Dr. Hemker fordert Qualitätskriterien für sportorientierten Gesundheitstourismus

Für eine Stärkung des Sport- und Gesundheitstourismus hat sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Reinhold Hemker vor Beginn der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin ausgesprochen.

Immer mehr Reisende wollen im Urlaub Sport- und Gesundheitsangebote. Copyright: picture-alliance
Immer mehr Reisende wollen im Urlaub Sport- und Gesundheitsangebote. Copyright: picture-alliance

Gesundheit und Wohlbefinden aufzubauen seien häufige Wünsche von Urlaubern, aber auch zielorientierte Marktstrategien der Tourismusanbieter, erklärte er. Urlaub gepaart mit Bewegungsangeboten, das sei schlichtweg gesund – diese Erwartungshaltung werde allerdings durch seriöse wissenschaftliche Veröffentlichungen nicht immer bestätigt. Dr. Hemker: „Es zeigt sich eine Diskrepanz zwischen dem, was Reiseveranstalter versprechen, und dem, was durch Studien belegt ist. Der Konsument geht ohne Rückfrage davon aus, dass das Angebotene per se gesundheitsfördernd ist.“ 

Politik und Verbände sollten daher in der Pflicht stehen, Forschung und Projekte zur Festigung eines nachhaltigen Gesundheitstourismus zu fördern. Für einen sport- und wellnessorientierten Gesundheitstourismus sollten von Institutionen des Sports, der Gesundheit und der Reisebranche „Mindeststandards, Qualitätskriterien und Fortbildungsangebote“ mit einheitlichem Charakter erarbeitet werden, fordert der Politiker, Pfarrer und Lehrbeauftragte am Institut für Soziologie an der Universität Münster. Insgesamt: „Der Megamarkt Gesundheitstourismus birgt große Potentiale sowohl für den einzelnen Menschen als auch für die Wirtschaft, die es zu entwickeln und auszuschöpfen gilt.“ 

Die TUI-Marktforschung erwartet für 2010 mehr als 4,3 Millionen deutsche Urlauber, deren Reisemotivation die eigene Gesundheit ist. 2004 waren dies 2,3 Millionen Reisende, die für die schönsten Wochen des Jahres „ganzheitliche Gesundheit“ mit Bewegung und aktivem Sporttreiben bevorzugten. Dr. Hemker: „Untersuchungen der Welttourismusorganisation WTO zufolge wandeln sich die Aktivitäten während einer Urlaubsreise qualitativ und quantitativ von einer Ruhe- und Erholungsreise hin zu einer Gesundheits- und Erlebnisreise. So ist in den drei Hauptreisemärkten Europas, in Frankreich, Deutschland und Holland, eine eindeutige Zunahme sport- und gesundheitsorientierter Reisen zu erkennen.“ 

Der Parlamentarier unterstreicht, dosierte sportliche Betätigung könne mitwirken, Risikofaktoren zu vermindern und Krankheiten vorzubeugen. „Sanfte körperliche Bewegungsformen im Urlaub, wie beispielsweise das Wandern, sind hervorragend dazu geeignet, Körper und Seele positiv zu beeinflussen. So zeigen Studien zum Wandern bereits nach dreiwöchigem Urlaubsaufenthalt einen deutlichen Abfall des erhöhten Blutdrucks sowie eine Abnahme des Körpergewichts.“ Die Art der Anbieter für Gesundheits-, Sport- und Wellnesstourismus sei „sehr fragmentiert und reicht von Kurorten über sportmedizinische Einrichtungen bis hin zu Zentren fernöstlicher Bewegungstherapien“. „Schwarze Schafe“ gebe es, und eine unübersichtliche Anzahl von Güte- und Qualitätssiegeln verwirrten die Verbraucher. Rund 150 Institute böten überdies für sogenannte Wellness-Berufe Fortbildungslehrgänge an. Dr. Hemkers Einschätzung: „Dies führt zweifelsohne zu einer Überforderung des sport-, bewegungs- und gesundheitsorientierten Touristen.“


  • Immer mehr Reisende wollen im Urlaub Sport- und Gesundheitsangebote. Copyright: picture-alliance
    Immer mehr Reisende wollen im Urlaub Sport- und Gesundheitsangebote. Copyright: picture-alliance

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