Eine Bewerbung für Deutschland

18.03.2015

Beim Wettstreit um die Bewerberstadt für Olympische Spiele gibt es keinen Verlierer. Denn um das Projekt zu verwirklichen, braucht es mehr als eine Stadt. Ganz Deutschland ist gefragt, findet Autor Jörg Stratmann.

Die Eisfläche der O2 World in Hamburg in den olympischen Farben. Foto: picture-alliance

Zum Wesen des sportlichen Wettkampfs gehört, dass es neben Siegern auch Unterlegene gibt. Wo nur der Sieg zählt, beginnt mit Rang zwei zwangsläufig schon die Niederlage. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Dafür könnte der olympische Beratungsmarathon, auf den sich der deutsche Sport an diesem Sonntag und Montag begeben hat, ein eindrucksvolles Beispiel geben.

Hamburg soll sich um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben. Dieser einmütige Vorschlag, den das Präsidium des DOSB der Außerordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Samstag in der Frankfurter Paulskirche unterbreiten wird, wendet sich natürlich zugleich gegen Berlin, das ebenfalls die Spiele wollte. Aber die Bundeshauptstadt ist damit kein Verlierer im Zweikampf gegen die Hansestadt.

Es gehört zu den Besonderheiten dieser außergewöhnlichen sportlichen Auseinandersetzung auf Augenhöhe, dass sich die Verantwortlichen beider Städte von Beginn an darüber einig waren, dass der Wettstreit in diesem Falle keine Entscheidung gegen einen der beiden Teilnehmer bedeute. Es ist vielmehr das Votum für einen Kandidaten, der sich nun für die gemeinsame Sache weiter bewerben soll.

Und so war es bezeichnend, dass Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller die Sportverbände am Tag nach der Entscheidung einlud, auch für die Zukunft, abseits von Olympia, Berlin mit all seiner Sportbegeisterung als Heimat für ihre Wettkämpfe zu sehen. Zugleich sagten die Berliner den Hamburgern ihre volle Unterstützung zu.

Denn um das Projekt „Gastgeber für Olympische und Paralympische Spiele“ zu verwirklichen, braucht es mehr als eine Stadt. Das ganze Land, wir alle sind gefragt, wenn es verwirklicht werden soll.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat bei der Bekanntgabe des Ergebnisses der Beratungen innerhalb der Sportfamilie und mit Experten von außen zugleich die Grundsatzfrage gestellt, die bei diesem Großereignis mitschwingt. Wo soll der Sport in 15 Jahren in diesem Land stehen? Wie können wir all seine positiven Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft noch besser nutzbar machen? Er lieferte die Antwort gleich mit: Olympia ist und bleibt dafür der beste Katalysator. Die Spiele von München 1972 mit ihren Initiativen wie der Trimm-Dich-Bewegung, der Stiftung Deutsche Sporthilfe oder auch der Glücksspirale wirken bis heute.

80 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger sind offenbar der gleichen Ansicht. Das haben jüngste Umfragen gezeigt. Wir alle müssen Feuer und Flamme für diese Idee sein. Und wenn Hamburg es schafft, sie zu verwirklichen, sind wir alle die Gewinner – auch die scheinbar Unterlegenen.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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