Blick über den Tellerrand

Trainerinnen und Trainern fehlt es vor allem an der gesellschaftlichen Anerkennung ihres Berufs. Deshalb ist es höchste Zeit für Veränderungen, meint Autorin Ulrike Spitz.

Bei der notwendigen Gewinnung von Trainerinnen und Trainern wird das Potenzial Frauen noch immer bei weitem nicht ausgeschöpft. Foto: LSB NRW
Bei der notwendigen Gewinnung von Trainerinnen und Trainern wird das Potenzial Frauen noch immer bei weitem nicht ausgeschöpft. Foto: LSB NRW

Die Episode, die Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), erzählte, brachte gleich einige wichtige Aspekte der DOSB-Konferenz „Schlüsselfigur Trainer“ am Wochenende in Hannover auf den Punkt. Schimmelpfennig hatte, als er noch Tischtennis-Bundestrainer im Vollzeitjob war, damals im Bekanntenkreis von der vergangenen Weltmeisterschaft erzählt. „Das klingt ja spannend“, sagte ein Zuhörer, „aber wie vereinbarst Du das eigentlich mit deinem Beruf?“

Falsch und doch auch richtig, könnte man zu dieser Frage sagen. Natürlich ist Bundestrainer/in in der Regel ein (Haupt)-Beruf, und zwar einer mit hohem Aufwand und noch höherem Einsatz rund um die Uhr und rund um die Welt, manche nannten es „Knochenjob“. Aber genauso wirken unzählige Trainerinnen und Trainer in Sportdeutschland eben auch ehrenamtlich an der Basis oder auch in nebenberuflichen Varianten auf Vereins- oder Verbandsebene, und zwar ebenfalls hoch engagiert.

Die DOSB-Konferenz hat das Thema in der gemeinsamen Veranstaltung der DOSB-Bereiche Jugendsport, Sportentwicklung sowie Leistungssport  mit den rund 200 Teilnehmer/innen zum ersten Mal über unterschiedliche Ebenen von der (Vereins)-Basis bis zur (Verbands)-Spitze, über alle Sportarten und aus verschiedenen Perspektiven behandelt. Auch die gleichstellungs-politische Perspektive fehlte nicht: So war der DOSB-Gleichstellungspreis in diesem Jahr für den Bereich Trainer/in ausgeschrieben. Im Rahmen der Konferenz wurde er an Ulla Koch, Cheftrainerin im Deutschen Turner-Bund, verliehen. In der unmittelbar anschließenden DOSB-Frauenvollversammlung wurden die Konferenzergebnisse vorgestellt und diskutiert. 

Denn gerade bei der notwendigen Gewinnung von Trainerinnen und Trainern wird das Potenzial Frauen noch immer bei weitem nicht ausgeschöpft. Frauen, die Frauen trainieren kommen ja auch im Leistungssport durchaus vor, aber Frauen, die Männer trainieren, sind schon mit der Lupe zu suchen, während Männer, die Frauen trainieren, eben die Regel sind. Es gilt, in Zukunft auch diese Chancen besser zu nutzen – und gerade Sportlerinnen zu ermutigen und zu unterstützen, den Blick auf den Trainerberuf zu richten. Preisträgerin Ulla Koch und die eindrucksvolle Laudatio der Nachwuchstrainerin Ghazal Seilsepour zeigen, wie dies gelingen kann.

Trainerinnen und Trainern aber fehlt es vor allem an der gesellschaftlichen Anerkennung ihres Berufs. Viel zu wenig ist in der Öffentlichkeit über ihren Bildungsauftrag und über ihre wertvolle Bildungsarbeit von der Basis bis zur Spitze bekannt. Trainerinnen und Trainer sehen sich eben nicht nur in der Verantwortung für die Leistungsentwicklung sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung von Athletinnen und Athleten, von Kindern und Jugendlichen sowieso. Ein wichtiger Auftrag ist ja gerade die Vermittlung der Werte des Sports.

Es ist höchste Zeit für Veränderungen. Denn auch bei der derzeit diskutierten Leistungssportreform spielt das Thema Trainer/innen eine bedeutende Rolle. Die DOSB-Konferenz kam darüber hinaus vor allem zur Erkenntnis, dass engeres Vernetzen und mehr Kooperation zwischen den Ebenen ebenso wie zwischen den Sportarten in vielen Bereichen von der Ausbildung über den Einsatz bis zum Erfahrungsaustausch nützlich und notwendig sind. Die aktive Beteiligung und intensive Arbeit der Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Verantwortungsbereichen waren einmalig. Sie sind zugleich ein vielversprechendes Signal für die künftige Weiterentwicklung und die anstehenden Umsetzungsprozesse.

Mit dieser Konferenz ist der Start für mehr Kooperation, mehr gemeinsames Handeln und mehr „Blick über den Tellerrand“ gelungen. Zugleich wurde deutlich, wie viel Arbeit noch vor allen liegt, um die gemeinsam getragene Vision „Trainerinnen und Trainer 2026“ erfolgreich umzusetzen. Die Konferenz lässt aber hoffen, dass die Schlüsselfunktion von Trainerinnen und Trainer an allen Stellen intern und extern klarer erkennbar wird und die Anerkennung für den Trainerberuf steigt.

(Autorin: Ulrike Spitz)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Bei der notwendigen Gewinnung von Trainerinnen und Trainern wird das Potenzial Frauen noch immer bei weitem nicht ausgeschöpft. Foto: LSB NRW
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