6. Kongress „Bewegte Kindheit“ mit Schwerpunkt Bewegung und Sprachförderung

„Bildungsprozesse beginnen mit der Geburt. Da ist bereits das Tor zum Lernen geöffnet“, sagt Renate Zimmer, Professorin für Sozialpädagogik und Sportwissenschaften an der Universität Osnabrück.

Kinder brauchen Bewegung: rund 2.500 Teilnehmer informierten sich über neue Angebote. Copyright: picture-alliance
Kinder brauchen Bewegung: rund 2.500 Teilnehmer informierten sich über neue Angebote. Copyright: picture-alliance

Diese Erkenntnis und die daraus zu ziehenden Schlüsse und Handlungen standen im Mittelpunkt des von Professor Zimmer initiierten und geleiteten 6. Osnabrücker Kongresses „Bewegte Kindheit“, zu dem 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus pädagogischen und therapeutischen Berufen, darunter Übungsleiter und Übungsleiterinnen, Erzieherinnen und Erzieher aus Deutschland und aus dem Ausland, in die niedersächsische Universitätsstadt gekommen waren. Intensiv begleitet wurde dieser größte Kongress seiner Art in Deutschland von der Deutschen Sportjugend (dsj) und der Deutschen Turnerjugend. Der dsj-Vorsitzende Ingo Weiss: „Mit den Osnabrücker Kongressen zur frühkindlichen Bewegungs-erziehung werden Weichen für die Entwicklung von Bildungs- und Erziehungskonzepten gestellt. Auch die Sportorganisationen, so die Deutsche Sportjugend mit ihren 9,5 Millionen Mitgliedern, erhalten hier Impulse für ihre Arbeit und zur Entwicklung neuer Ideen.“

Drei Tage lang gestalteten 130 Referentinnen und Referenten den Kongress und boten mit Vorträgen, Seminaren, Workshops und Diskussionsforen ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten. In über 180 Einzelveranstaltungen wurden Möglichkeiten einer Entwicklungsförderung durch Wahrnehmung und Bewegung vorgestellt, neue Konzepte der Sprachförderung durch Bewegung erprobt und viele praktische Anregungen zur Gestaltung psychomotorischer Bewegungsangebote gegeben. Als ein Schatten lagen die schrecklichen Ereignisse des Amoklaufs von Winnenden über dem Kongress. Doch wurde dies als eine Herausforderung gewertet, noch mehr als bisher Sport und Bewegung zu nutzen, um Kindern und Jugendlichen Lebensinhalte, Zufriedenheit und Perspektiven auf zu zeigen und zu vermitteln. Renate Zimmer: „Es geht darum, Selbstwertgefühl bei jungen Menschen zu entwickeln und zu vermitteln, wie mit Niederlagen umzugehen ist.“ Und sie sagte bei der Kongresseröffnung: „Wir wollen etwas dazu beitragen, dass Kinder nicht in so ausweglose Situationen kommen, dass sie aus Hass andere töten.“

Verbindung von Sprache und Bewegung

Renate Zimmer stellte heraus, dass seit dem letzten Osnabrücker Kongress vor drei Jahren die frühkindliche Entwicklung eine ungeahnte öffentliche Aufmerksamkeit erlangt habe und Thema Nummer eins der Bildungspolitik geworden sei: „Frühkindliche Bildung wird bundesweit inzwischen nicht nur als Betreuungsaufgabe, sondern vor allem auch als Bildungschance für alle Kinder gesehen.“ In Niedersachsen wurde aus diesem Grund das Institut für frühkindliche Erziehung und Entwicklung (nifbe) gegründet, das seinen Sitz in Osnabrück hat und ebenfalls Kooperationspartner des Kongresses war.

Einen Schwerpunkt des Kongresses „Bewegte Kindheit“ bildete die Auseinandersetzung mit der Verbindung von Sprache und Bewegung. Erstmals wurden Studienergebnisse vorgestellt, die die Wirkungen einer bewegungsorientierten Sprachförderung von Kindern belegen. Renate Zimmer entführte in die Praxis: „Wenn wir eine Bank an der Reckstange einhängen und die Kinder rutschen lassen, dann gibt es die hohe Rutsche, die tiefe Rutsche, die Schnelle und die Langsame. Und das kann dann der Bummelzug sein oder der Schnellzug. Und bei den Übungen müssen Aktivität und Sprachausbildung parallel laufen. Die Kinder müssen ihre Bewegung verbal begleiten und erzielen schnell Fortschritte - dies ist besonders bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund erkennbar.“

Kerstin Schneider, Vorstandsmitglied der Deutschen Turnerjugend und von Beruf Kinderärztin, appellierte in Osnabrück dafür, dass Kinder von früh an ihr Recht auf Bewegung umsetzen müssen. Dabei müsse aber eine hohe Qualität gewährleistet sein. Kerstin Schneider bezeichnete die Deutsche Sportjugend als den „Anwalt“ und die Turnerjugend als „den Trainer“: „Wir wissen, wie es geht. Kinder in Bewegung bringen - das ist eines der wichtigsten Anliegen des Deutschen Turner-Bundes.“ Der dsj-Vorsitzende Ingo Weiss wünscht sich, „dass nach dem 6. Osnabrücker Kongress ‚Bewegte Kindheit’ Fachleute aus dem Bereich der Bewegungswelt in die Vereine, Kindertagesstätten und Schulen gehen, um weiterhin mit neuen Erkenntnissen die wichtige aufsuchende Präventionsarbeit zu leisten“.


  • Kinder brauchen Bewegung: rund 2.500 Teilnehmer informierten sich über neue Angebote. Copyright: picture-alliance
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