Sportunterricht und Bewegungsangebote sind unerlässlich

Wenn Sport im Verein wieder möglich ist, dann sollte auch der Schulsport und der Sportunterricht schrittweise wieder stattfinden können.

Bei der Wiederaufnahme des Schulsports sind kreative Ideen gefragt. Foto: LSB NRW
Bei der Wiederaufnahme des Schulsports sind kreative Ideen gefragt. Foto: LSB NRW

Die Corona-Zeit beeinflusst weiterhin unsere Sportlandschaft massiv. Auch wenn in den vergangenen Tagen sehr positive Entscheidungen für den Wiedereinstieg in das vereinsbasierte Sporttreiben getroffen wurden, so tut sich das formale Bildungssystem überwiegend schwer, den Schulsport respektive den Sportunterricht im Rahmen der sukzessiven Öffnung der Schulen ausreichend zu berücksichtigen. Dies ist höchst alarmierend und ein Zustand, der sich dringend ändern muss.

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrem „Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht an Schulen“ zum Unterrichtsfach Sport formuliert: „Praktischer Sportunterricht sollte nur und insoweit stattfinden, als die Einhaltung von Hygienevorschriften vor Ort sichergestellt werden kann. Alternative Bewegungsangebote sind gewünscht.“ Dass diese Empfehlung leider zu kurz greift, zeigt ein Blick in die Landesverordnungen. Nüchtern betrachtet muss man dort größtenteils feststellen, dass das Unterrichtsfach Sport bis zu den Sommerferien vom Stundenplan gestrichen ist.

Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung im DOSB, stellt hierzu fest: „Gerade für unsere Kinder und Jugendlichen waren die letzten Wochen dramatisch. Sie wurden nicht nur in ihrem natürlichen Drang nach Bewegung stark eingeschränkt, sondern mussten immer wieder hören, was sie alles nicht dürfen: Keine Kita, keine Schule, kein Training im Verein, kein Spielplatz, kein Schwimmbad und sogar Freunde zum gemeinsamen Toben und Spielen durften nicht getroffen werden. Es ist daher unerlässlich, dass auch der Sportunterricht und ausreichende Bewegungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen wieder stattfinden.“

Der DOSB hat 10 Leitplanken für den Wiedereinstieg des Vereinssports auf den Weg gebracht. Diese sind mit den bundesweiten staatlichen Vorgaben synchronisiert. Damit ist eine gute Grundlage geschaffen, wie es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Hygienevorschriften gehen kann, ausreichende Bewegungsangebote durchzuführen. Weitere Leitplanken zur Nutzung von Sport- und Turnhallen sowie zum Wettkampfbetrieb werden folgen. Die vorgelegten sportartspezifischen Übergangsregeln der Spitzensportverbände ergänzen den Rahmen. Die Empfehlungen lassen sich nahezu 1:1 auch auf den Schulsport und Sportunterricht übertragen. Wenn Sport im Verein wieder möglich ist, dann sollte auch der Schulsport und der Sportunterricht schrittweise wieder stattfinden können.

Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) hat in seinem Positionspapier zum „Sportunterricht in Zeiten von Corona“ Ideen aufgezählt, wie dies im Freien auf dem Sportplatz, der Laufbahn im Park, auf dem Schulhof und weiteren Bewegungsräumen aussehen könnte. Laufen, Springen, Werfen, Leichtathletik, der Erwerb des Sportabzeichens, aber auch Badminton, Speedminton, Inlineskaten, Radfahren und kontaktlose Spiele ohne Partner und Gegnereinwirkung etc. sind dort genannt. Ergänzend könnten „kleine Aufgaben für zu Hause oder für die Freizeit eine Perspektive für Bewegung im Alltag eröffnen und Reflexionsprozesse bieten“, so der DSLV.

Weitere Lichtblicke in diese Richtung geben die vorhandenen Maßnahmen aus der Praxis, die zeigen, dass mit Engagement, Mut und Kreativität doch vieles bewegt gestaltet werden kann. Dies betrifft z. B. digitale Angebote, wie ALBAs tägliche Sportstunde oder das Programm „Mach mit – bleib fit!“ der Kultusbehörde Baden-Württemberg, aber auch bereits direkte Präsenzangebote in den Schulen. So hat z.B. die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zusammen mit dem Landessportbund verabredet, dass bereits der Sport in den Pausen und der Mittagszeit von Berliner Vereinen aus dem gemeinsamen Programm “Schule und Sportverein” durchgeführt werden.

Sicherlich ist es ein ganz schmaler Grat und noch ein langer Weg, wie der schrittweise Wiedereinstieg zurück in die Normalität und damit zum Regelbetrieb in den nächsten Wochen und Monaten gelingen kann. Sportunterricht und Bewegungsangebote kategorisch auszuschließen, ist dabei allerdings keine geeignete Strategie. Die genannten Beispiele sollten Vorbild und Ansporn genug sein, alles dafür zu tun, dass unsere Kinder und Jugendlichen in ihrem Lieblingsfach wieder unterrichtet werden. Die Kultusbehörden sowie die Schulen sind jetzt gefordert, entsprechende Maßnahmen flächendeckend umzusetzen sowie die Vorbereitungen für ein sportliches Schuljahr 2020/2021 zu schaffen.

(Autor: Boris Rump, Referent Bildung und Engagement im DOSB)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Bei der Wiederaufnahme des Schulsports sind kreative Ideen gefragt. Foto: LSB NRW
    Hindernisparcour mit Kindern in einem Gang Foto: LSB NRW

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