Auftakt zum UNO-Jahr des Sports in Bad Boll: Wir müssen Brücken bauen - aber wie?

Bad Boll hinterließ einmal mehr einen nachhaltigen Eindruck und bildet einen guten Auftakt für den Deutschen Sportbund zum internationalen UNO-Jahr des Sports. Das Internationale Forum „Sport und Entwicklung – Ökonomie, Kultur, Ethik" bildete keine Ausnahme in der guten Tradition von Bad Boll.

Wenn sich Sportwissenschaftler aus aller Welt, Praktiker und Theoretiker mit dem UNO-Jahr des Sports beschäftigen, sind einfache Fragen und Antworten die Ausnahme.

 

„Wir verfügen über einen Reichtum an Überlegungen und Projekten", so die Bilanz von Professor Gudrun Doll-Tepper. Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE) hatte das dicht gedrängte Programm mit Volker Steinbrecher, dem Studienleiter an der Evangelischen Akademie, zusammengestellt. Die von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee unterstützte zweitägige Veranstaltung bot dabei einmal renommierten Sport-Wissenschaftlern aus Brasilien, China, Kanada, Belgien oder Großbritannien die Chance, ihre Beobachtungen zu Entwicklungen des Sports und der Leibeserziehung darzustellen.

 

So warnte etwa Professor Roland Renson von der Katholischen Universität Leuven in Belgien vor den Folgen der Globalisierung. „Dieser Prozess kann zu einer Verarmung führen. Wir müssen uns auch um den Schutz der Vielfalt kümmern", so eine seiner Forderungen. Renson wünschte sich eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein gesunder Mittelweg zwischen globalen und lokalen Entwicklungen aussehen könnte. Die Chancen der Globalisierung allerdings sah auch er: Der Sport könne der nationalen Identität und Integration dienen, was zum Beispiel Kathy Freeman bei den Olympischen Spielen 2000 gezeigt habe. Eine weltweite Bewegungskultur sei außerdem geeignet, einen Beitrag zu Hygiene und Gesundheit zu leisten.

 

Professor Helmut Digel, der Vizepräsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, betonte, die großen Sportorganisationen wie IOC oder FIFA seien nur „bedingt einfühlsam für Probleme unterentwickelter Gesellschaften. Gesundheit und Erziehung werden hier nicht gefördert." Was das deutsche Engagement betrifft, kritisierte er: „Es gab schon bessere Zeiten." Seit Erhard Eppler habe kein Entwicklungsminister die Chancen des Sports gesehen und Ausbildungsprogramme in Indonesien oder Straßenprojekte in Kolumbien gefördert. „30 Jahre nach Eppler ist davon nichts übrig geblieben". Immerhin könnten jetzt die Vereinten Nationen wegen ihrer Bedeutung in den ärmeren Staaten wertvolle Impulse geben.

 

Auf Anstöße durch das UN-Jahr des Sports und der Leibeserziehung hoffte auch einer der wenigen Politiker, die in Bad Boll dabei waren. Reinhold Hemker (SPD) gehörte zu denen, die ihre internationalen Sportentwicklungsprojekte vorstellten. Seit Jahren engagiert sich der Bundestagsabgeordnete in Namibia. Von ihm betreute Studenten der Universität Münster renovierten zunächst 2004 die marode Otjituuo Primary School im Nordosten des Landes.

 

Sport als Entwicklungs- und Gesundheitspolitik

 

Bei einem zweiten Aufenthalt sollen jetzt die Möglichkeiten verbessert werden, Sport zu treiben. Der Gesundheitszustand vieler Schülerinnen und Schüler sei nicht robust, berichteten zwei Teilnehmer, die ihre Reise durch Zuschüsse und erhebliche Eigenmittel finanzierten. Der Sport könne dazu beitragen, die Abwehrkräfte zu stärken. „Wir brauchen dort keine Kirchen oder Kirchenglocken", so die Einschätzung Hemkers, der von Haus aus Pfarrer ist. „Die Kinder liegen dort auf der Erde, es gibt keine Fenster." Ihnen ganz praktisch zu helfen und Perspektiven zu bieten, sei dringendes Gebot.

 

Der Dialog über die Möglichkeiten „sportlicher" Entwicklungsarbeit müsse fortgesetzt werden. Das war ein Fazit der Tage von Bad Boll. Dass sich die Vereinten Nationen mit dem Thema Sport und seinen Einflüssen auf Gesundheit, Bildung, Entwicklung und Frieden beschäftigen, sei eine Riesenchance. „Das werden wir wahrscheinlich nicht noch einmal erleben," meinte Professor Gudrun Doll-Tepper. „Diese Chance müssen wir nutzen." DSB-General-sekretär Dr. Andreas Eichler versprach Unterstützung und mahnte eine schnelle Umsetzung der geplanten Projekte an.


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