Von der Umwelthauptstadt zu nachhaltigen Olympischen Spielen

15.07.2015

Erste Eckpunkte und Ideen zur Nachhaltigkeit bei Hamburgs Olympia-Bewerbung sind heute (15. Juli) bei einer Pressekonferenz in der HafenCity Universität präsentiert worden.

Eine Visualisierung zum Thema nachhaltige Olympische Spiele in Hamburg. Bild: BUE/urbanista

Die Hamburger Planer wollen über den Tellerrand hinausblicken und den Bogen schlagen von der europäischen Umwelthauptstadt 2011 zu Olympischen und Paralympischen Spielen 2024, die ökologische, soziale und ökonomische Belange der Nachhaltigkeit gleichermaßen berücksichtigen. Eckpfeiler des Konzepts sind der Klimaschutz, eine sozial vielfältige Nachnutzung der OlympicCity, der sparsame Umgang mit Ressourcen während der Spiele und der Blick auf globale Lieferketten und nachhaltige Beschaffung.

"Hamburg geht mit dem Versprechen kompakter, grüner und nachhaltiger Spiele ins Bewerber-Rennen um die Olympischen Spiele 2024. Wer sich am Ende gegen Weltstädte durchsetzen will, muss durch Ideen und Einzigartigkeit punkten. Wir wollen zeigen, dass die Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und wirtschaftlich – den entscheidenden Ausschlag geben kann für Hamburgs Erfolg. Wir wollen nicht Olympische Spiele für Hamburg machen, sondern für die Welt. Dabei blicken wir über den Hamburger Tellerrand hinaus und wollen bei der Beschaffung und bei den globalen Lieferketten auf faire Bedingungen und Umweltfreundlichkeit achten. Auch unabhängig von der Olympia-Bewerbung wollen wir die nachhaltige Entwicklung Hamburgs ambitioniert voranbringen", sagte Umweltsenator Jens Kerstan auf der Pressekonferenz.

Johannes Merck vom Dialogkreis Nachhaltigkeit und Direktor Corporate Social Responsibility Otto Group, ergänzte dazu: "Wir als Dialogkreis Nachhaltigkeit verstehen uns als konstruktiver und kritischer Begleiter der Hamburger Olympia-Bewerbung. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss die gesamte Wertschöpfungskette anschauen und beeinflussen. Das fängt beim Einkauf an und geht bis weit hinein in die Lieferketten bis hin zu den sozialen und ökologischen Standards bei Geschäftspartnern und Produzenten. Wenn Hamburg mit dem DOSB hier ansetzt, kann das die Chance für faire, grüne und bescheidene Spiele sehr erhöhen."

"Schneller, höher, weiter – das gehört zum olympischen Gedanken. In Hamburg sollte das Moto sein: Schneller, höher, weiter – aber mit weniger Ressourcen, fair und weise im Umgang mit den Menschen und weltoffen in der Haltung. Wer begeisternde sportliche Spiele mit Nachhaltigkeit auf allen Ebenen verbindet, kann neue Maßstäbe setzen", dafür tritt Prof. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung ein.

Andreas Klages, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Sportentwicklung Ressortleiter Breitensport, Sporträume beim DOSB stellt heraus, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit im Sport ist: "Mit Olympia sind viele Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung und zur Gestaltung zentraler politischer Herausforderungen, z.B. Klima- und Naturschutz, verbunden. Schon jetzt übernehmen Sportorganisationen hierbei konkret Verantwortung - sie sind Deutschlands Gesundheitsförderer Nr. 1, größter nichtstaatlicher Kooperationspartner der Ganztagsschule und Preisträger des Deutschen Naturschutzpreises. Deutschlands Sportvereinssystem steht zudem nicht nur für den gesellschaftlichen Kitt, sondern ist auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem man international punkten kann. Die Sportvereine unter dem Dach des DOSB können darüber hinaus eine bedeutsame Rolle spielen, die Olympiabewerbung Hamburgs auch zu einer nationalen Bewegung zu machen. Die Bewerbungsgesellschaft wird daher die gesellschaftspolitisch wirksamen Potenziale der Sportvereine in die Entwicklung der Nachhaltigkeitskonzeption Hamburg24 integrieren."

Einige der Eckpunkte für das Nachhaltigkeitskonzept sind:

  • Die OlympicCity soll zum Schaufenster für Nachhaltigkeit werden und Maßstäbe setzen für energieeffizientes Bauen und innovative Energiekonzepte, mit Gründächern, modernem Abfallmanagement und der Idee einer Willkommensstadt. In der Nutzung nach den Spielen soll auf dem Kleine Grasbrook ein lebendiger Stadtteil entstehen mit Herz für Menschen unterschiedlicher Herkunft, Migrantinnen und Migranten, Studentinnen und Studenten, junge Unternehmen.
  • Die Olympischen Spiele sollen klimaneutral sein. An erster Stelle steht dabei die Vermeidung zusätzlicher CO2-Emissionen, wo diese unumgänglich sind, muss es ein Kompensation geben. Ein Instrument dazu wäre eine Klimataxe, mit deren Hilfe zusätzliche Umweltbelastungen abgefedert werden.
  • Eine autofreie Innenstadt während der Spiele und maximal 25 Prozent Autoanteil auf dem Kleinen Grasbrook in der Nachnutzung.
  • Vom Flutlicht über Fassaden, von Sitzschalen bis hin zum VIP-Shuttle und zum Eintrittskarten-Drucker: Für Olympische Spiele wären Millionen-Investitionen in verschiedensten Bereichen nötig. Wer hier Kriterien der nachhaltigen Beschaffung von Beginn an berücksichtigt, kann wertvolle Rohstoffe und Ressource sparen, CO2 und soziale Ausbeutung vermeiden. Schon hat Hamburg wertvoll Erfahrungen in der Organisation nachhaltiger Großveranstaltungen gesammelt – beispielsweise bei der altonale.
  • Globale Partnerschaft durch nachhaltige Beschaffung mit guten Arbeitsbedingungen und Tariflöhnen nicht nur in Hamburg sondern auch weltweit bei Sponsoren und Lieferanten

Hintergrund: 

Derzeit wird unter Federführung der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) in Projektgruppen, mit Gutachtern, Experten und Dialogpartnern ein Nachhaltigkeitskonzept für die Hamburger Olympia-Bewerbung erarbeitet. Seit Mai werden mehrere Gutachten erstellt zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit für die Olympia-Bewerbung, beispielsweise vom Ökoinstitut und von der Sporthochschule Köln. Am 14. Juli tagten in Hamburg auf Einladung der Behörde für Umwelt und Energie und des Rats für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung Expertinnen und Experten unterschiedlicher Interessensgruppen sowie Verantwortliche der Hansestadt. Diskutiert wurde, wie Hamburgs Olympia-Bewerbung einen Beitrag zur internationalen Nachhaltigkeit leisten kann. Unter den Teilnehmern waren u.a. Professor Klaus Töpfer, Bundesminister a.D. und Professor Günther Bachmann, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung.  Dies bettet sich ein in eine Reihe von Veranstaltungen mit verschiedenen Stakeholdern, die nach der Sommerpause mit einer öffentlichen Veranstaltung fortgeführt werden soll.

(Quelle: Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg)


 
 

Olympia Partner

Olympia Partner