Bundesanstalt für Arbeit streicht Mittel für benötigte ABM-Kräfte

In einer vom Bundesministerium des Innern herausgegebenen Broschüre „Ehrenamt im Sport“ wird das Integrationsprojekt des Polizeisportvereins Halle „ANGESAGT – Anstatt

Gewalt, hin zu Sport, Action, Gelassenheit, Teamgeist“ als eine zur Nachahmung ausgewählte Vereinsinitiative empfohlen. Ein Vorzeigeprojekt, dem aber möglicherweise aus finanziellen Gründen das „Aus“ droht. Zur Vorgeschichte: Seit Mai 2000 sind in diesem Projekt drei Teams mit insgesamt 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in besonders jugendkriminell gefährdeten Stadtteilen in Halle an der Saale tätig und bieten täglich offene Aktivitäten im Sportbereich als Bestandteil der Jugendarbeit an. Mit dem Aufsuchen gefährdeter Kinder und Jugendlicher in ausgesuchten Wohngebieten mit mobilen Sportangeboten soll jeder Form von Gewalt begegnet werden. Langfristig sollen Gewaltbereitschaft, Ausländerfeindlichkeit und Perspektivlosigkeit gemindert werden. Das vom Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, im September letzten Jahres ausgezeichnete Projekt wurde zu einem vollen Erfolg. „Circa 17.000 Kinder und Jugendliche nehmen die Angebote mit jährlich rund 1.100 Veranstaltungen wahr, darunter 5,6 Prozent Angehörige der rechten Szene und 6,5 Prozent Ausländer“, sagt der Präsident des PSV Halle, Heinz-Günther Buß. Zu den Angeboten gehört auch Mitternachtssport mit Turnieren im Fußball und anderen Ballsportarten. Gefährdete Kinder und Jugendliche sehen in den Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern oftmals die einzigen Vertrauens- und Bezugspersonen, um über ihre Probleme sprechen zu können.

Finanziert wurden die 18 Projektbetreuer über ABM-Maßnahmen des örtlichen Arbeitsamtes. Auf Grund des hohen Bedarfs soll die Maßnahme in Halle vom 1. April 2003 bis zum 31. März 2004 mit einem auf 30 Mitarbeiter erhöhten Personalstand fortgeführt werden. Ein entsprechender Antrag wurde gestellt. Doch dann kam für die Initiatoren die niederschmetternde Antwort: Künftig sollen diese Maßnahmen nicht mehr zu hundert Prozent über die Bundesan-stalt für Arbeit finanziert werden. Für das Projekt in Halle an der Saale be-deutet dies, dass von der Gesamtfinanzierung von rund 800.000 Euro vom PSV Halle ein Eigenanteil von rund 200.000 Euro geleistet werden müsste. PSV-Präsident Buß: „Das können wir nicht leisten.“

Von den geplanten Mittelstreichungen sind zahlreiche Projekte dieser Art betroffen, die sich überall bewährt haben. Die Verantwortlichen wollen die Integrationsarbeit gerne fortsetzen und erwarten, dass sich in dieser prekären Situation führende Repräsentanten des Sports für die weitere Komplettfinanzierung im Sinne der sozialen Offensive des Sports einsetzen und sich Politiker und öffentliche Verwaltung ihrer Verantwortung in diesem gesellschaftlich sensiblen Bereich bewusst werden.



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