Hörmann: Wollen und müssen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

18.01.2016

Angesichts der vielen düsteren Schlagzeilen um den Sport hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann beim Neujahrsempfang des Dachverbandes des deutschen Sports zur Rückbesinnung auf die wahren Werte aufgerufen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann; Foto: DOSB/Chris Christes

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks; Foto: DOSB/Chris Christes

Ole Bischof macht ein "Selfie" mit den Eliteschülerinnen Jessica Tiebel (li.) und Pauline Grabosch sowie dem Vorstandsvorsitzenden der DekaBank Michael Rüdiger.

„Wir wollen und müssen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen“, sagte Hörmann an diesem Montag im Frankfurter Römer. Vor rund 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Sport im Kaisersaal des Rathauses zeigte er sich aufs Neue erschüttert von den jüngsten Meldungen aus den internationalen Verbänden.

Eine Kombination von Doping und Korruption wie in der Leichtathletik sei noch schwerwiegender als die Verfehlungen im Weltfußball-Verband, der FIFA. Und sollte sich bewahrheiten, was über Manipulationen im Profitennis zu hören sei, wäre dies, so Hörmann, „nur ein weiterer Schlag in die Magengrube“. Diese Verdächtigungen müssten in aller Klarheit und Brutalität aufgeklärt und behoben werden. Denn „die Frage eines fairen und den Prinzipien des Sports entsprechenden Wettkampfes steht für mich an aller erster Stelle“, sagte der DOSB-Präsident. „Wenn das Spiel oder der sportliche Wettbewerb manipuliert werden, dann ist das die Bankrotterklärung für den Sport."

Er hob Kronzeugen, Zuträger und auch Journalisten hervor, die ihr Wissen schon öffentlich gemacht oder zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt hätten. Das seien diejenigen, so Hörmann, „die durch all die Enthüllungen dem Sport helfen“. Denn der Sport sei an dem Punkt angekommen, „an dem es von innen nicht mehr geht“, erklärte er. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir so viel Hilfe von außen benötigen.“

Hörmann begrüßte als Festrednerin die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Barbara Hendricks. Bevor sie über ihr Thema „Starker Sport – starke Kommunen“ sprach, äußerte er unter großem Beifall zwei Wünsche des Sports.

Hörmann mahnte „vernünftige Lösungen“ für die Reform Lärmschutzverordnung bei Sportanlagen an und forderte, der Sport müsse bei der Stadtentwicklung und in den Förderprogrammen des Städtebaus und des Klimaschutzes stärker berücksichtigt werden.

Lärmschutz: Ministerin kündigt vernünftige Lösung an

Ministerin Hendricks lobte im Namen der Bundesregierung ausdrücklich das Engagement der Sportorganisationen. Man unterstütze die Belange des Sports etwa durch die Förderung der Sanierung von Sportstätten. Darüber hinaus, so Hendricks, solle der Sport weiterhin seinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft behalten. Für ein harmonisches Miteinander solle ein fairer Ausgleich der Interessen der Sporttreibenden und der Anwohner erreicht werden, erklärte sie und kündigte eine Lösung im Lärmschutz „noch in diesem Jahr“ an. „Umweltschutz und Sport gehören zusammen“, sagte Barbara Hendricks. „Wir sind sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit dem DOSB. Das wollen wir fortsetzen und vertiefen."

Eliteschüler des Sports des Jahres 2015 geehrt

Im weiteren Verlauf des Empfanges wurden auch die Eliteschüler des Sports des Jahres 2015 geehrt. DOSB-Vizepräsident Ole Bischof und Michael Rüdiger, Vorstandsvorsitzender der DekaBank, zeichneten die Team-Radsprinterin Opens external link in new windowPauline Grabosch und ihre Partnerin Emma Hinze, die nicht nach Frankfurt kommen konnte, als Erstplatzierte aus. Opens external link in new windowRennrodlerin Jessica Tiebel wurde Zweite; Opens external link in new windowdie 16 Jahre alte Schwimmerin Maxine Wolters, die gerade im Trainingslager in Thailand weilt, darf sich als Jüngste über Rang drei freuen.

Politik lobt und mahnt den Sport

Hörmann dankte dem Hausherrn, Oberbürgermeister Peter Feldmann, und dem hessischen Minister des Innern und für Sport, Peter Beuth. Beide stellten die verdienstvolle gesellschaftspolitische Arbeit vor allem der Sportvereine heraus, versprachen, den Sport darin weiter zu unterstützen, sprachen aber auch mahnende Worte.

Das Jahr 2015 habe gezeigt, dass Sport nicht von der gesamten Gesellschaft losgelöst gesehen könne, sagte Feldmann. Der Spitzensport werde sich Gedanken machen müssen, wie Glaubwürdigkeit und Vertrauen in den Sport wiederhergestellt werden könnten. Die Sportvereine hätten sich gerade in der Aufgabe der Integration hervorgetan. „Das macht mich dankbar“, sagte der Oberbürgermeister. „Wir werden alles unternehmen, um unsere Sportvereine zu unterstützen. Kürzungen sind für uns im Sport tabu.“

Auch Minister Beuth resümierte das für den Sport „über die deutschen Grenzen hinaus“ schwierige Jahr. Die Autonomie, stets wie ein Schutzschild gegenüber der Politik emporgehalten, sei vielfach für Manipulation im großen Stil missbraucht worden. Aber gerade auch vom Deutschen Fußball-Bund erwarte er im Hinblick auf die ungeklärten Vorgänge rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 schonungslose Aufklärung, sagte Beuth. „Das sind wir der Integrität des Sports schuldig.“

Auch Beuth versicherte die Sportverbände der Unterstützung der Politik, „weil sie bei der Integration von Flüchtlingen unfassbar viel leisten“. Das müsse noch mehr anerkannt und geschätzt werden. Er hoffe, sagte der Minister, „dass wir in den nächsten Wochen auch die Sporthallen wieder freigeben können, damit der Sport seine ganze integrative Kraft entfalten kann“.

Sport braucht Sporthallen

Etwa 60 Prozent der Sportvereine seien in der Integrationsarbeit tätig, sagte DOSB-Präsident Hörmann und ergänzte zur Belegung zahlreicher Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte: „Der Sport steht hier im Notfall zur Verfügung. Dauerhaft benötigen wir die Sporthallen aber auch, um aktive Integration umzusetzen.“

Hörmann nannte den Sport in Zeiten der europaweiten Flüchtlingskrise das wichtigste Instrument für eine erfolgreiche Integration. „In welchen Teilen der Gesellschaft kann es denn besser, intensiver und flächendeckender gelingen, Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren, als im Sport?“, fragte er.

Kurz ging Hörmann auch noch einmal auf die knappe Ablehnung einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2024 durch die Hamburger Bürgerinnen und Bürger ein. „Es schmerzt uns noch immer“, sagte er, rief aber dazu auf, es nicht bei der trüben Rückschau zu belassen. „Die Niederlage war gestern“, sagte er. „Heute zählt der Blick nach vorn.“

Das gelte auch angesichts der aktuellen Glaubwürdigkeitskrise. „Man kann nur den Blick nach vorne richten", sagte der 55-Jährige. Denn: „In dieser augenblicklichen Krise scheint eine ganz große Chance zu liegen. Ich glaube, es kommt etwas in Bewegung."

Mehr Deutsche in internationalen Gremien

Gerade deshalb sei es eine „große Aufgabe“ des Dachverbandes, künftig mehr Deutsche in den internationalen Gremien zu installieren. „Denn wir sind zuversichtlich, dass wir weiterhin ein wertvoller und wichtiger Bestandteil der olympischen Familie sein können und einen verantwortungsvollen Beitrag leisten wollen“, sagte Hörmann. Doch nur wer Verantwortung übernehme, könne auch mitgestalten. Das gelte auch für das Feld Sport für Entwicklung, wo sich der DOSB gemeinsam mit seinen Partnern aus der Politik verstärkt engagieren werde.

Der DOSB-Präsident schloss mit einer Prise Optimismus, indem er auch Vorfreude schürte auf das Jahr 2016 vor allem mit Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Olympischen Jugend-Winterspielen. „Wir freuen uns auf tolle Sportler für Olympia, Botschafter unseres Landes“, sagte Hörmann. „Sie betreiben professionell und begeistert ihren Sport, ohne Millionäre zu sein und jemals zu werden.“ Deshalb: „Herzlich Willkommen im Olympiajahr 2016!“

(Quelle: DOSB)


 
 

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