Sport ohne Grenzen

26.01.2016

Die "Sterne des Sports" haben wieder gezeigt: Die Vereine stellen sich den besonderen Herausforderungen in einer turbulenten Zeit und nutzen ihre Chancen in einer Gesellschaft im Wandel, meint Autor Markus Böcker.

Der VfL Bad Wildungen wurde von der Bundeskanzlerin mit dem "Großen Stern des Sports" in Gold geehrt.

Der VfL Bad Wildungen wurde von der Bundeskanzlerin mit dem "Großen Stern des Sports" in Gold geehrt.

In Deutschland reden wir wieder über Grenzen: Außengrenzen, Obergrenzen und Grenzen in den Köpfen. Es scheint manchmal so, als sei die „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge passé. Die kriminellen Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln und anderswo und sexuelle Belästigungen in einigen öffentlichen Bädern haben die Bürgerinnen und Bürger verunsichert, die Bundes-, Landes- und Lokalpolitik aufgeschreckt. Besonders im rechten politischen Spektrum werden wie-der einmal Drohkulissen aufgebaut. Frühere parteiübergreifende Allianzen beim Thema Flüchtlingshilfe beginnen zu bröckeln. Sogar die Bundeskanzlerin steht unter Druck. Aber ist Angela Merkel mit ihrem Credo „Wir schaffen das!“ wirklich „allein zu Hause“, wie die Zeitung „Die Welt“ schrieb? 

Bei der Bundesauszeichnung der „Sterne des Sports“ in Gold, vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken ausgeschrieben, die Angela Merkel an diesem Dienstag in Berlin bereits zum fünften Mal überreicht hat, war davon nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Kanzlerin erhielt repräsentative Rückendeckung von den Vertretern der anwesenden 17 Sportvereine, die aus allen Bundesländern angereist waren. 

Die Mehrheit von ihnen bietet Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern ein sportliches und soziales Zuhause, eben Sport ohne Grenzen. Der Appell des Repräsentanten des Siegervereins aus Bad Wildungen, „Frau Bundeskanzlerin, lassen Sie sich nicht beirren, gemeinsam ist das zu schaffen!“ fand ein applaudierendes Echo im Publikum. Man konnte spüren, dass die Worte und die Reaktion im Saal auf die Angesprochene wie Balsam wirkten. Die Kanzlerin dankte den Vereinen für ihr ehrenamtliches Engagement, vor allem in der Integrationsarbeit für Flüchtlinge. 

Die Sportvereine stellen sich den besonderen Herausforderungen in einer turbulenten Zeit und nutzen ihre Chancen in einer Gesellschaft im Wandel. Ihr ebenso einfaches wie wirksames Konzept, um Flüchtlinge und Asylbewerber zu integrieren, fußt auf drei Säulen: Sport, Sprache und Ausbildung/Arbeit. Die Macher der Vereinsprojekte haben erkannt, dass Menschen aus unter-schiedlichen Kulturen sich zunächst kennenlernen und verstehen lernen müssen. Das geht am einfachsten im Sport, denn der „spricht alle Sprachen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Ein kürzlich veröffentlichte Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, die auch das Freizeitverhalten von Deutschen mit Migrationshintergrund und in Deutschland lebenden Ausländern jenseits von Beruf und Familie untersuchte, kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass der Sport am ehesten die Bevölkerungsgruppen verbinden könne. 41 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund bzw. 38 Prozent der Ausländer sind im Sportverein aktiv, wesentlich mehr als in anderen Organisationen. Unterschiede zu Deutschen ohne Migrationshintergrund gibt es beim ehrenamtlichen Engagement, jenseits der formalen Vereinsmitgliedschaft. 

Der Landessportbund Berlin zum Beispiel hat deshalb ein Pilotprojekt zur Ausbildung von Flüchtlingen gestartet. Mehr als 20 Flüchtlinge sollen Übungsleiter im Breitensport werden und absolvieren zurzeit Praktika in Unternehmen.

Die Integrationsarbeit der Sportvereine könnte aber noch besser funktionieren, wenn geeignete Sportstätten zur Verfügung stünden. Der DOSB schätzt, dass bundesweit rund 1000 Turn- und Sporthallen mit Flüchtlingen belegt sind. Im Sport sei das Verständnis für die Unterbringungs-situation zwar groß, aber der Ausfall der Hallen führe zunehmend zu Problemen im Trainings- und Wettkampfbetrieb, sagt der Dachverband in Richtung der Politik.

Dennoch hat der DOSB dort schon viel erreicht. Das Bundesministerium des Innern (BMI) wird der Forderung des DOSB nach signifikanter Erhöhung der finanziellen Zuwendungen für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ schon bald entsprechen, wie in Berlin zu erfahren war. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die zentrale bundesweite Steuerung der gezielten Arbeit mit Flüchtlingen in den Sportvereinen. Dafür hat der DOSB bereits eine Stelle ausgeschrieben, finanziert vom Auswärtigen Amt – für einen Sport ohne Grenzen.  

(Autor: Markus Böcker)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

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