„Blindentennis muss an Popularität gewinnen"

Ein Interview mit Michael Wahl, der Ende April beim zweiten offiziellen Blindentennisturnier auf internationaler Ebene in Dublin an den Start geht.

Michael Wahl spielt erfolgreich Blindentennis. Foto: Gold Kraemer Stiftung
Michael Wahl spielt erfolgreich Blindentennis. Foto: Gold Kraemer Stiftung

Michael Wahl ist eine richtige Sportskanone. Als Blindenfußballspieler schaffte er es bis in die Nationalmannschaft, doch seit zwei  Jahren hat er sich voll und ganz dem Blindentennis verschrieben. Diese Woche startet der 37-Jährige bei einem internationalen Blindenturnier in Dublin - das insgesamt zweite dieser Kategorie. Im Interview mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) spricht er über die Begeisterung für den Sport und die damit verbundenen Herausforderungen.

Herr Wahl, wie sind Sie zum Blindentennis gekommen?

Ich habe bereits mein Leben lang sehr gerne Sport gemacht, auch schon als Kind. Bis zum meinem 18. Lebensjahr hatte ich auch noch einen Sehrest von fünf Prozent und war lange als Leichtathlet aktiv. Mit Ende 20 habe begonnen, Blindenfußball zu spielen und habe es dort bis zum Nationalspieler gebracht. Allerdings hatte ich zuletzt zunehmend mit Verletzungen zu kämpfen, was meine Lust nach einer neuen Herausforderung  bestärkte. Schließlich bin ich über einen Blindentennis-Workshop zum Tennis gekommen bin. Tennis ist für mich eine viel schwierigere Aufgabe, weil es ein dreidimensionaler Sport ist und ganz andere, komplexere Bewegungsmuster anspricht. Außerdem ist man komplett für sich und seine eigenen Leistungen verantwortlich. Schon nach zwei Monaten Training bin ich dann zum Blinden-Tennisturnier nach Alicante geflogen.

Wie ging es dann nach dem Workshop mit ihrem Training weiter?

In Köln gibt es beim TC Weiden einen von insgesamt sechs Standorten für Blindentennis in Deutschland. So bot sich mir die Möglichkeit, regelmäßig dort zu trainieren. Das Training findet bei den Geschwistern Niklas und Alena Höfken statt, die das Projekt Blindentennis mit der Gold-Kraemer-Stiftung und der Aktion „Tennis für alle“ ins Leben gerufen haben. Unterstützt wird das Training außerdem von Sportstudenten der Sporthochschule Köln.

Von wem werden Sie auf Turnieren, wie jetzt beispielsweise in Dublin, begleitet?

In Dublin fährt ein ganzes Team, bestehend aus Teilnehmern, Trainern und Familienangehörigen mit. Ich werde von meiner Verlobte begleitet. Insgesamt sind wir 13 Leute.

Wird bei Turnieren wie diese Woche in Dublin oder letztes Jahr in Alicante auch Preisgeld für die Teilnehmer ausgeschüttet?

Nein, im Gegenteil. Die Kosten für Hotel und Platznutzung tragen wir selber. Daher würden wir uns über die Hilfe von Sponsoren freuen. Damit das passiert, muss der Sport aber noch etwas an Popularität gewinnen, was eventuell durch einen festen Turnierkalender mit etablierten Turnieren geschehen könnte. Im Juni finden die ersten Internationalen Deutschen Meisterschaften im Blindentennis in Löhne statt. Ein erster Schritt. Ein großer Traum wäre es, wenn der Sport  paralympisch wird. Dafür soll bei den Paralympics in Tokyo 2020 geworben werden.

(Quelle: DTB)


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