Zur Situation der Sportvereine in Deutschland (Teil 2)

Diese achtteilige Serie informiert über das Wichtigste aus dem Sportentwicklungsbericht "Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland".

 

Vor rund einen halbem Jahr ist der Sportentwicklungsbericht in Buchform erschienen. In den kommenden Wochen werden wichtige Inhalte des knapp 700 Seiten umfassenden Werkes aus der „roten“ Reihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft vorgestellt. 

In der dreiseitigen Zusammenfassung vorn im Buch werden die wichtigsten Befunde in insgesamt elf Punkten dargeboten. Wichtigstes Ergebnis dabei: Ohne die Sportvereine wäre eine adäquate Sportversorgung in unserem Lande kaum denkbar: „Die Sportvereine in Deutschland leisten einen bemerkenswerten Beitrag zum Gemeinwohl“. So lautet jedenfalls gleich der erste Satz im ersten Abschnitt, womöglich kann genau dieser Satz auch als das umfassende Fazit der gesamten Untersuchung gelten. 

Die Gemeinwohlfunktion wird nach den Aussagen der Kölner Sportwissenschaftler u. a. dadurch bekräftigt, dass die Sportvereine in Deutschland einen großen Anteil an der Sportstätteninfrastruktur selbst bereitstellen, wodurch häufig wohnortnahe sportliche Aktivitäten überhaupt erst ermöglicht werden. In konkreten Zahlen bedeutet das: 8.100 Sportvereine besitzen eigene Turn- und Sporthallen, 10.200 Vereine eigene Sportplätze für Fußball bzw. Hockey, 10.100 Vereine haben eigene Tennisplätze. Mehr als 31.000 Vereine bewirtschaften ein eigenes Vereinsheim. Was die Flächen selbst anbelangt, handelt es sich um knapp 18.000 Sportplätze, 49.000 Tennisplätze und 38.400 weitere Sportanlagen. Und was die „Besitztümer“ angeht, ist ein deutliches Nord-Süd- sowie ein Ost-Süd-Gefälle auffällig. 

Ferner kann man aus den Daten des Sportentwicklungsberichtes ablesen, dass 68% alle deutschen Sportvereine (knapp 61.000) kommunale Sportanlagen nutzen. Lediglich für 28% dieser Vereine erfolgt die Nutzung derzeit (noch) kostenfrei bzw. ist für sie die Nutzung nicht an Gegenleistungen (z.B. Schlüsselgewalt) gebunden. Nutzungsgebühren zahlen dagegen 48% der Sportvereine. Die Autoren der Studie formulieren speziell dazu eine wichtige Handlungsempfehlung für Staat und Politik mit folgendem Wortlaut: „Ohne diese Förderung würden die meisten Sportvereine nicht überleben, und Sport fände mit deutlich geringeren Gemeinwohleffekten weniger und in anderen institutionellen Arrangements statt.“ 

Der hohe Gemeinwohlcharakter des vereinsorganisierten Sports in Deutschland spiegelt sich auch darin wider, dass die Sportvereine selbst etliche Kooperationen mit anderen Partnern des Gemeinwohls eingehen. Zwei Drittel der Sportvereine kooperieren beispielsweise mit einer Schule, ein Viertel erstellt sogar gemeinsame Angebote mit Schulen. Weitere Kooperationspartner sind: Kindergärten, Krankenkassen und Jugendämter. Nach den Ergebnissen des Sportentwicklungsberichtes kommt es bundesweit auf diese Weise zu knapp 44.000 gemeinsamen Sportangeboten. 

Christoph Breuer (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2005/2006. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. (Köln: Sportverlag Strauß 2007. Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft 2007/02. 694 S.; 46 Euro)



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