Aus der gerissenen Rolle zur Bronzemedaille

Segelkunstflieger Eugen Schaal landet im verkürzten World-Games-Wettkampf auf Rang drei.

Eugen Schaal zauberte Kunstwerke in die Luft
Eugen Schaal zauberte Kunstwerke in die Luft

Der Mann lässt sich bei seiner Arbeit gerne über die Schulter gucken. Per Video lädt er dazu ein, seine Achterbahnfahrten im Segelflugzeug zu verfolgen. Schon das ist nichts für empfindliche Mägen. Wenn Eugen Schaal am Steuerknüppel zieht oder drückt, dann dreht sich der Horizont auf spektakuläre Weise.

Sturzflug, Looping, Rückenflug, Rolle – der 49-Jährige kann mit seinem antriebslosen Gefährt Kunststücke fliegen, dass der Atem stockt. So ist er zweimal Weltmeister geworden, und so hat er in Breslau bei der World-Games-Premiere seiner Sportart Bronze gewonnen.

Die letzte Runde wurde vorsichtshalber abgesagt. Als am Sonntag der angekündigte Gewitterguss Breslau kurzzeitig unter Wasser setzte, war auch Schaals Flugzeug D-9630 längst sicher verstaut für den Weitertransport zur Weltmeisterschaft nächste Woche im polnischen Torun. Auch dass es Silber hätte werden können, war schon verdrängt. Ein kleiner Fehler hatte die bessere Platzierung verhindert. Um genau zu sein: „Bei Eugen hat leider die gerissene Rolle zu früh in der Avalanche eingehackt“, wie es im Expertinnen-Blog der Bundeskommission Segelflug im Deutschen Aero Club heißt.

Schwamm drüber. Eugen Schaal genoss nicht nur das Erfolgserlebnis Medaille, sondern gemeinsam mit dem zweiten deutschen Piloten Eberhard Holl, der Elfter wurde, auch die Besonderheiten dieses Wettkampfes World Games. Sonst ist man unter sich bei den Segelfliegern. Auf dem Breslauer Flugplatz Szymanov dagegen gehörten auch „Canopy Piloting“-Springer und Paraglider zur großen Familie Air Sports.

Das war eine schöne neue Erfahrung, auch wenn man sich unter Fliegern und Springern gerne flachst. Zum Beispiel wenn die Fallschirmakrobaten wegen schlechten Wetters tun müssen, war sie höchst ungern tun – mit einem Flugzeug wieder landen. Während Segelpiloten nicht verstehen wollen, wie Schaal lachend erzählt, warum man unbedingt in der Luft ein heiles Flugzeug verlassen will.

Auch die beiden Fallschirmspringer Tobias Koch (Rang 14) und Markus Scheuermann (Rang 21) nahmen die Wetterkapriolen am Sonntag mit Humor. Scheuermann hatte tags zuvor seine letzte Disziplin „Distance“ zwar bei Sonnenschein beenden können. Dafür wehte die Springer, die ihre Runde erst am Sonntag absolvierten, ein kräftiger Rückenwind auf größere Weiten. Anderseits nahm Koch beim Sprung im „Freestyle“ so viel Schwung auf, dass er einen Bauchklatscher bei der Landung am Wasser nicht verhindern konnte.

All das hat auch dem Publikum Spaß gemacht, das nicht nur fachkundig war. Zur Belohnung gab’s zum Abschluss noch eine beeindruckende Parade der zwölf weltbesten Paraglieder. Die Air Sports haben die Gelegenheit World Games gut genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen.


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