Bach zieht Bilanz „herausragender Olympischer Spiele“

„Wir können stolz auf unsere Mannschaft sein und haben herausragende Olympische Spiele erlebt“, so die Bilanz von DOSB-Präsident Thomas Bach.

Bernhard Schwank, Thomas Bach und Michael Vesper (v.l.) ziehen eine positive Bilanz der Spiele von Vancouver. Copyright: picture-alliance
Bernhard Schwank, Thomas Bach und Michael Vesper (v.l.) ziehen eine positive Bilanz der Spiele von Vancouver. Copyright: picture-alliance

„Die Athleten waren nicht nur erfolgreich, sondern auch glanzvolle Botschafter unseres Landes und für unsere Bewerbung um die Olympischen Winterspiele und Paralympics 2018 in München.“

Die deutschen Wintersportler gehören weiterhin zur absoluten Weltspitze. Die Athletinnen und Athleten gewannen in Vancouver sogar eine Medaille mehr als vor vier Jahren in Turin. Mit insgesamt 10 Goldmedaillen, 14 Silbermedaillen und 7 Bronzemedaillen ging zwar der Spitzenplatz in der Medaillenwertung verloren, weil Kanada mehr Gold gewann (14/7/5). Doch auch Rang zwei vor den USA (9/15/13) nannte Chef de Mission Bernhard Schwank „ein fantastisches Ergebnis gegen eine viel stärkere Konkurrenz“ als vor vier Jahren. 29 Medaillen hatten die deutschen Teams 1998 in Nagano und 2006 in Turin gewonnen, 36 waren es beim bisher besten Olympiaauftritt 2002 in Salt Lake City.

Starke Frauen

Besonders stark trumpften in Vancouver die Frauen im deutschen Team auf. 19 der 30 Medaillen insgesamt, dabei acht der zehn goldenen gewannen sie. „Deutschland hat sich hier als Frauensportland präsentiert“, sagte Bach und forderte die Männer auf, bis zu den nächsten Winterspielen in Sotschi 2014 aufzuholen. „Ich hoffe“, sagte Bach, „dass die männliche Seite sich das zum Vorbild nimmt und Gleichberechtigung schafft.“

Schwank nannte einige Zahlen, die belegen könnten, dass die erfolgreiche Mannschaft von Vancouver auch schon wieder auf gutem Wege nach Sotschi ist. 17 von 38 deutschen Medaillengewinnern nahmen erstmals an Winterspielen teil. 60 Prozent aller Medaillengewinner waren schon als Junioren auf Weltniveau erfolgreich. Fast alle, nämlich 32, durchliefen eine der Eliteschulen des Sports und gehören einer der verschiedenen Fördertruppen von Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll an (29). Schwank lobte Trainer und Techniker, hob „taggenaue Planungen“ und „exzellente Sportgeräte“ hervor; Erfolge, zu denen auch das Institut für angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig und die Forschungs- und Entwicklungs-stelle Sportgeräte (FES) in Berlin wieder beigetragen hätten. Hinzu kommt, dass nur wenige der Spitzenathleten wie der viermalige Bob-Olympiasieger André Lange am Ende ihrer Laufbahn angelangt sind.

Allerdings zeigt die erste Analyse auch, dass sich in Zukunft große Aufgaben stellen. In 10 der  insgesamt 15 Disziplingruppen waren deutsche Athleten unter den ersten Drei: Ski alpin, Skilanglauf, Skispringen, Nordische Kombination, Biathlon, Bob, Rodeln, Skeleton, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf. Neben Curling und Eishockey gab es dagegen vor allem im Snowboard, Ski-Freestyle und Short Track keine Medaillen für Deutsche.

„Die Analyse hat schon begonnen, da brauchen wir ein Umdenken“, sagte DOSB-Präsident  Bach. Immerhin gibt es in in diesen modernen Disziplinen insgesamt 60 Medaillen zu gewinnen. Die deutsche Wintersport-Kultur ist aber eher klassisch und konservativ geprägt. „Es ist noch nicht so, dass eine Pistenkultur angekommen ist, wie es sie in den USA oder Kanada gibt“, ergänzte Bach. „Wir Deutsche sind eher geneigt, Jugendlichen zu sagen, die sollen erstmal ordentlich Langlauf und Schneepflug lernen, bevor sie so verrückte Dinge machen.“

Doch halte er wenig davon, „Trendsport zu dekretieren oder Eisschnellläufer zum Short Track abzukommandieren“, sagte Bach. Das müsse sich auf natürliche Weise entwickeln, an der Basis. Danach könne man über Infrastrukturmaßnahmen wie Halfpipes für Snowboard reden.

Umdenken im Skiverband

Das sieht Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), ganz ähnlich. Um im Medaillenspiegel 2014 und 2018 unter den besten Drei zu bleiben, müsse man auch diese Sportarten abdecken, „zumal die Luft in den klassischen Disziplinen immer dünner wird“, sagt er. In Vancouver-Spielen verpasste der DSV die eigene Medaillen-Rechnung von „15 plus X“ nur knapp mit 14 Medaillen. Diesmal war, so Hörmann, „ein großes Ausrufezeichen“ dabei: die drei Olympiasiege der Alpinski-Fahrerinnen Maria Riesch (Kombination und Slalom) und Viktoria Rebensburg (Riesenslalom) sowie zweimal Gold durch Biathletin Magdalena Neuner und dem siegreichen Langlauf-Duo Evi Sachenbacher-Stehle/Claudia Nystad.

Fragezeichen hinterließen dagegen die Biathlon-Männer, die Nordischen Kombinierer und auch das sieglose Eishockey-Team, das nicht werben konnte für die anstehende Weltmeisterschaft in Deutschland. „Ein olympisches Turnier ohne Sieg, da freut man sich nicht“, sagte Schwank. „Es wird jetzt die Kunst des Trainers sein, dieses Ergebnis umzukehren und es so zu nutzen, dass wir bei der Heim-WM eine erfolgreichere Rolle spielen.“

Vor allem waren es wieder die Bob-Fahrer und Rodler, die das deutsche Olympiateam in die Erfolgsspur führten. Mit zwei Olympiasiegen und weiteren drei Medaillen sind die deutschen Rodler abermals die Erfolgreichsten. Bob-Pilot André Lange wurde mit seinem vierten Olympia-Gold (plus Silber) zu einem der größten deutschen Wintersportler. Von den 153 deutschen Athletinnen und Athleten waren 53 an Medaillen-Gewinnen in 10 der 15 Sportarten beteiligt.

Schub für die Münchner Bewerbung

Nach diesen Spielen muss der Deutsche Olympische Sportbund in einem anderen Wettbewerb weiterkämpfen, in dem nur Gold zählt. Ein Sieg Münchens bei der Bewerbung um Olympia 2018 würde dem deutschen Sport einen großen Schub geben. „Unser Ziel war, einen guten Eindruck zu vermitteln. Ich glaube, dass wir die Chance genutzt haben“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper nach intensiver Lobby-Arbeit.

Um am 6. Juli 2011 bei der Wahl in Durban zu gewinnen, braucht es weitere Anstrengungen. Und so ergänzte Vesper: „Uns ist hier viel Sympathie entgegengebracht worden. Gute Stimmungen sind noch nicht keine Stimmen. Dafür müssen wir in den kommenden Monaten noch viel arbeiten.“


  • Bernhard Schwank, Thomas Bach und Michael Vesper (v.l.) ziehen eine positive Bilanz der Spiele von Vancouver. Copyright: picture-alliance
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