„Der Kampf gegen Doping ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Interview mit dem Compliance-Experten Dr. Marc Tenbücken von der Sports Unit Group über Abhängigkeiten im Kampf gegen Doping.

Die Unabhängigkeit von Anti Doping-Agenturen muss das Ziel sein. Foto: picture-alliance
Die Unabhängigkeit von Anti Doping-Agenturen muss das Ziel sein. Foto: picture-alliance

Wie finanzieren sich die Nationalen Anti-Doping-Agenturen in der Welt? Weltweit ist das sehr unterschiedlich, in Frankreich oder Großbritannien haben sie Behördenstatus, in Schweden oder Italien sind sie Teil der Sportorganisationen. In den USA, Deutschland oder der Schweiz übernehmen Regierung und der Sport die Kosten. In Deutschland gab es zeitweise auch Unternehmen, die sich im Anti-Dopingkampf engagierten. 

In Italien und Schweden sind die Anti-Doping-Agenturen Teil der Sportorganisation. Bei der Leichtathletik-EM in Berlin sorgte der Fall der schwedischen Bronze-Medaillengewinnerin Meraf Bahta für Ärger, weil sie trotz dreier verpasster Dopingkontrollen noch starten durfte. Den Schweden wurde ein laxer Umgang mit den Anti-Doping-Regeln vorgeworfen. Kann der Sport überhaupt in Eigenregie den Kampf gegen Doping betreiben?

MARC TENBÜCKEN: Ich halte es persönlich für keine gute Idee. Denn ich glaube, immer wenn es darum geht, sich selbst zu kontrollieren, öffnet man Möglichkeiten, zu schummeln bzw. nicht genau hinzusehen, Tür und Tor. Auch hier wäre es deutlich zielführender und glaubwürdiger, man würde eine externe Stelle damit beauftragen, die eigene Sportorganisation zu kontrollieren. Ein ähnliches System haben wir beispielsweise im Finanzbereich mit den Rating-Agenturen, die die Bewertung der Risiken vornehmen. Die sind unabhängig von Banken und anderen Finanzinstituten. Wie man dann mit dieser Bewertung umgeht, ist eine andere Sache.

In einigen Ländern sehen die Politiker den Anti-Dopingkampf als staatliche Aufgabe. Wie problematisch das in einem nicht-demokratischen Land kann, zeigt das Beispiel Russland. Wie schätzen Sie das ein?

Der Fall Russland ist für mich ein Negativbeispiel. Hier haben sie eine sehr unglückliche, aber offenbar gewollte Verquickung zwischen staatlicher Lenkung, zwischen Sport und dem Erzielen nationaler Erfolge, die dann auch wiederum der Politik und dem Staat nützt.

Wie sollte denn Ihrer Meinung nach der Kampf gegen den Sportbetrug organisiert sein?

Der Kampf gegen Doping ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb sollten sich alle Stakeholder beteiligen: Der Staat, die Sponsoren, der Sport, auch die verschiedenen Vermarkter und die TV-Sender. Alle, die am Sport partizipieren, sollten im Sinne der Nachhaltigkeit des Sports ein Interesse daran haben, dass der Sport sauber bleibt, Das würde auch die Unabhängigkeit der Anti-Doping-Agenturen stärken, weil man eben nicht von einem oder zwei Finanziers abhängig ist. Dadurch lässt sich eine möglichst große Unabhängigkeit der jeweiligen Nationalen Anti-Doping-Agenturen erreichen.

(Quelle: DOSB-Presse Ausgabe 3, Heinz Peter Kreuzer)


  • Die Unabhängigkeit von Anti Doping-Agenturen muss das Ziel sein. Foto: picture-alliance
    Die Unabhängigkeit von Anti Doping-Agenturen muss das Ziel sein. Foto: picture-alliance

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