Aufbruchstimmung und Rückenwind bei der Bundeskonferenz Breitensport

Rekordteilnahme, Aufbruchstimmung, Rückenwind, Sportverein als die Schule für Demokratie - das waren die Schlagworte der ersten Bundeskonferenz Breitensport und Sportentwicklung unter dem Dach des DOSB in Erfurt.

DOSB-Vizepräsident für Breitensport & Sportentwicklung Walter Schneeloch zeigte Perspektiven auf
DOSB-Vizepräsident für Breitensport & Sportentwicklung Walter Schneeloch zeigte Perspektiven auf

DOSB-Präsident unterstreicht Bedeutung des Breitensports

Und es blieb nicht allein bei Schlagworten, denn die Inhalte wurden dem Leitthema „Perspektiven 2010“ auch gerecht. Die mehr als 150 hauptamtlichen und ehrenamtlichen Experten aus den Mitgliedsverbänden des DOSB setzten sich bei ihrer zweitägigen Tagung mit Themen wie „Mitgliederentwicklung im Sportverein - zukünftig nur noch die Alten?“, „Integrationsmotor Sportverein? - Herausforderung und Chance für die Vereinsentwicklung“ oder „Thema Finanzen: Bedrohungsszenarien und Lösungsstrategien“ auseinander und behandelten dabei genau die Inhalte, die DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach wenige Stunden nach seiner Wahl in der Frankfurter Paulskirche am 20. Mai diesen Jahres in seiner zukunftsweisenden programmatischen Rede als unter den Nägeln brennend angesprochen hatte. Und Bach war es auch, der seinem Vizepräsidenten Breitensport und Sportentwicklung, Walter Schneeloch, in  der thüringischen Landeshauptstadt zu der Rekordteilnahme bei der jährlichen Tagung gratulierte und ein klares Bekenntnis für die Bedeutung des Breitensports ablegte: „Ich unterstreiche bei dieser ersten Bundeskonferenz Breitensport und Sportentwicklung bewusst noch einmal die Bedeutung des Breitensports, der in unseren 90.000 Vereinen die Basis unseres sportlichen Tuns darstellt.“ 

 

Bach bezeichnete den organisierten Sport als eine Millionenbewegung, die sich längst schon als gesellschaftliches Schwergewicht etabliert habe und sagte: „Unsere traditionelle und selbst gewählte Aufgabe ist und bleibt, der Breite wie der Spitze die gleichgewichtige Aufmerksamkeit zu widmen.“ Der DOSB-Präsident hob die integrative Kraft des Sports und die Bedeutung des Ehrenamtes hervor, gab einen Überblick über die bisherige Arbeit des Präsidiums des neuen Dachverbandes und appellierte an die Delegierten, weiter mitzumachen - „heute in Erfurt, am 9. Dezember bei unserer Mitgliederversammlung in Weimar und am besten jeden Tag in ihrem Verein“. Das lohne sich auf jeden Fall, denn „der Sport ist ein gesellschaftlicher Wert mit einem enormen Potenzial, das längst noch nicht ausgeschöpft ist.“ 

 

Generaldirektor Vesper will  neuen DOSB auch in die Herzen bringen

Bestätigung erhielt Bach auch durch die Grußwortredner. Die Präsidentin des Thüringer Landtags, Prof. Dagmar Schipanski, hob hervor, dass der Sport eine Funktion erfülle, die weit über die persönliche Fitness hinausgehe und Werte wie „Außer gewinnen wollen auch das Verlieren können“ vermittele. Der Präsident des gastgebenden Landessportbundes Thüringen, Peter Gösel, verwies auf die großen Erfolge der Thüringer Topsportler bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften und die vielen Aktivitäten des Breitensports in seinem Land. Der neue Generaldirektor des DOSB, Dr. Michael Vesper, der sich der Bundeskonferenz vorstellte, bezeichnete sich als einen „glaubwürdigen Breitensportler“ und nannte als vorrangiges Ziel, die alten Kürzel DSB und NOK vergessen zu lassen und den neuen DOSB auch in die Herzen zu bringen.

 

DOSB-Vizepräsident Schneeloch fordert mehr Engagement im Bereich Gesundheit

Perspektiven des Breitensports und der Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund zeigte Vizepräsident Walter Schneeloch auf und sprach von Chancen und Risiken für die Zukunft einer Dachorganisation, die einerseits auf eine erfolgreiche Entwicklung von einem kompakten Verbandssystem mit dem Schwerpunkt „Wettkampfsport für Jüngere“ zu einer Institutionengruppe für „Sport für alle“ zurückblicken könne, nun aber über den Finanzierungsdruck hinaus mit veränderten Erwartungshaltungen und Sportmotiven konfrontiert sei. Schneeloch forderte, dass sich der DOSB im Bereich Gesundheit noch stärker politisch positionieren sollte. Er begrüßt, dass seit kurzem in Hessen im Rahmen von Modellprojekten ärztliche Rezepte auf Bewegung ausgestellt werden. Der DOSB-Vize prognostiziert, dass den Vereinen künftig eine noch größere Bedeutung als soziale Begegnungsstätte zukommen wird und sieht die Notwendigkeit, die Themen „Familie und Sport“ und „Generationenübergreifende Angebote“ wieder verstärkt aufzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu konzipieren.

 

Schneeloch: "Leistungsspektrum noch stärker als bisher herausstellen" 

Klar Stellung bezog Schneeloch zu zwei zuletzt diskutierten Punkten: „Uns bläst gelegentlich der Wind ins Gesicht, zum Beispiel dann, wenn in der mittlerweile sehr komplexen gesundheitspolitischen Debatte die Ausgliederung der Sportunfälle aus der gesetzlichen Krankenversicherung oder an andere Stelle in Berlin die Streichung der Gemeinnützigkeit gefordert werden. Diese Positionen sind angesichts der vielfältigen Beiträge des Sports zum Gemeinwohl geradezu abstrus.“ Schneelochs Ausblick: „Wir müssen unser Leistungsspektrum noch stärker als bisher in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik herausstellen. Wir müssen noch politischer werden.“ Eine kompetente Professorenriege und weitere Experten halfen in Erfurt mit, die „Perspektiven 2010“ zu erarbeiten. Prof. Dr. Sebastian Braun (Paderborn) bezeichnete den Verein als eine „Institution lebenslangen Lernens“ und verkündete als Ergebnis einer Untersuchung: „Bisher haben wir immer nur behauptet, dass der Sportverein eine ideale Stätte der gesellschaftlichen Integration ist. Nach unserer Untersuchung können wir aber beweisen, dass es wirklich so ist.“ Braun sagt, dass Menschen im Verein Dinge lernen, die sie später in vielen anderen Bereichen ihres Lebens erfolgreich anwenden - der Verein also als „Schule der Demokratie“. Dies griff auch der neue DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper in Erfurt auf: „Wir müssen die Vereine noch stärker als Integrationsmaschinen begreifen.“

 

Die Bundeskonferenz Breitensport und Entwicklung in Erfurt war - so Präsident Dr. Thomas Bach - eine wichtige Station auf dem Weg zur Mitgliederversammlung am 9. Dezember in Weimar. Sie war aber darüber hinaus auch eine hoffnungsvolle Informations- und Ideenbörse für einen wichtigen Bereich des Sports, der sich immer mehr aus dem Schatten des medienträchtigen Spitzensports herausschält und seine angemessene Position findet.


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