Erfolgsgeschichte Duale Karriere: Alexander Wieczerzak

Im September erzählt Judoka Alexander Wieczerzak, wie er als Sportsoldat und Student der Betriebswirtschaftslehre seine Duale Karriere für sein großes Ziel Tokio 2020 organisiert.

Judoka Alexander Wieczerzak möchte nach seiner leistungssportlichen Karriere in der Wirtschaft Fuß fassen. Foto: David Lemanski
Judoka Alexander Wieczerzak möchte nach seiner leistungssportlichen Karriere in der Wirtschaft Fuß fassen. Foto: David Lemanski

Meine Ausgangsituation

Als ich ungefähr sechs Jahre alt war, hat mich meine Mutter in einem Judoverein in Frankfurt angemeldet. Seitdem bin ich dem Sport treu geblieben. Mit den sportlichen Erfolgen ergab sich ganz automatisch ein kontinuierlicher Prozess und alles entwickelte sich nach und nach zum Leistungssport.

Meine schulische Laufbahn

Von Anfang an habe ich ein Abitur angestrebt. Das erste Gymnasium, auf das ich ging, hat meine sportliche Karriere nicht wirklich unterstützt. Schon damals war ich am Wochenende oft weg und konnte nicht immer in den Schulunterricht. Deshalb haben meine Mutter und ich die Entscheidung getroffen, dass ich unter der Woche auf ein Internat gehe, damit ich trainieren und lernen kann und dabei unterstützt werde. So ging ich mit 14 Jahren auf die Eliteschule des Sports in Kaiserslautern. Das Verbundsystem dort hat es mir ermöglicht, trotz meines großen Trainingsaufwands 2012 mein Abitur erfolgreich zu erlangen. Bis ich ungefähr 20 Jahre alt war, lebte ich etwas in einer Blase und nach dem Motto „go-with-the-flow“. Vor allem wenn man gute sportliche Erfolge feiert, lebt man einfach im Moment: Schule, Training, Wettkampf. Erst als ich älter wurde habe ich realisiert, wie wichtig es ist, eine gute Beratung für seine berufliche Laufbahn zu haben und nichts als selbstverständlich anzusehen.

Nach meinem Abitur stand ich vor vielen Entscheidungen: an welchen Bundesstützpunkt möchte ich ziehen und welchen beruflichen Weg möchte ich einschlagen?  Zum Glück wurde ich sehr professionell von meinem Laufbahnberater am OSP Hessen, Bernd Brückmann, beraten.

Einen konkreten Berufswunsch hatte ich zunächst nicht. Meiner Meinung nach ist das eine der größten Herausforderung beim Erwachsenwerden. Eine leistungssportliche Karriere trägt auch nicht unbedingt zur Entscheidungsfindung bei, allerdings ist es gerade bei einer leistungssportlichen Karriere umso wichtiger, dass man für sich eine passende berufliche Richtung findet, damit man auch für die Zeit nach dem Sport vorbereitet ist. Manche Athleten wissen ja schon frühzeitig, dass sie z.B. eine sportwissenschaftliche oder medizinische Karriere anstreben. So genau wusste ich dies nicht.

Auswahl des Studiums

Nachdem mein Studium an einer Fachhochschule aufgrund der schlechten Vereinbarkeit von Studium und Sport gescheitert ist, hat mich Bernd Brückmann auf das für mich passende Fernstudium an der SRH Riedlingen aufmerksam gemacht. Die erste Fachhochschule war leider wenig kooperativ. Mir wurde nicht gesagt, welche Studienmaterialien für eine Klausur relevant waren, sodass ich mich nicht mal in Trainingslagern gut vorbereiten konnte. Deshalb habe ich nach kurzer Zeit die Reißleine gezogen und bin auf den Rat von Bernd Brückmann zu einem Fernstudium gewechselt. Für mich ist dies die beste Option. An der SRH Riedlingen studiere ich Betriebswirtschaftslehre und Management. Mich interessieren wirtschaftliche Zusammenhänge und das wirtschaftliche Geschehen.

Als Trainingsstandort habe ich mich für den Bundesstützpunkt in Köln entschieden und bin auch dem Olympiastützpunkt Rheinland für dessen Unterstützung sehr, sehr dankbar. Seitdem ich an den BSP nach Köln gezogen bin, wurde ich auch in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen. Ohne die Bundeswehr könnte ich meinen Leistungssport gar nicht erst ausüben, da sie aktuell meinen Lebensunterhalt absichert. Auch dort konnte ich immer gute Ansprechpartner finden.

Meine berufliche Zukunft

Von Beruf bin ich aktuell wirklich Leistungssportler und Sportsoldat der Bundeswehr. Die Bundeswehr hilft mir in allen Angelegenheiten dabei, dass ich mich auf meinen Sport konzentrieren kann.

Wenn ich meinen Bachelor habe, gibt’s erst Mal ein Fest. Ein wenig denke ich auch schon über einen Masterabschluss nach. Nach meiner leistungssportlichen Karriere möchte ich in der Wirtschaft Fuß fassen. Wie, wo und was genau überlege ich mir bis ich mit meiner Karriere aufhöre, tausche mich aber auch mit meinem Laufbahnberater und Freunden darüber aus.

Unterstützung durch das Sportsystem

Die Deutsche Sporthilfe unterstützt uns Sportler schon von jungen Jahren an. Es gibt außer der wichtigen finanziellen Förderung weitere Angebote, wie Seminare oder Workshops, die von der Sporthilfe mitorganisiert werden.

Zudem ist die Laufbahnberatung an den Olympiastützpunkten immer ein guter Ansprechpartner für uns Athleten. Was die Studienorientierung, -beratung und -zielfindung anbelangt, ist dies von unschätzbarem Wert. Ohne die Hilfe eines Laufbahnberaters hätte ich vielleicht sogar meine Karriere vorzeitig beendet, da ich eben auch für die berufliche Zukunft gewappnet sein wollte.

Außerdem sind natürlich auch die anderen Servicebereiche eines Olympiastützpunkts für uns Athleten unverzichtbar, wie z.B. die Physiotherapie, die trainingswissenschaftliche Begleitung, die Ernährungsberatung und nicht zuletzt die sportpsychologischen Beratungsangebote.

Was ich anderen Sportlern raten möchte

Setzt euch mit euren Eltern, Trainern und/oder Laufbahnberatern zusammen und redet ganz offen darüber, für welchen Weg ihr euch entscheiden wollt. Leistungssport ist die tollste und gleichzeitig die anstrengendste Zeit deines bisherigen Lebens. Lasst euch nicht von der Vorstellung blenden, dass ihr euch auf dem Gewinn von Medaillen oder Titeln ausruhen könnt. Die Realität holt jeden ein, allerdings kann man sich dafür wappnen, indem man sich eine Strategie für die Zeit in und nach der Schule überlegt. Ich würde jederzeit die gleiche Entscheidung wieder treffen. Leistungssport und die Euphorie, die ihr nach harten Trainingsphasen erlebt, ist unbezahlbar. Eines noch: ihr müsst für den Sport Leidenschaft aufbringen und die Bereitschaft zeigen, Grenzen zu überwinden und eben mal nicht mit den Freunden in die Disko zu gehen, sondern abends und morgens zu trainieren und zu lernen.

Wichtig ist, dass ihr etwas macht. Sei es eine Ausbildung oder ein Studium. Ihr werdet einfach ein besseres Gefühl haben, wenn ihr wisst, dass es nach dem Leistungssport weitergeht und ihr dafür eine Basis geschaffen habt.

Sucht unbedingt ca. ein Jahr vor dem Abitur ein Gespräch mit einem Laufbahnberater, damit ihr frühzeitig alle Fragen klären und euch bezüglich eurer weiteren Bildungskarriere beraten lassen könnt. Somit bekommt ihr eine objektive Meinung über die möglichen Zukunftschancen im Zusammenhang mit eurer leistungssportlichen Karriere. Nichts ist schlimmer als die Ungewissheit.

(Quelle: DOSB)


  • Judoka Alexander Wieczerzak möchte nach seiner leistungssportlichen Karriere in der Wirtschaft Fuß fassen. Foto: David Lemanski
    Judoka Alexander Wieczerzak möchte nach seiner leistungssportlichen Karriere in der Wirtschaft Fuß fassen. Foto: David Lemanski

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