Fußball und Zivilgesellschaft gemeinsam gegen Diskriminierung und Rassismus

Der erste bundesweite Kongress „Vereine stark machen – Was tun gegen Diskriminierung und Rassismus im Fußballverein?“ brachte erstmalig Vertreter des Amateurfußballs und zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen.

Angeregte Diskussionen beim ersten bundesweite Kongress „Vereine stark machen – Was tun gegen Diskriminierung und Rassismus im Fußballverein?“ Copyright: KOS
Angeregte Diskussionen beim ersten bundesweite Kongress „Vereine stark machen – Was tun gegen Diskriminierung und Rassismus im Fußballverein?“ Copyright: KOS

Die Teilnehmer waren sich einig, dass Vereine gemeinsam mit den Fußballverbänden den Problemen entgegentreten müssen, um das Prinzip des Fair Play und die Grundidee eines respektvollen Miteinanders im Fußball aufrechtzuerhalten. 

Gerd Wagner, Leiter des Projektes „Am Ball bleiben – Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“ der Deutsche Sportjugend zog und Mitveranstalter eine durchweg positive Bilanz des bundesweiten Kongresses am 23. und 24. November in Halle (Saale). "Erfreulich ist, dass die Teilnehmer keine Forderungen an die große Politik gestellt haben, sondern selbst Lösungsmöglichkeiten im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung vorgeschlagen haben. Mit der Vorstellung verschiedener Strategien von Konfliktbewältigung wollten wir den Amateurvereinen eine Hilfestellung geben und neue Netzwerke schaffen. Die breite Mischung des Teilnehmerfeldes und die aktive Beteiligung der Kongressteilnehmer unterstreichen die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Themas.“ 

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen notwendig

Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und insbesondere der Unterstützung der Ehrenamtlichen in den Amateurvereinen vor Ort zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Ziel des Kongresses in Halle war es schließlich, Akteure aus dem Fußball, der Politik und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen zusammenzubringen, um gemeinsam Strategien gegen Rassismus und Diskriminierung zu entwickeln. Das Spektrum der Problemfelder ist breit, wie bereits das moderierte Eingangsgespräch zwischen Gerd Liesegang, Vizepräsident des Berliner FV, und Ronny Blaschke, Journalist und Buchautor, zeigte: Von rassistischen Zwischenrufen aus dem Publikum über Auseinandersetzungen zwischen Spielern, Trainern und Betreuern und den vielfältigen Schwierigkeiten der Sportgerichtsbarkeit bis hin zur systematischen Unterwanderung von Vereinen durch rechtsextreme Parteien oder Organisationen. Die Überforderung Ehrenamtlicher bei der Bewältigung dieser Probleme wurde von Liesegang hervorgehoben: „Hier ist professionelle Hilfe nötig, mehr Ressourcen und mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit von oben.“

Thema in die Vereine transportieren

In fünf Foren wurden von den rund 140 Teilnehmern beispielsweise der Umgang mit Beleidigungen und den unterschiedlichen Formen von Diskriminierung auf dem Fußballplatz oder die Erscheinungsformen von Rechtsextremismus und seiner Codes thematisiert.  

„Dank der interessanten Mischung des Teilnehmerfeldes entstanden lebhafte und auch kontroverse Diskussionen. Ein Fazit daraus ist, dieses Thema und die vielfältigen Erfahrungen im Kampf dagegen in die lokalen und regionalen Strukturen zu transportieren, damit dort direkt vor Ort die Vereine und Verbände möglichst praxisnah in ihren Bemühungen im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierungen gestärkt werden“, resümierte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) bei der dsj. 

Die erzielten Ergebnisse werden von den Veranstaltern – dem Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT), der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) und dem Projekt „am Ball bleiben“ der Deutschen Sportjugend –  in einem Leitfaden zusammengefasst, dessen Zweck es ist, Handlungsansätze vorzustellen, die den Ehrenamtlichen in der täglichen Arbeit vor Ort Orientierung im Umgang mit Diskriminierung und Rassismus geben sollen. Außerdem wird er Kontaktdaten von anderen Engagierten, Verantwortlichen und Vereinen sowie Tipps für sich neu gründende Fan-Initiativen enthalten.

Netzwerk gegen Rechts - DOSB unterstützt Initiative der Bundesregierung

Bei der Auftaktveranstaltung der bundesweiten Initiative „Orte der Vielfalt“ am Montag in Berlin hat DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers die Mitarbeit des organisierten Sports erklärt. „Der Deutsche Olympische Sportbund und der Deutsche Fußball-Bund unterstützen den Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ausdrücklich. Der organisierte Sport hat über 90.000 Vereine und ist damit nahezu überall vor Ort ehrenamtlich tätig. Daher bieten wir an, gemeinsam mit den anderen an dieser Initiative der Bundesregierung beteiligten gesellschaftlichen Gruppen ein Netzwerk gegen Rechts aufzubauen“, sagte Ridder-Melchers. Auf Einladung von Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Prof. Dr. Maria Böhmer und Peter Altmaier, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, erklärten Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, und zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen im Kaisersaal der Parlamentarischen Gesellschaft ihre Unterstützung für die Initiative.

Ridder-Melchers verwies in ihrem Beitrag auf die drei Handlungsfelder, in denen der Sport seine Aktivitäten ansetzen wird: „Die Vereine müssen unterstützt werden, um sinnvolle Freizeitgestaltung für Jugendliche zu ermöglichen. Die in unseren Vereinen tätigen Übungsleiterinnen und –leiter sollen im kompetenten Umgang mit rechtsextremen Phänomenen unterstützt werden und Vereinsvorstände müssen sich eindeutig und frühzeitig gegen Rechts positionieren, um ihre Vereine vor einer Unterwanderung zu schützen.“


  • Angeregte Diskussionen beim ersten bundesweite Kongress „Vereine stark machen – Was tun gegen Diskriminierung und Rassismus im Fußballverein?“ Copyright: KOS
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