Mehr Schwung für den Klimaschutz

Wissenschaftler*innen bestätigen, dass die jetzigen Maßnahmen zum Klimaschutz nicht ausreichen. Doch noch kann das Klimaziel erreicht werden, meint Autor Dr. Markus Große Ophoff

Fridays for Future Labyrinth auf einem Feld in Nordrhein-Westfalen. Foto: picture-alliance
Fridays for Future Labyrinth auf einem Feld in Nordrhein-Westfalen. Foto: picture-alliance

Der durch den Menschen verursachte Klimawandel wird zunehmend spürbar. Aktuell beträgt die globale Erwärmung rund 1° Celsius im Vergleich zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dies führt dazu, dass wir aktuell mehr und stärkere Extremwetterereignisse spüren und auch Veränderungen im Erdsystem nachgewiesen sind. Dazu gehören beispielsweise der Rückgang des arktischen Eises und die weltweite Bleiche der Korallenriffe.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch der Bevölkerung in Deutschland bewusst. Aktuell wünschen sich 74 Prozent der Menschen mehr Einsatz für den Klimaschutz. 22 Prozent halten das aktuelle Engagement für ausreichend und nur drei Prozent meinen, dass weniger getan werden sollte. Der Rückhalt für den Klimaschutz in der Gesellschaft ist also groß. Die Schüler der Initiative Fridays for Future haben durch ihr Engagement dazu beigetragen, dass das Thema Klimaschutz nun wieder mit hoher Priorität auf der politischen Agenda steht.

Im Jahr 2015 wurde das Klimaabkommen von Paris beschlossen. Darin verpflichtet sich die Weltgemeinschaft, die Erderwärmung auf deutlich unter 2° Celsius, möglichst sogar auf 1,5° Celsius zu beschränken. Der Grund für diese planetare Leitplanke liegt in selbstverstärkenden Effekten, die oberhalb dieses Wertes einsetzen und den Klimawandel weiter intensivieren würden. Beispiele dafür sind eine eisfreie Arktis und der Permafrost: Die im Vergleich zum Eis dunkle Wasseroberfläche führt zu einer verstärkten Aufnahme von Sonnenenergie. Durch das Auftauen von Permafrostböden wird klimaschädliches Methan freigesetzt.

Fridays for Future beruft sich auf diese wissenschaftlichen Erkenntnisse und fordert die Politik dazu auf, die von ihr selbst formulierten Ziele einzuhalten. Im Abkommen von Paris ist vorgesehen, dass jedes Land eigenverantwortlich seinen Beitrag definiert, um die Erderwärmung deutlich unter 2°C Celsius zu halten. Dies wurde im November 2016 durch die Bundesregierung umgesetzt, indem sie den Klimaschutzplan 2050 verabschiedete. Damit war Deutschland eines der ersten Länder, die die im Pariser Abkommen geforderte Langfriststrategie für den Klimaschutz erstellt und bei der UN vorgelegt haben. Deutschlands Ziel ist es dabei, bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden.

Der Weltklimarat stellt in seinem aktuellen Bericht dar, dass das 1,5°-Celsius-Ziel noch erreichbar ist. Nötig dafür seien „schnelle und drastische Maßnahmen“. Der Bericht zeigt, dass die Folgekosten mit jedem Zehntel Grad Temperatursteigerung deutlich steigen. Im Weltklimarat werden die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse weltweit zusammengefasst. Dort ist ein breiter wissenschaftlicher Konsens formuliert. Die Initiative Scientists for Future, die von mehr als 26.800 Wissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum unterzeichnet wurde, unterstützt diese wissenschaftlichen Erkenntnisse und ruft zu schnellem Handeln auf: „Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei Weitem nicht aus.“

Einer der prominentesten Unterstützer der Initiative ist Dr. Eckhart von Hirschhausen. Er argumentiert: Klimaschutz ist aktive Gesundheitspflege. Wer weniger Fleisch isst, tut etwas für das Klima und seine Gesundheit. Wer das Auto stehen lässt und per Rad zur Arbeit fährt, tut primär nicht nur der Umwelt, sondern sich selbst einen Gefallen. Autofahren ist Stress, Radfahren gut für Seele und Körper. Man braucht kein Wissenschaftler zu sein, um zu verstehen: Ich atme immer noch lieber die Abgase von zehn Radfahrern ein als die von einem Auto.

(Autor: Prof. Dr. Markus Große Ophoff, Fachlicher Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und Unterzeichner des Aufrufs „Scientists for Future“. Sein Beitrag erschien zunächst als Kommentar in der neuen Ausgabe des DOSB-Informationsdienstes „Sport schützt Umwelt“.)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Fridays for Future Labyrinth auf einem Feld in Nordrhein-Westfalen. Foto: picture-alliance
    Ein Labyrinth auf einem Maisfeld zeigt den Schriftzug „Fridays for Future“. Foto: picture-alliance

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