Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 7)

10.01.2018

Im Sommer ist der sechste Sportentwicklungsbericht erschienen. In einer mehrteiligen Serie werden wichtige Ergebnisse dieser bundesweiten Erhebung vorgestellt.

Fair Play und Toleranz sind wichtige Vereinsziele bei den befragten Fußballvereinen. Foto: LSB NRW

Der zweite Berichtsband mit weiterführenden Analysen auf nochmals über 550 Seiten beginnt in Kapitel II. mit einem Aufsatz unter der Überschrift: „Sportentwicklungsberichte 2005 bis 2016: Mehr Wissen für den Sport!“ von Andreas Klages und Christian Siegel. Der eine (A.K.) ist stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Sportentwicklung im DOSB, der andere ist stellvertretender Ressortleiter Breitensport/Sporträume im DOSB. Beide haben seitens des DOSB das Projekt der Sportentwicklungsberichte (SEB) seit den Anfängen federführend betreut und gehören dem SEB-Projektbeirat an. In ihrem Beitrag skizzieren sie noch einmal knapp die Genese der Sportentwicklungsberichte und stellen dabei heraus, inwiefern dieses Projekt „ein neuer Ansatz für die Schnittstelle von Praxis und Wissenschaft“ auf dem Gebiet des Sports bzw. der Sportwissenschaft ist.

Mit diesem neuen Ansatz, der bis heute in der (Sport-) Vereinslandschaft einzigartig geblieben ist, wurde auch forschungsmethodisch Neuland betreten: Mit der bundesweiten Online-Befragung von Sportvereinen konnte die „Projektgeschwindigkeit“ deutlich erhöht werden, was auch dazu beitrug, dass die Ergebnisse viel kurzfristiger ausgewertet bzw. der Abnehmerseite (also den Vereinen und Verbänden) zur Verfügung gestellt werden konnten. Die anfängliche Skepsis in den Sportorganisationen konnte erfreulicherweise schnell überwunden werden. Die Autoren Klages und Siegel bringen es so auf den Punkt: Mit den Sportentwicklungsberichten sollten nicht Analysen über, sondern für die Sportvereine präsentiert werden. Mehr noch: Das Argumentations- und Legitimationswissen sollte in sog. Handlungswissen überführt werden – das bedeutet:

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Sportentwicklungsberichte seit 2005 haben vielfältige Aktivitäten innerhalb des DOSB und seinen Geschäftsbereichen, aber auch in den Mitgliedsorganisationen des DOSB stattgefunden, um mit Hilfe der Analysen aus den Sportentwicklungsberichten die relevanten Herausforderungen im Sport bzw. für die Sportvereine empirisch gesättigt zu diskutieren und angemessene Handlungsempfehlungen abzuleiten. Im Beitrag werden die wichtigsten Handlungsbereiche mit den wesentlichen Aktivitäten schlaglichtartig in sieben kurzen Abschnitten in Erinnerung gerufen: Grundsatzfragen der Vereinsentwicklung (1.), Kooperationen (2.), Zielgruppen (3.), Ehrenamt und Qualifizierung (4.), Sportstätten (5.), Gesundheit und Dopingprävention (6.) und Verbandsentwicklung (7.).

Der III. Teil im zweiten Berichtsband besteht aus insgesamt sechs unterschiedlichen Berichten zur Situation und zur Entwicklung spezieller Sportvereine, von denen die Fußballvereine den Anfang machen. Dazu wiederum gibt es zwei Beiträge (hier autorisiert von: Christoph Breuer und Svenja Feiler). Der erste beschreibt die Situation der Fußballvereine mit Stand 2013/2014, der zweite geht auf die jüngere Entwicklung im Befragungszeitraum 2015/2016 ein. Dies geschieht jeweils nach einem wiederkehrenden Muster: Nach einer kurzen Zusammenfassung (1.) folgen Hinweise zur Methode (2.), sodann wird die Bedeutung der Fußballvereine in Deutschland (3.) hervorgehoben, ferner werden die Ressourcensituation (4.) und der Unterstützungsbedarf (5.) dargestellt. Es folgt zum Schluss die Auswertung von Zusatzfragen für Fußballvereine (6.).

Ein Blick in die präsentierten Ergebnisse über die Fußballvereine in Deutschland 2015/2016 verrät u.a., dass unter den möglichen Vereinszielen in den Fußballvereinen die Werte Fair Play und Toleranz zu vermitteln als besonders wichtig erachtet werden. Gleichsam legen Fußballvereine Wert darauf, allen Interessierten ein finanziell erschwingliches Sportangebot zu unterbreiten: Die Hälfte aller reinen Fußballvereine in Deutschland verlangt einen monatlichen Mitgliedsbeitrag für Kinder von maximal 2,50 Euro, für Jugendliche 3,00 Euro und für Erwachsene maximal 6,00 Euro. Die existenziellen Probleme der Fußballvereine fokussieren sich auf die Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträgern – sei es als Schiedsrichter, Trainer und Übungsleiter. Und noch ein anderes Ergebnis ist für die Fußballvereine von großer Bedeutung: In der Saison 2015/2016 haben rund 17 Prozent der Vereine (das sind rund 4400) mit einer ersten Herren-Mannschaft an offiziellen Futsal-Wettbewerben teilgenommen, bei den Damen waren es 5,5 Prozent.

Literatur und Hinweise zum Sportentwicklungsbericht 2015/2016:

Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band I: Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.

Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band II: Weiterführende Strukturanalysen. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.

Weitere Informationen zum Thema Sportentwicklungsbericht mit Downloadmöglichkeiten sind auf der Homepage des DOSB unter www.dosb.de/seb  abrufbar.

Für weitere Auskünfte steht Christian Siegel (siegel(at)dosb.de) im DOSB zur Verfügung.

(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

 
 

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