Bundesregierung verspricht weitere gute Zusammenarbeit mit dem Sport

Nicht wenige sprachen von einem "denkwürdigen sportpolitischen Ereignis", als die Ständigen Konferenzen der Spitzenverbände des Deutschen Sportbundes (DSB) und der

Landessportbünde in Potsdam erstmals gemeinsam tagten. Und dieser Premiere sollte mit dem Besuch und der Ansprache des Bundeskanzlers noch die Krone aufgesetzt werden. Regierungschef Gerhard Schröder sagte das Treffen mit den Sportfunktionären wegen der tragischen Ereignisse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium dann zwar kurzfristig ab. Die politische Botschaft aber wurde dennoch übermittelt, denn der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe ("Die Ursache für meine Botentätigkeit ist außerordentlich tragisch") verlas die mit Spannung erwartete Rede des Kanzlers, die vom Dank und der Anerkennung der Leistungen der Vertreter aus den Landessportbünden und den Spitzenverbänden des deutschen Sports durch die Bundesregierung geprägt war. Darüber hinaus gab der Kanzler im Namen der Bundesregierung ein Versprechen für die Zukunft ab: "Wir sind unverändert zur engen Zusammenarbeit mit dem deutschen Sport bereit. Wir sind interessiert an gemeinsamen Lösungen, die den Leistungssport wie auch den Breitensport nach vorn bringen."

Gerhard Schröder schlug aber auch kritische Töne an. Auch das erfreulich gute Abschneiden der deutschen Mannschaften bei den olympischen Winterspielen und den Paralympics in Salt Lake City könne und dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, "dass wir noch erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, dass deutsche Leistungssportler in der gesamten Breite der Disziplinen international wettbewerbsfähig sind". Der Kanzler fügte hinzu: "Ich sage ganz bewusst ´wir´, denn zweifelsfrei haben Bundeswehr und Bundesgrenzschutz einen großen Anteil an den internationalen Erfolgen." Schröder zog eine sportpolitische Bilanz der Bundesregierung seit 1988 ("Wir haben so manches auf den Weg gebracht"), hob die Bedeutung des Ehrenamtes hervor und lobte die jüngst gestartete Kampagne "Sport tut Deutschland gut": "Diese Initiative ist für mich ein gutes Beispiel für eine gelungene Partnerschaft zwischen der Wirtschaft und dem Dachverband des deutschen Sports. Gerne bin ich bereit, den dafür vorgesehenen Förderkreis zu leiten."

Der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, listete nach seinen Dankesworten an die Bundesregierung für die Unterstützung des Sports "einige Problemfelder auf, die wir dem Kanzler nicht vorenthalten wollen". Der Bogen spannte sich von Kümmernissen mit dem Paragraphen 50 a des Einkommensteuergesetzes, der Forderung nach besseren Bedingungen für Ehrenamtliche über die Sorgen um den Neubau und die Sanierung von Sportstätten bis hin zum direkten Appell an den Kanzler nach einer Verankerung des Sports im europäischen Vertragswerk: "Bringen Sie den Sport in der ihm angemessenen Form wieder auf die europäische Tagesordnung und überzeugen Sie auch Ihre Kollegen. Denn alles andere hieße, eine große Chance für Europa zu verpassen."

Potsdams Bürgermeister Matthias Platzeck verkündete in seinem Grußwort das Jahresmotto seiner Stadt "Potsdam – Sportstadt 2002" und verwies auf 17.000 Sportlerinnen und Sportler und 2000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei 130.000 Einwohnern. Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe rief in seiner Ansprache den Delegierten der Ständigen Konferenzen zu: "Sport ist Aufbau Ost im Blick auf die Menschen. Wir haben große Hilfe durch den Landessportbund Brandenburg erfahren. Er ist mit der wichtigste Verbündete beim Engagement für Toleranz."

Die gemeinsame Tagung der Ständigen Konferenzen war geprägt von Diskussionen zu einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Sportbund, den Landessportbünden, den Spitzenverbänden sowie den Landesfachverbänden. Dazu gehörte auch der Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen Spitzenverbänden und Landessportbünden zur Optimierung der regionalen Leistungssport-Steuerung in der Bundesrepublik Deutschland. DSB-Präsident Manfred von Richthofen beleuchtete in seiner Ansprache die Rolle des DSB in der Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen und sagte unter anderem: "Ich konstatiere den festen Willen des DSB, seine Anwaltsfunktion für den deutschen Sport offensiv wahrzunehmen und die Themenstellungen unserer Mitgliedsorganisationen aufzugreifen. Einen Führungsanspruch zu erfüllen bedeutet aber auch, Zukunft zu gestalten. Angesichts der Veränderungen im gesellschaftlichen und politischen Raum muss der Sport rechtzeitig agieren statt reagieren." NOK-Präsident Walther Tröger berichtete über Maßnahmen zur Olympiabewerbung 2012.

In getrennten Sitzungen erarbeiteten die Ständigen Konferenzen tags darauf weitere sportpolitische Themen. Die Spitzenverbände diskutierten unter anderem die Ergebnisse der Winterspiele von Salt Lake City, das Förderkonzept 2000 und die Weiterentwicklung des Stützpunktsystems, Aktivitäten des Bereiches Breitensports und die künftige Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Die Konferenz der Landessportbünde setzte sich beispielsweise mit der Neustrukturierung des Bildungsberei-ches im DSB auseinander und wählte zum Nachfolger des ausscheiden-den Vorsitzenden der Ständigen Konferenz, Anton Häffner (Landessportverband Baden-Württemberg), den Präsidenten des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Remer. Zur Stellvertreterin wurde die Präsidentin des Landessportbundes Bremen, Ingelore Rosenkötter, gewählt.


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