DOSB-Präsidium tagt in Lausanne

Das neue Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes setzt seine internationale sportpolitische Netzwerkarbeit fort.

DOSB-Präsidium und Vorstand mit IOC-Präsident Thomas Bach. Foto: IOC/Christophe Moratal
DOSB-Präsidium und Vorstand mit IOC-Präsident Thomas Bach. Foto: IOC/Christophe Moratal

Internationales Netzwerk stärken 

Nach guten Gesprächen mit den Nationalen Olympischen Komitees und Weltverbänden während der Olympischen Winterspiele Peking 2022 hat das neue Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes seine internationale sportpolitische Netzwerkarbeit fortgesetzt. Auf Einladung des IOC und seines Präsidenten Thomas Bach tagten Präsidium und Vorstand des DOSB am 24. und 25. April am Sitz des IOC in Lausanne.

DOSB-Präsident Thomas Weikert begrüßte die Einladung und das persönliche Treffen mit Thomas Bach, der dem DOSB-Präsidium angehört, diese Mitgliedschaft aber ruhen lässt: „Als Dachverband des deutschen Sports ist es uns wichtig, auch international präsent zu sein und unsere Stimme einzubringen. Die einhellige Rückmeldung unserer Gesprächspartner*innen war, dass sie sich freuen, wenn der deutsche Sport zukünftig wieder eine stärkere Rolle einnimmt.“

Unterstützung für ukrainische Sportler*innen

IOC und DOSB tauschten sich über die Hilfen aus, die ukrainische Athlet*innen dabei unterstützen, ihre Sportarten auch als Geflüchtete weiter betreiben zu können. 

IOC-Präsident Thomas Bach und DOSB-Präsident Thomas Weikert appellierten in diesem Zusammenhang an die Sportverbände, alles zu tun, um Geflüchteten einen flexiblen und pragmatischen Zugang zu Training und vor allem auch zu internationalen Wettkämpfen zu ermöglichen. Besonderer Bedarf zeige sich auch im Bereich der mentalen Gesundheit. Athlet*innen seien durch Kriegsereignisse traumatisiert, aus gewohnten Zusammenhängen herausgerissen oder von Schuldgefühlen geplagt, weil sie in Sicherheit seien, während Freunde oder Verwandte in der Heimat in ständiger Gefahr lebten. Die psychologische Betreuung der ukrainischen Athlet*innen, die an den deutschen Bundesstützpunkten trainieren und leben, ist als wichtige Aufgabe an den Olympiastützpunkten erkannt. Sie berücksichtigt auch die Prävention im Umgang mit Medien, Einbindung in eine soziale Gemeinschaft, Gestaltung von neuen Tagesabläufen, Angebote von Gesprächsrunden und Sichtbarmachung von Hilfsangeboten.

Das IOC hat einen Solidarfond für Athlet*innen aufgesetzt, der mittlerweile auf mehr als zwei Millionen Dollar angewachsen ist und in den auch die EOC und weitere Stakeholder der Olympischen Bewegung eingezahlt haben.

Die gemeinsame Initiative von DOSB, Stiftung Deutscher Sporthilfe und Landessportbünden zugunsten von in Deutschland Zuflucht suchenden Spitzensportler*innen aus der Ukraine entwickelt sich weiter: „Sportler*innen helfen Sportler*innen“ konnte mittlerweile rund 250.000 Euro an Spenden einwerben. Mit dem Geld werden Projekte für in Not geratene ukrainische Sportler*innen unmittelbar und unbürokratisch unterstützt. Etwa bei der Beschaffung von Ausrüstung, bei Trainingslageraufenthalten in Deutschland oder bei der Vermittlung von Trainer*innen.  

Der DOSB berichtete, dass mittlerweile 160 ukrainische Spitzensportler*innen an den deutschen Olympiastützpunkten mittrainieren. In Abstimmung mit dem BMI soll hier für einen möglichst unbürokratischen und zugleich fürsorglichen Umgang mit den Gastathlet*innen gesorgt werden. In diesem Zusammenhang soll auch Sorge dafür getragen werden, dass diesen ukrainischen Athlet*innen ihre Teilnahme an internationalen Wettbewerben ermöglicht wird. Der DOSB wird dafür werben, dies mit zusätzlichen Haushaltsmitteln abzusichern. 

Veränderter Vergabeprozess Olympischer & Paralympischer Spiele diskutiert

Das besondere Interesse von Präsidiumsmitgliedern und Vorständen galt außerdem dem veränderten Vergabeprozess von Olympischen und Paralympischen Spielen. DOSB-Präsident Thomas Weikert begrüßte den Reformprozess und sagte: „Interessierte Nationale Olympische Komitees haben es leichter, die Spielregeln sind flexibler und der Prozess ist stärker auf Dialog ausgerichtet. Der klarere Fokus auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist der richtige Schritt und auch die Aufnahme von Menschenrechtskriterien bei der Vergabe zukünftiger Spiele ist zeitgemäß und wichtig. Dass diese Veränderungen Wirkung zeigen, sieht man an den Ausrichtern: Paris 2024, Mailand/Cortina d’Ampezzo 2026, Los Angeles 2028 und Brisbane 2032. Ob Deutschland sich hier einreihen könnte, müssen wir gemeinsam diskutieren.“
Das IOC hat das Vergabeverfahren in einen Dialogprozess weiterentwickelt, der Interessenten einen unverbindlichen Einstieg ermöglicht, die Kosten einer konkreten Bewerbung deutlich reduziert und inhaltlich mehr Wert auf die Aspekte Nachhaltigkeit, Good Governance und Compliance legt.   

Auf nationaler Ebene, so Weikert, müssten jedoch eine ganze Reihe von Vorarbeiten geleistet werden, bevor man sich ernsthaft mit dem Thema einer erneuten Bewerbung befasse: „Zunächst einmal gilt es zu klären, was Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland bewirken sollen. Welche Perspektive wollen wir dem Sport, vor allem aber der Gesellschaft in Deutschland mit Spielen bieten, woraus können wir Inspiration schöpfen? Auf dieser Grundlage müssen wir im nächsten Schritt gesellschaftliche Akzeptanz schaffen, also Bürgerinnen und Bürger überzeugen. Denn nur mit einer breiten Unterstützung aus allen Bereichen ist es möglich, dem IOC ein überzeugendes Angebot zu machen.“

(Quelle: DOSB)


  • DOSB-Präsidium und Vorstand mit IOC-Präsident Thomas Bach. Foto: IOC/Christophe Moratal
    Gruppenfoto des DOSB-Präsidiums und Vorstands im Eingangsbereich der IOC Zentrale in Lausanne. In der Mitte des Fotos steht IOC-Präsident Thomas Bach neben einer Statue von Pierre de Coubertin.

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