, sagte sie nach der Vorstellung dieser Ergebnisse. „Da Frauen bei Stellenbesetzungen immer noch oft übersehen werden, sollten wir bei offenen Jobs immer mindestens eine Frau vorschlagen.“ Eine Strategie, die sich auch für Dr. Petra Tzschoppe im Hesse’schen Sinne langfristig auszahlen könnte: „Ich bin mir sicher, dass nach diesem Mentoring-Jahr unsere gemeinsame Arbeit nicht zu Ende ist, sondern jetzt erst richtig anfängt.“

Mehr Infos unter www.dosb.de/mentoring

(Quelle: DOSB/Michaela Rose, MEDIA2MOVE)

 
 

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