Frauen in Spitzenfunktionen des Sports: NOK will Widerstände beseitigen

"Was ich las war nicht mehr und nicht weniger als die Dokumentation eines Machtkampfes um Gleichberechtigung und die erheblichen Widerstände der Organisation", sagt Margaret Talbot.

 

 

 

1998 war der Vizepräsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft (ICSSPE) eher zufällig der Bericht einer Kommission in die Hände gefallen, die für das IOC einen Antrag auf stärkere Beteiligung von Frauen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und seinen Organisationen vorbereitete.

 

 

 

In einer spannenden Reportage des aktuellen ICSSPE-Bulletins ermöglicht Prof. Dr. Talbot Einblicke über die Einflussnahme des IOC-Präsidenten, den Widerstand eines Vizepräsidenten, Entscheidungsprozesse innerhalb des IOC und die schwierige Position von Frauen wie IOC-Mitglied Anita de Frantz.

 

 

 

"Frauen, die Führungspositionen einnehmen, sehen sich immer noch großen Widerständen gegenüber. Ihre Schwierigkeiten werden selten öffentlich oder in irgend einer Weise dokumentiert", bilanziert die britische Wissenschaftlerin und beklagt zugleich:

 

 

 

"Die Beteiligung von Frauen wird als notwendige ´Geste` verstanden und immer noch sind es Frauen, bei denen man nach ihrer Kompetenz für Führungsämter fragt, während diese bei Männern viel eher vorausgesetzt wird".

 

 

 

Trotz der Widerstände rang sich das IOC 1996 schließlich zur stärkeren Beteiligung von Frauen an den Führungspositionen und zur strikten Gleichbehandlung von Männern und Frauen durch und empfahl seinen eigenen Gremien sowie den Nationalen Olympischen Komitees und den Internationalen Fachverbänden konkrete Zielvorgaben zur Beteiligung von Frauen an Führungspositionen.

 

 

 

"Was jetzt interessiert, ist die Frage, was das IOC gegen Organisationen unternimmt, die sich nicht einmal bemühen, die Ziele zu erreichen", richtet Talbot den Blick in die Zukunft.

 

 

 

"Frauen, die in internationalen Organisationen arbeiten, sind Minderheiten und haben mit deren Problemen zu kämpfen", hat sie bei ihren Recherchen erkannt und ergänzt:

 

 

 

"Oftmals kämpfen diese Frauen vollkommen allein gegen die von Männern gesetzten Regeln und Standards. (...) und natürlich sehen sie sich dann auch noch der Kritik von Frauen ausgesetzt, die außerhalb des Systems stehen und ihnen vorwerfen nicht genügend zu tun."

 

 

 

Mit ihrer Forderung, endlich Maßnahmen zu ergreifen liegt sie auf einer Linie mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland, das eigene Unzulänglichkeiten erkannt hat und bereits im zurückliegenden Jahr einen Aktionsplan veröffentlichte.

 

 

 

Auch das von Margaret Talbot beklagte unzureichende biographische Wissen über von Frauen eingeschlagene Wege und Irrwege, sich in Non-Government-Organisationen durchzusetzen, kann möglicherweise schon bald durch ein aktuelles Projekt zur Verfügung gestellt werden.

 

 

 

Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte "Aktionsbündnis Frauen an die Spitze" will Hintergründe und Ursachen der Benachteiligung wissenschaftlich erfassen und Voraussetzungen für deren Beseitigung schaffen.

 

 

 

"Bereits die ersten Ergebnisse zeigen, dass auf nationaler Ebene die Vorgaben des IOC von einem 10-prozentigen Frauenanteil in allen Entscheidungsebenen für das Jahr 2000 nur mit Mühe erreicht werden. Von den für 2005 als internationales Ziel gesetzten 20 % sind wir noch weit entfernt", erklärte die für Personalentwicklung und Frauen im NOK zuständige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Sylvia Schenk, am 3.11. in Hamburg.

 

 

 

Die vom NOK eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung des status quo, an denen sich auch der Deutsche Sportbund beteiligt, laufen zunächst über 1 ½ Jahre. Die wissenschaftlichen Untersuchungen erfolgen unter Leitung von Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Präsidentin der ICSSPE) und Prof. Dr. Dr. Gertrud Pfister (beide Freie Universität Berlin). Mit Anouschka Bernhard konnte eine ehemalige Fußball-Nationalspielerin als hauptamtliche Referentin in der NOK-Geschäftsstelle in Frankfurt gewonnen werden. Sie steht auch interessierten Kolleginnen und Kollegen der Medien als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

 

 

 

Daten über die Situation von Frauen in den Führungsgremien des deutschen Sports werden in Kürze im Kapitel Dokumentation der NOK-Homepage eingestellt.

 

 

 

 

 

 

 



Weitere Links:
Das International Council of Sport Science and Physical Educat


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