Bewegender Gesang

Fangesänge in Fußballstadion sind fester Bestandteil des Sports, inzwischen hat es der Sport sogar auf die Musical-Bühne geschafft. Autor Prof. Hans-Jürgen Schulke schreibt über die Verbindung von Sport und Kultur.

Das Musical "Das Wunder von Bern" läuft in Hamburg und erzählt eine Geschichte rund um die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954. Foto: picture-alliance
Das Musical "Das Wunder von Bern" läuft in Hamburg und erzählt eine Geschichte rund um die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954. Foto: picture-alliance

Zu Jahresanfang ziehen tausende Sternsinger durch die Lande, verbinden Musik mit Motorik und sammeln zudem für einen guten Zweck Gelder. Sportliche Exerzitien sind das nicht, zumal intensive Leibesübungen wie Schnelllaufen die Gesangsbereitschaft nicht erhöhen. Dennoch ist der heutige Sport nicht tonlos.

In großen Fußballstadien – entstanden mit kirchlichen Chorälen zur Legitimation von unterhaltsamem Fußballspiel an heiligen Feiertagen im puritanischen England – erschallen spontane bis originelle Fangesänge, wie sie ansonsten derart massenhaft weder in sakralen noch profanen Räumen zu hören sind. Auch die Schlagerbranche liefert zu großen sportlichen Ereignissen stimulierende Hits: „We are the champions“ oder „Wann wenn nicht jetzt“ sind in aller Munde. Sport ist eben nicht nur Körper-Kultur, motiviert auch zu unüblichen musischen Aktivitäten.

Das ist nicht eben neu. Die Turnvereine hatten schon Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Chöre, später kamen Musikzüge und Orchester hinzu. Sogar Dirigenten wurden ausgebildet. 1841 wurde die heutige Nationalhymne des Hoffmann von Fallersleben erstmals öffentlich vom Chor der Hamburger Turnerschaft an der Alster gesungen. Vor allen anderen forderte Pierre de Coubertin poetisch und phonetisch die kulturelle Verdichtung des Olympischen Wettstreits. Heute sind die subtil orchestrierten Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele die weltweit angesehensten kulturellen Ereignisse.

Neu ist gegenwärtig die Aufnahme sportlicher Themen in der boomenden Musicalbranche. Mochte man bei den artistischen Schwingungen von „Tarzan“ noch über die Einordnung in die Sport-Art streiten, so ist das bei „Rocky“ und im „Wunder von Bern“ wie auch bei dem vereinseigenen Musical von Fortuna Düsseldorf (Campino!) unstreitig. Der Sport hat eine neue Bühne erreicht, die Stadion und Straße ergänzt und hierzulande als Hochkultur eingeordnet wird.

Das ist nicht selbstverständlich, denn das sportliche Ereignis fasziniert im flüchtigen Hier und Jetzt, bleibt einmalig und unfassbar. Literaten, Bildhauer, Musiker und Filmemacher versuchen immer wieder das festzuhalten, hinter dem Ergebnis die Geschichte zu vermitteln. Mit unterschiedlicher Resonanz, wie sich bei aktuellen Filmen „Sommermärchen“, „Der ganz große Traum“, „Gold“, „Die Mannschaft“, „Sein letztes Rennen“, „Landauer“ zeigt.

Allein die Tatsache, dass ihre Zahl erkennbar zunimmt – in den USA ist das Genre längst etabliert -, ist sicherer Beleg für die wachsende Akzeptanz und Bedeutung des Kulturguts Sport. Ob das Alltags-, Populär- oder Hochkultur ist, entscheiden Zuhörer wie Zuschauer – wenn sie die Differenzierung überhaupt interessiert. In jedem Fall erfüllt sich hier mit dem Sport die Verszeile des Dichters J.G. Seume: „Wo man singet, lass Dich ruhig nieder…wo man singet, wird kein Mensch beraubt“.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Das Musical "Das Wunder von Bern" läuft in Hamburg und erzählt eine Geschichte rund um die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954. Foto: picture-alliance
    Das Musical "Das Wunder von Bern" läuft in Hamburg und erzählt eine Geschichte rund um die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954. Foto: picture-alliance

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