Aktivität und Bewegung beugen Demenzerkrankungen vor

Der Landessportbund Hessen und das Diakonisches Werk veranstalteten eine Fachtagung zum Welt-Alzheimertag.

Bewegung im Alter kann auch vor Demenz schützen. Foto: picture-alliance
Bewegung im Alter kann auch vor Demenz schützen. Foto: picture-alliance

Schon jetzt herrscht Notstand in der Pflege. Schuld daran sind unsere auf den Kopf gestellte Alterspyramide und die größere Lebenserwartung. „Jeder Zweite wird dement werden, denn wir werden alle 85 oder älter“, sagte Wolf Dieter Oswald. Der Demenzforscher war Hauptredner bei einer von der Bildungsakademie des Landessportbundes Hessen und dem Diakonischen Werk in Hessen-Nassau aus Anlass des Welt-Alzheimertags am 21. September veranstalteten Tagung für Fachkräfte aus Sportvereinen und Pflegeeinrichtungen. Der Wissenschaftler schlussfolgerte: „Es gibt niemanden mehr, der uns pflegen wird. Schon jetzt haben wir ja größte Schwierigkeiten, Pflegepersonal zu bekommen.“

Eine Herausforderung – auch und gerade für den Sport. Denn Studien belegen: Aktivität und Bewegung scheinen Demenzerkrankungen wie Alzheimer vorzubeugen. Eine Langzeitstudie aus den USA, die über zweitausend 71- bis 93-Jährige untersuchte, wies 2004 nach: Männer, die täglich weniger als 400 Meter laufen, haben gegenüber Männern, die täglich mehr als 3,2 Kilometer laufen, ein 1,8-mal so hohes Alzheimer-Risiko.

Professor Oswald, Gründungsdirektor des Instituts für Psychogerontologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat festgestellt: „Bewegung im Kopf und Bewegung in den Beinen, die Kombination macht’s.“ Im besten Fall könne der Sport helfen, ein volkswirtschaftliches Wunder zu bewirken. Oswald rechnet vor: „Wenn der Eintritt ins Pflegeheim generell nur um einen Monat verschoben werden kann, bedeutet das ein Sparpotenzial von 1,21 Milliarden Euro.“

Die Organisatoren hatten auch Praktiker in die Sportschule des Landessportbundes eingeladen, wie Hartmut Schilling von der Alzheimergesellschaft Minden-Lübbecke. Der Sozialarbeiter ruft ehrenamtlich Sportangebote für demente Menschen ins Leben. Inzwischen hat er schon 135 Veranstaltungen durchgeführt, drei Sportvereine sind beteiligt, sechs Übungsleiter engagieren sich. Die Betreuung ist intensiv: Ein Übungsleiter und ein Sportbegleiter kommen auf die sechs Teilnehmer pro Gruppe. Schilling organisiert Radtouren, Kanufahrten oder Handballspiele und stellt nach zwei Jahren fest: „Jede Stunde ist ein Abenteuer.“ Übungsleiter müssten flexibel sein – so wie die Tagesform der Teilnehmer. Natürlich wird Schilling nach der Finanzierung gefragt. „Weitgehend Spenden-, Förder- und Preisgelder.“ Eine Abrechnung mit Pflegekassen sei zwar möglich, aber auf ehrenamtlicher Basis nicht zu leisten.

Dass beim Thema Sport und Demenz erst einmal Übungsleiter qualifiziert werden müssen, ist in Hessen im Landessportbund und Diakonischen Werk erkannt worden. In einem Gemeinschaftsprojekt werden Übungsleiter wie Pflegepersonal zusätzlich qualifiziert, Trainingsangebote für früh erkrankte Menschen sollen geschaffen und Sportvereine mit Pflegeeinrichtungen verknüpft werden. Das Interesse ist groß: Bisher wurden 80 Fachkräfte aus Sport und Pflege ausgebildet, auf der Warteliste stehen 100 Interessierte.

(Quelle: Oliver Kauer-Berk)


  • Bewegung im Alter kann auch vor Demenz schützen. Foto: picture-alliance
    Bewegung im Alter kann auch vor Demenz schützen. Foto: picture-alliance

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