Guckt mal: Da kommt Drago!

Das Maskottchen des Minisportabzeichen kennt in Uelsen jedes Kind.

Richard Landwehr immer im Team mit seiner Tochter Rebecca und dem Maskottchen Drago (Foto: privat)
Richard Landwehr immer im Team mit seiner Tochter Rebecca und dem Maskottchen Drago (Foto: privat)

Und Drago ist nie ohne Richard Landwehr unterwegs. Landwehr lebt in Uelsen und ist seit fast 50 Jahren Sportabzeichen-Prüfer. Im kommenden Jahr hat er das halbe Jahrhundert voll. Doch das ist nur die halbe Wahrheit seiner Verbindung zum Deutschen Sportabzeichen. Er ist ständiger Begleiter von Maskottchen Drago und nimmt in der Samtgemeinde Uelsen in sechs von sieben Kitas das Minisportabzeichen ab. Ein beachtenswerter Beitrag findet der KSB der Grafschaft Bentheim und hat ihn dem DOSB und dem diesjährigen Themenpartner, dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), für die Kampagne „Engagement macht stark!“ vorgeschlagen, in der Menschen mit beispielhaftem Einsatz bedacht werden.

Seine Frau Heide hält ihn manchmal für verrückt. „Dass du das in deinem Alter immer noch machst”, sagt sie dann zu ihm. Dann lächelt der 76-Jährige und erwidert: „Ich habe die Zeit und mir macht es Spaß. Also mache ich das so lange es noch geht.” Und er ist ja nicht alleine unterwegs. Nicht nur Drago ist an seiner Seite. Seit fünf oder sechs Jahren ist auch seine 42-jährige Tochter Rebecca in den Kitas mit dabei. Sie hat sich von Vaters Leidenschaft anstecken lassen und er freut sich, wenn sie seine Aufgabe einmal übernehmen kann, wenn er eines Tages tatsächlich zu alt dafür ist.

Die Idee, das Minisportabzeichen zu initiieren, entstand in der Sportjugend des KSB Grafschaft Bentheim. Damit sollen bereits die Kinder unter sechs Jahren das Sportabzeichen kennenlernen. Und Landwehr, als ehemaliger Lehrer, fand die Idee so toll, dass er bereit war, die Aktion umzusetzen - in Kooperation mit den Sportvereinen vor Ort. Durch seinen Beruf kannte er ja bereits alle Kitaleitungen und wurde mit offenen Armen empfangen. Mittlerweile wird sein Anruf alljährlich erwartet und das Trio um Vater Richard, Tochter Rebecca und Maskottchen Drago verbringt in jeder Kita bis zu drei Stunden, um die Kinder beim Ablegen von acht Übungen zu begleiten. 259 Kinder waren in diesem Jahr mit großem Spaß beteiligt. Selbstverständlich geht es in den Kitas noch nicht um Leistung, aber das Erfolgserlebnis, etwas erreicht zu haben, können die Kleinen schon verbuchen.

Ist er wirklich verrückt oder warum macht er das eigentlich?

Nein, für verrückt hält er sich nicht. Er hat eben noch die Energie und die Freude daran. Und außerdem macht er es aus Dankbarkeit. Er erinnert sich an seine Anfänge als 17-Jähriger: „Damals gab es zwei Herren, die haben sich die Hacken abgerannt, damit wir das Sportabzeichen ablegen konnten. Und da habe ich das Gefühl, ich muss etwas zurückgeben oder weitergeben.” Das war seinerzeit noch im Osnabrücker Land, wo er aufgewachsen ist. Und nun dürfen die Uelsener von seinem Einsatz in den Kitas und als Sportabzeichen-Prüfer beim SV Olympia Uelsen sowie in der Grundschule Itterbeck profitieren.

Wie sieht es eigentlich mit seiner eigenen Sportlichkeit aus? „In der Schule habe ich damals mit „befriedigend“ (3) abgeschlossen: Turnen (5), Schwimmen (3) – aber Leichtathletik (1). Und woran konnte sich mein Sportlehrer vor einigen Jahren noch erinnern? Landwehr, mit Turnen war das nicht so toll!“ Das Sportabzeichen hat er auch nicht jedes Jahr abgelegt. „Da gab es Phasen, in denen waren andere Sachen wichtiger.” Und dann gab es eine Zeit, vor etwa sechs Jahren, da hat es mit der Koordination einfach nicht klappen wollen. Aber ein Richard Landwehr gibt nicht auf. Es geht ja schließlich um die Bewegung und ums Dabeisein. Aber mit 75 Jahren ging das mit dem Schleuderball plötzlich wieder und nun hat er ein Ziel: 40 Sportabzeichen will er schaffen und die hätte er 2020 im Sack.“ Ein Kollege hat schon 63. Den werde ich wohl nicht mehr überrunden”, sagt Landwehr lächelnd.

Sportbegeistert, aber zurückhaltend

Am Deutschen Sportabzeichen schätzt Richard Landwehr am meisten die Vielfalt. In seinem Umfeld wird fast nur Fußball gespielt. Das hat er selbst viel gemacht und dagegen hat er auch gar nichts. Aber die Möglichkeiten sind beim Deutschen Sportabzeichen einfach breiter gefächert. Doch am Ende des Tages ist Landwehr froh, wenn sich Jugendliche überhaupt noch bewegen. Er beobachtet, dass gerade junge Leute immer weniger für ihre Fitness tun. Und gerade deshalb schätzt er das Minisportabzeichen so, weil er hofft, bereits die Kinder mit Freude an Bewegung heranzuführen. Und das scheint zu funktionieren. Die Kinder freuen sich über ihn und beim KSB Grafschaft Bentheim wird Richard Landwehr sehr geschätzt, wie Tanja Hennig bestätigt: „Die gesamte Geschäftsstelle des KSB freut sich immer wieder auf die jährliche Arbeit mit Richard Landwehr. Seine offene und begeisternde Art steckt jeden an!”

„Meine Frau sagt immer, du kannst gar nicht ohne Sport. Und das stimmt! Sport hält gesund und hat mir in vielen Phasen meines Lebens weitergeholfen.” Schön, dass Landwehr das weitergibt. Beim diesjährigen Tourstopp am 28. Juni im Schulzentrum in Nordhorn wird er wahrscheinlich auch dabei sein. Wenn er es schafft. Denn am Nachmittag fährt er mit seiner Tochter zu den Deutschen Leichtathletik–Mehrkampf-Meisterschaften nach Düsseldorf. Vielleicht ist er ja doch sportverrückt?

Ehre wem Ehre gebührt

Hoffentlich nimmt er dann die Einladung nach Weimar wahr. Zum 15-jährigen Jubiläum des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sind alle für die Kampagne beispielhaft ausgewählten Ehrenamtlichen in der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements (13.9.-22.9.) am 17.9. zum Thementag "Engagement im Sport" beim Tourstopp in Weimar eingeladen. Um ein wenig Wirbel um seine eigene Person kommt Richard Landwehr also offenbar nicht herum. Dort soll allen für ihren vorbildlichen Einsatz ein verdienter Dank entgegengebracht werden. Das muss nicht sein, sagt er: „Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und muss nicht besonders hervorgehoben werden. Ich mach meine Arbeit und wenn die Kinder Spaß haben, dann ist doch alles in Ordnung.”

Moment, eines fehlt noch! In seiner Freizeit schreibt Richard Landwehr gerne Gedichte. Alle möglichen Themen hat er schon bearbeitet. Nur eines fehlt ihm noch: Das Deutsche Sportabzeichen. Vielleicht ist ja das 40. Mal im kommenden Jahr dafür ein guter.

(Quelle: wirkhaus.berlin)


  • Richard Landwehr immer im Team mit seiner Tochter Rebecca und dem Maskottchen Drago (Foto: privat)
    Richard Landwehr immer im Team mit seiner Tochter Rebecca und dem Maskottchen Drago (Foto: privat)
  • Richard Landwehr, seine Tochter Rebecca und Maskottchen Drago in Aktion mit einer Gruppe der Kita Tabaluga in Uelsen (Foto: privat)
    Richard Landwehr, seine Tochter Rebecca und Maskottchen Drago in Aktion mit einer Gruppe der Kita Tabaluga in Uelsen (Foto: privat)

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