Glossar zum demographischen Wandel

 

Altenquotient:
Der Altenquotient stellt die Anzahl der Menschen im Rentenalter (ab 65 Jahre) im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20-64 Jahre) dar. Beispiel: Im Jahr 2005 kamen in Deutschland auf 100 Menschen im genannten Erwerbsalter 32 Menschen im genannten Rentenalter – d. h. der Altenquotient lag bei 32. Bis 2030 wird sich der Wert deutlich auf etwa 50 erhöhen. 2050 dürfte der Quotient bei ca. 60 liegen (s. auch Sport der Älteren).

 

Bestandserhaltungsniveau der Geburtenrate:
Bezeichnet die Höhe der Geburtenrate, die bei einem bestimmten Mortalitäts-Niveau (Sterblichkeit) langfristig die gleiche Zahl von Geburten und Sterbefällen zur Folge hat, so dass die Bevölkerungszahl (ohne Zu- und Abwanderungen) konstant bleibt. In Deutschland liegt der erforderliche Wert bei 2,1 Kindern pro Frau, steht jedoch langfristig einer tatsächlichen Geburtenrate von unter 1,4 gegenüber. Hierdurch verkleinert sich jede nachwachsende Generation um mehr als 30% (s. auch Kinder- und Jugendsport).

 

Bevölkerungsstatistik:
Liefert auf Zahlen basierende Angaben zur Bevölkerungsentwicklung bzw. ermöglicht deren strukturelle Analyse. Anhand von Volkszählungen oder im Mikrozensus (regionale Erhebung) liefert die Bevölkerungsstatistik für einen Erhebungs-Stichtag exakte Zahlen zu Größe und Struktur einer Bevölkerung. Hierbei werden Parameter wie Alters- und Geschlechterverteilung, Herkunft, Familienstand, Konfession oder Erwerbstätigkeit berücksichtigt.

 

Bevölkerungswissenschaft:
Die Bevölkerungswissenschaft, im weiteren Sinne auch als Demografie bezeichnet, befasst sich mit den Strukturen und Entwicklungen einer Bevölkerung. Ursachen des Bevölkerungsaufbaus werden analysiert, Konsequenzen werden vorausberechnet. Hieraus leiten sich die unterschiedlichen Strömungen der Bevölkerungswissenschaft ab: Es gibt (1) quantitative Bevölkerungsstatistik (= Demografie i. e. Sinne) und (2) qualitative Zweige (Bevölkerungsforschung).

 

Bevölkerungsvorausberechnung (Projektionen):
In Volkszählungen oder per Mikrozensus erhobene Daten zur Bevölkerungsstruktur werden mithilfe amtlicher Quellen fortgeschrieben (Standesämter, Meldebehörden etc.) und in so genannten Bevölkerungsprojektionen auf die kommenden Jahrzehnte vorausberechnet.

Hierzu werden im Vorfeld Annahmen zu den drei Variablen (1) Geburtenrate, (2) Lebenserwartung/Mortalität und (3) Zu- und Abwanderung (Migration) formuliert und über Kreuz zu einem mehrere Varianten umfassenden Modell kombiniert. Nach dem Wenn-dann-Prinzip entsteht hierdurch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Entwicklungsgrößen – mit tendenziell hohen Wahrscheinlichkeiten im Zentrum und weniger hohen Wahrscheinlichkeiten in den Randbereichen.

 

Demographische Alterung:
Bezeichnung für den Anstieg des Durchschnittsalters innerhalb einer Bevölkerung, gemessen durch das Medianalter. Es liegt derzeit bundesweit bei rund 40 Jahren, wird bis 2050 jedoch auf ca. 52 Jahre steigen.

 

Eigendynamik der Bevölkerungsentwicklung:
Eine junge Altersstruktur kann auch dann zu langjährigem Bevölkerungswachstum führen, wenn sich die Geburtenrate bereits unter dem zur Bestandserhaltung notwenigen Niveau von 2,1 Kindern pro Frau befindet. Umgekehrt kann eine Bevölkerung vorübergehend auch dann weiter schrumpfen, wenn sich ein niedriges Geburtenniveau deutlich erhöht hat. Entsprechend wird der Einfluss der Altersstruktur auf die Größenentwicklung einer Bevölkerung mit Begriffen wie "Schwung" oder "Trägheit" umschrieben.

 

Fertilität:
Bezeichnet das Fortpflanzungsverhalten einer Bevölkerung. Zur Messung dienen Fertilitätsraten wie beispielsweise die zusammengefasste Geburtenrate.

 

Geburtenbilanz:
Die über einen bestimmten Zeitraum (zumeist Kalenderjahr) betrachtete Differenz zwischen Geburten- und Sterbefällen innerhalb einer Bevölkerung. Bei positiver Differenz spricht man von Geburtenüberschuss, bei negativer von Geburtendefizit.

 

Geburtenrate (zusammengefasste):
Die zusammengefasste Geburtenrate (TFR = Total Fertility Rate) misst die Zahl der Lebendgeborenen pro Frau im gebärfähigen Alter von 15 bis 45 Jahren. Sie stagniert in Deutschland derzeit bei rund 1,33 Kindern pro Frau und liegt damit deutlich unter dem zur Bestandserhaltung benötigten Niveau von 2,1.

Unterteilt man die zusammengefasste Geburtenrate nach Herkunft, offenbaren die in Deutschland lebenden Zuwanderer mit rund 1,9 Kindern pro Frau einen deutlich höheren Wert als die deutschstämmige Mehrheitsbevölkerung. Hier liegt der Wert nur bei rund 1,25 (s. auch Sport und Migration).

 

Jugendquotient:
Der Jugendquotient spiegelt die Anzahl der Menschen im Vorerwerbsalter (bis 20 Jahre) im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20-64 Jahre) wider. Beispiel: Im Jahr 2005 kamen auf 100 Menschen im genannten Erwerbsalter 33 Menschen im genannten Vorerwerbsalter – d. h. der Jugendquotient lag bei 33. Bis 2030 (respektive 2050) dürfte sich der Wert nur unwesentlich verringern.

 

Lebenserwartung:
Die durchschnittliche Lebensdauer liegt in Deutschland derzeit bei ca. 81,5 Jahren für Frauen und ca. 76 Jahren für Männer. Bis 2050 ist mit einem Anstieg auf rund 89 Jahre (w.) bzw. 84,5 Jahre (m.) zu rechnen.

 

Lebenserwartung (fernere):
Die fernere Lebenserwartung misst die im Durchschnitt verbleibende Lebensdauer der 60-Jährigen. Aktuell liegt sie für Frauen bei 24 Jahren (d. h. 84 Lebensjahre gesamt) und für Männer bei 20 Jahren (d. h. 80 Lebensjahre gesamt). Bis 2050 wird mit einem Anstieg auf rund 30 Jahre (w.) bzw. mehr als 26 Jahre (m.) gerechnet (s. auch Sport der Älteren).

 

Medianalter:
Bevölkerungen lassen sich mathematisch in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilen. Die Trennlinie bzw. die Mitte bezeichnet man als das „Medianalter“.

 

Migration (=Wanderung):
Bezeichnet die Veränderung von Zahl und Zusammensetzung einer Bevölkerung durch Zu- und Abwanderungen gegenüber dem Ausland (Außenwanderung) oder innerhalb der Regionen (z. B. Bundesländer) eines Staates (Binnenwanderung). In der Bundesrepublik sind diesbezüglich deutliche Unterschiede feststellbar (s. auch Regionalisierung des demografischen Wandels).

 

Mortalität:
Die Mortalität entspricht dem Niveau der Sterblichkeit innerhalb einer Bevölkerung und wird durch die Sterberate angegeben. Diese ergibt sich aus der Gesamtzahl der Sterbefälle auf 1000 Einwohner (= die rohe Sterberate) und lässt sich in alters- bzw. geschlechtsspezifische Sterberaten untergliedern. Der Mortalitäts-Rückgang (in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts kontinuierlich) führt zur Zunahme der Lebenserwartung.

 

Unterstützungsquotient:
Die Summe aus Alten- und Jugendquotient wird Unterstützungsquotient genannt. Wie der Name bereits andeutet, tragen die im Erwerbsalter befindlichen Anteile der Bevölkerung in Form von Renten- bzw. Erziehungsbeiträgen die finanzielle Hauptlast der Gesellschaft. Das bedeutet: Steigt der durch die <20-jährigen und="">65-Jährigen erzeugte Unterstützungsquotient an, gerät das auf Finanz-Umverteilung basierende System Deutschlands (3-Generationenvertrag) zunehmend unter Druck.

2005 kommen auf 100 Personen im Erwerbsalter rund 65 Personen aus den beiden anderen Altersbereichen. 2030 werden es 80 und 2050 fast 90 sein, in erster Linie verursacht durch die massive Bevölkerungszunahme im hohen Altersbereich.

 

Wanderungssaldo:
Maßzahl für die periodische Differenz zwischen Zu- und Abwanderungen innerhalb eines definierten Gebiets (Landkreis, Bundesland, nationale Ebene). Wird meistens in Kalenderjahren gemessen.

 

Zuwanderung (analog dazu Abwanderung):
Als Zuwanderung betrachtet man den Zuzug aus einer anderen territorialen Einheit (Gemeinde, Kreis, Bundesland = Binnenwanderung) oder dem Ausland (= Außenwanderung), um am Ort des Zuzugs einen festen oder vorübergehenden Wohnsitz anzunehmen (s. auch Sport und Migration).

 
 

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