Verbandsärzte treffen sich zur DOSB-Tagung Sportmedizin

06.12.2017

Am 24. und 25. November trafen sich die Verbandsärzte zum fachlichen Austausch in Frankfurt. Die wichtigesten Themen waren Anti-Doping und die Leistungssportreform.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann informierte die Sportärzte über die Leistungssportreform. Foto: DOSB

Im Rahmen der XXXIII. Tagung Sportmedizin im Spitzensport fand für die 250 teilnehmenden Ärzte am Freitag das Anti-Doping Seminar statt, welches traditionell in enger Zusammenarbeit mit der NADA gestaltet wird. Der Samstag stand ganz im Fokus der Leistungssportreform und den Auswirkungen auf das Gesundheitsmanagement.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann skizzierte den Prozess der Leistungssportreform von der Ent-stehung bis zum aktuellen Stand und die Herausforderungen der Umsetzung – die im Vergleich mit den aktuellen politischen Konstellationen einem Jamaika des Sports gleich kämen.

Anti-Doping

Im Anti-Doping-Seminar wurde das deutsche Dopingkontrollsystem aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch betrachtet. So zeigt Dr. Marietta Kirchner (Heidelberg) Grundlagen zum Ver-ständnis von statistischen Analysen der Dopingproben. Sie vertiefte in ihrem Vortrag die Möglichkeiten von statistischen Analyseverfahren und die Auswirkungen auf das Ergebnis der Proben.

Dr. Werner Pitsch von der Universität des Saarlandes warf in seinem Vortrag die Frage nach dem Zielkriterium der Dopinganalytik auf. Der WADA Code besagt, es sei die Aufgabe „to protect the Athletes' fundamental right to participate in doping-free sport“. Er beschrieb in seinen Ausführungen Gründe für die Ineffektivität des Anti-Doping-Kontrollsystems, konstatierte zum Ende allerdings auch, dass es dem Ziel „to protect the Athletes' fundamental right to participate recht nahe kommt, allerdings nicht „in doping-free sport“ (WADA Code 2009, 11). Damit beschädige das System die Erfolgschancen nicht gedopter Sportler.

Die Entwicklung von Testverfahren zur Dopinganalytik beschrieb Prof. Dr. Christian Strasburger von der Charité Berlin in seinem Beitrag sehr eindrucksvoll. Er zeigt dabei auch, welche Hürden genommen werden müssen damit ein Verfahren vor Gericht bestand hat.

Aus dem Institut für Dopinganalytik in Dresden sprach Dr. Detlef Thieme zum Prinzip der Spurenbefunde in der Dopinganalytik. Thieme erläuterte dazu den Langzeitnachweis und stellte diesen den Kontaminationsrisiken gegenüber. Er konstatierte schließlich, dass verbesserte Nachweisgrenzen und Langzeitmarker sehr effiziente Optionen der Dopingbekämpfung sein können.

Die zweite Hälfte des Nachmittags wurde von der Nationalen Anti-Doping Agentur gestaltet. Dr. Andrea Gotzmann stellte Positionen und Entwicklungen eines Anti-Doping-Systems der Zukunft vor. Sie gab einen Überblick zu den Aktivitäten die seit 2014 gelaufen sind und warf den Blick in die Zukunft. Sie gab einen Überblick dazu, wie das Re-Analysis Program seit Beijing und London zu einer Aberkennung von 61 Medaillen führte. Sie konstatierte, dass in der zukunftsorientierten Arbeit leider das Knowhow der aktiv und umfassend tätigen Nationalen Anti-Doping-Organisationen nicht ausreichend berücksichtigt werde.

Die Neuerungen der WADA Verbotsliste 2018 wurden von Dr. Anja Scheiff vorgestellt. Sie skizzierte, wie es zu den jährlichen Veränderungen dieser Liste kam und brachte die 250 Ärzte der Veranstaltung hinsichtlich verbotener Substanzen und Methoden auf den aktuellen Stand ab Januar 2018.

Dr. Lars Mortsiefer (Ressortleiter Recht und Vorstandsmitglied bei der NADA) hatte für die Teilnehmer Informationen zur Schiedsgerichtsbarkeit im Sport zusammengestellt. Diese fördert die Transparenz, Einheitlichkeit und Nachvollziehbarkeit von Verfahren im Sport. Die Athleten haben das Recht den Schiedsrichter selbst zu wählen und können somit selbst mitbestimmen wer das Verfahren richtet.

Leistungssportreform

Der Samstagvormittag stand im Zeichen der Leistungssportreform. Der Präsident des DOSB beschrieb in seinem Beitrag das Motiv der Leistungssportreform und erklärte, dass es ein Gemeinschaftsprojekt aus DOSB und BMI sei. Die politische Lage mache aktuell eine konkrete Umsetzung zu einer Herausforderung. Wir wollen aber trotzdem konsequent an den Punkten der Reform festhalten und den geplanten Weg beschreiten, so Hörman.

Prof. Bernd Wolfarth (leitender Olympiaarzt) von der Charité Berlin skizzierte wie sich die Leistungssportreform konkret auf das Gesundheitsmanagement im DOSB auswirkt. Ein Kernpunkt dabei ist die engere Vernetzung der Teilbereiche Sportmedizin, Sportphysiotherapie, Sporternährung und Sportpsychologie. Der Athlet steht dabei im Fokus und soll aufgrund des optimierten Informationsflusses maßgeblich profitieren.

An welchem Punkt die Kommission des PotenzialAnalyseSystems (PotAS) aktuell steht, stellte der Vorsitzende Prof. Urs Granacher (Universität Potsdam) vor. Zudem konnte er mit den Ergebnissen aus einer Trainer- und Athletenumfrage verdeutlichen, welchen Stellenwert das Gesundheitsmanagement in seinen Facetten für diese beiden Gruppen hat.

Sportneurologie / Sportpsychiatrie

Prof. Claus Reinsberger (Paderborn) brachte die Anwesenden in seinem Beitrag zu Thema Concussion auf den neuesten Stand. Er stellt die verfügbaren Diagnosetools vor und verwies auf den aktuellen Stand der Forschung. Concussion sei eine klinische Diagnose, wobei man weiterhin auf der Suche nach einem objektiven Biomarker sei.

Wie die Wiederaufnahme des Leistungs- und Spitzensports nach Verletzungen des Peripheren Nervensystems gestaltet werden sollte, war Gegenstand des Beitrags von Dr. Helge Riepenhof aus Hamburg.

Eine Volkskrankheit, die Leistungssportler nicht seltener trifft als die „Normalbevölkerung“ sind Depressionen. Prof. Andreas Ströhle von der Charité Berlin beschrieb sportart- und karrierespezifische Besonderheiten und wie diese das Risiko zur Erkrankung beeinflussen. Ziel dabei sollte es besonders bei Ärzten sein, zu erkennen, wenn ein Sportler betroffen ist, diesen dann zu behandeln und präventiv tätig zu sein.

Den Neuroorthopädischen, Aktivitätsabhängigen Therapieansatz als eine Behandlungsmethode bei Leistenschmerzen im Fußball präsentierte die Physiotherapeutin und Sportwissenschaftlerin Carolin Bausmann in ihrem Vortrag. Sie beschrieb die multifaktorielle Genese der Erkrankung und zeigt auf, wie der Einsatz der NAP zur Heilung führen kann.

Sporternährung / Ernährungsmedizin

Dieser Themenblock wurde von Ernährungsberatern der Olympiastützpunkte und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gestaltet.

Prof. Helmut Heseker (Paderborn) befasste sich in seinem Vortrag mit Nahrungsmittelintoleranzen und Allergien die den Leistungssportler besonders im Training beeinflussen können bzw. ein Training im schwersten Fall unmöglich machen.

Die Sprecherin der AG der Ernährungsberater an den Olympiastützpunkten, Dr. Claudia Osterkamp-Baerens (OSP Bayern) referierte über die Stoffwechseltypisierung. Hierunter versteht man eine Methode der Ernährungsgestaltung, mit der versucht wird, das angenommene Ungleichgewicht des Stoffwechsels auszugleichen. Diese Theorie sei wissenschaftlich allerdings nicht belegt und somit im Leistungssport kritisch zu betrachten.

Der Vitamin D Status von Nachwuchsleistungssportlern war das Thema des Ernährungsberaters vom Olympiastützpunkt Rheinland, Hans Braun. In seinem Vortrag zeigte er anschaulich, das der Vitamin D Status bei deutschen Nachwuchssportlern in den Wintermonaten unzureichend ist und warf die Frage nach eine Supplementierung für diesen Zeitraum auf.

Die Veranstaltung bot traditionell viel Gelegenheit zum Austausch unter Kollegen, so dass neben den Vorträgen mit regen inhaltlichen Diskussionen Raum für informelles Gespräch blieb.

(Quelle: DOSB)


 
 

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